Nach dem sehr schönen aber anstrengenden Tag wollte ich es
heute etwas ruhiger angehen lassen. Der Perito Moreno war wirklich sehr
beeindruckend. Daher stand er heute nochmal auf dem Programm. Nach dem
Frühstück wurde aus diesem sehr merkwürdigen Hotel ausgecheckt. Dort wollte man
ein großes, tolles Hotel darstellen. Doch nicht mal die Türen klappten dort. Das
System für die Schlüsselkarten war nämlich auch defekt. Temperaturregelung
erfolgte sozialistisch. Das heißt, alle Zimmer wurden auf volle Kanne
aufgeheizt (ohne Möglichkeit des einzelnen dies zu verhindern) und wenn es
einem dann zu warm wurde, konnte man ja das Fenster aufmachen.
Im Nationalpark angekommen, machte ich mich gleich auf den
Weg zum Besucherparkplatz. Von dort kann man entweder Shuttlebusse zu den
Viewpoints nehmen, das wollte ich aber auf dem Rückweg machen. Auf dem Hinweg
habe ich den Fußweg genommen, welcher am Parkplatz losgeht. Und nach etwa 15
Minuten lag der Gletscher in seiner gesamten beeindruckenden Pracht vor mir.
Die etwa 65-70 Meter hohe Gletscherkante mit einer Breite von über 4 Kilometern
lag nur wenige hundert Meter vor mir. Die Sonne strahlte vom Himmel und der
Gletscher schein in allen Facetten von weiß bis Blau. Zudem war er heute im
Vergleich zu gestern sehr aktiv. Der Perito Moreno ist ja der am Schnellsten
fließende Gletscher der Welt und wird dabei trotzdem nicht kleiner. Und so
befindet er sich ständig in Bewegung, was für ordentlich Action im Eis sorgt.
Dies kann man zum einen hören. Der Perito Moreno macht immer wieder Geräusche.
Dieses geht von einem Knacken, über Geräuschen die sich wie Gewehrschüsse
anhören bis zu einem gewaltigen Donnergrollen, daß sich durch den gesamten
Gletscher fortführt. Meistens kam es dann kurz darauf auch zu einem Eisabbruch.
Leider nie auf Bild. Denn an den Stellen, wo der allgemeine Experte meint, ein
Abbruch stünde kurz bevor, wird das Eis wahrscheinlich noch in drei Jahren
stehen. Aber etwa einen Kilometer entfernt brach dann die halbe Kante in den
See und man selber bekam nur noch die Welle zu sehen und die im Wasser
schwimmenden Eisbrocken. Auf den Viewpoints, die als Balkone auf Stelzen, die
über ein ausgeklügeltes System aus Stegen erreicht werden konnten, gebaut waren
brachen die sonntäglichen Besuchermassen in Jubel aus, wenn das passierte. Ich
machte es mir nacheinander auf den verschiedenen Balkonen gemütlich und ließ
das beeindruckende Spektakel auf mich wirken.
Doch am frühen Nachmittag musste ich dies dann abbrechen und
mich auf den Weg nach Puerto Natales machen. Nach einem Tankstopp in El
Calafate fütterte ich mein Auto Navi mit den Zieldaten und mich traf der
Hammer. Google Maps hatte mir eine Fahrtzeit von etwa 2:30 angezeigt, doch mein
Garmin warf nun knapp über 4 Stunden aus. Mir blieb nichts anderes übrig, als
abzuwarten wer Recht hatte. Google hat zwar gerne mal Fehler, aber auch die
Garmin Karte für Südamerika hat sich bisher als recht unvollständig und nicht
mehr aktuell herausgestellt. Nach etwa einer Stunde Fahrtzeit kam das Ergebnis,
mein Garmin hatte Recht. War ja klar, hätte ja sonst auch schneller sein
können. Also musste ich etwas Gas geben, denn ich hatte Sorge ggfs. Nicht mehr
die Grenzöffnungszeit zu erreichen. Sollte sich als unbegründet erweisen, aber
das konnte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht ahnen. Grenzöffnungszeit ? Ja Leute,
hier ist die Grenze nachts überall (!!) zu. Dann musste ich diesen Grenzposten
erst einmal finden. Diesen auf die Hauptstrasse zu bauen, wäre ja zu einfach.
Nein da macht man lieber ein kleines Schild vor eine Schotterstrasse, welches
ich fast übersehen hätte und lässt einen 6 Kilometer ins Nichts fahren. Dort
steht dann eine kleine Baracke. Naja, mit den Zollverfahren kenne ich mich ja
inzwischen aus. Ich glaube wenn ich zurück kehre, brauche ich einen neuen Pass.
Alle Seiten voll mit chilenischen und argentinischen Stempeln und ich habe noch
2 Grenzpassagen vor mir. Gegen 20 Uhr erreichte ich mein wirklich nettes
Apartment für die nächsten 3 Nächte.