Auch der längste und schönste Urlaub hat leider irgendwann
ein Ende. Heute wird das Ende meines Urlaubs eingeläutet. Es geht auf die erste
Etappe der Rückreise. Zur letzten Nacht in Auckland hatte ich noch meine
Zimmerschlüssel verloren. Meine Gastgeberin nahm es aber mit der typischen Kiwi
Gelassenheit und die 10 $ für einen neuen Schlüssel musste ich Ihr schon fast
aufdrängen.
So begab ich mich nach dem Frühstück auf die Fahrt zum
Flughafen. Am Lookout an der Flughafenzufahrt schaute ich mir die Landung meines
Airbus A380 an und begab mich dann zum Check in. Zoll, Ausreisekontrolle und
Sicherheitscheck liefen hier (endlich) mal zügig und entspannt ab. Ich hatte
auf meinem Flug wieder den Sitzplatz mit dem fehlenden Sitz davor und der
Nebensitz blieb auch frei. Also fast so viel Platz wie in der Business Class.
Zum Ende des Fluges fragte ich mich nur, welchen Film ich mir den auf dem
letzten Flug nach Frankfurt anschauen sollte. Ich hatte schon alle
interessanten Filme in deutscher Sprache durch (das waren nämlich enttäuschend
wenig). Naja wird halt auf Englisch mit englischen Untertiteln ausgewichen.
Pünktlich landeten wir in Singapur. Dort waren 19 Stunden
Aufenthalt geplant. Diese verbrachte ich natürlich nicht in der Transitzone.
Ich reiste ein und ging zu Fuß zum Crowne Plaza Hotel. Dort war bereits ein
„Runway View“ Zimmer für mich gebucht. Herrlich großes Zimmer und der Ausblick
war für einen Plane Spotter großartig. Die fast noch größere Freude war, dass
ich nach den ganzen Schrottbetten der vergangenen Tage endlich ein vernünftiges
Bett hatte. So fiel ich dann auch schnell in einen seligen Schlaf.
Am nächsten Tag war erst mittags Abflug angesagt.
Dementsprechend nutzte ich die Lage des Zimmers natürlich bis dahin voll zum
Planespotting aus. Leider mit Unterbrechungen, denn es war ziemlich gewittrig
und so wurde ich 2-3 mal in der Ausübung meines Hobbies unterbrochen, weil
Petrus seine Badewanne über Singapur ausschüttete (so fühlte sich das dann
zumindest an).
Pünktlich ging es dann in den Flieger nach Frankfurt. Leider
komplett ausgebucht und damit wenig Platz für alle. Dies natürlich auf dem
längsten Flug der Reise: 13:15 Stunden Flugzeit. Ich hatte zwar wieder mehr
Platz aber die Sitze auf der Boeing 777 waren ätzend. Nach 7 Stunden tat mir
der Arsch weh als hätte mir da ein Pferd reingetreten und da war ja erst der
halbe Flug rum. Aber irgendwann endete dann auch dieses Martyrium. In Frankfurt
landete ich sogar erstaunlich fit. So begab ich mich dann zur Autovermietung um
meinen Wagen für die Fahrt nach Hause abzuholen. Ich bekam eine A Klasse von
Mercedes. Klasse dachte ich, da passe ich gut rein. Ich hatte aber noch das
Bild der hohen (elchtestanfälligen) A Klasse im Kopf. Als ich meine
Schlüsselfernbedienung piepen ließ, blinkte aber so eine flache Flunder. Naja
irgendwann saß ich, aber ich befürchtete für das Aussteigen in Brelingen würde
ich einen Schwerlastkran bestellen müssen. Nachdem ich nach einer Odyssee
durchs Handbuch auch den Knopf für die Parkbremse gefunden hatte (liebe
Mercedes Bauer dieser gehört neben die Gangschaltung und nicht neben den
Lichtschalter !!!! ) konnte ich dann auch losfahren. In den Kasseler Bergen
erwischte mich dann doch die Müdigkeit aber nach einer kurzen Augenkosmetik auf
dem Parkplatz konnte ich die Fahrt nach Brelingen fortsetzen wo ich kurz nach 1
Uhr ankam und müde ins Bett fiel.
Was ist nun das Fazit der Reise ? Bei 5 Wochen entstehen
natürlich viele Eindrücke, so versuche ich das Fazit nicht zu einem Roman
ausarten zu lassen.
Zuerst bleibt hängen, wie klein der Mensch angesichts der
Kräfte ist, die der Planet hat. Ich war wirklich geschockt, wie nachhaltig die
Zerstörungen sind, die ein Erdbeben von nur mittlerer Stärke anrichten kann. Es
ist aber auch bewundernswert zu sehen, mit welcher Gelassenheit die Kiwis mit
dieser Gefahr umgehen.
Die Neuseeländer sind einfach ein liebenswertes Volk. Selbst
ein norddeutscher Brummbär wie ich hatte es dort immer leicht ins Gespräch zu
kommen. In einem Einwandererland war die Frage nach der Herkunft immer ein
leichter Einstieg in die Konversation. Erfreut war ich natürlich, dass ich mir
allerorten gesagt wurde, dass man sich gerne mit mir unterhält, weil mein
Englisch so gut sei. Überrascht hat mich in den Gesprächen, wie schnell und
direkt die Neuseeländer auch das Thema Politik ansprechen. Gilt doch
normalerweise in angelsächsisch geprägten Ländern der Grundsatz „no politics“
beim Small talk. Aber es war wohltuend in den ganzen 5 Wochen kein einziges
A….loch getroffen zu haben (ok, ausser ein paar Chinesen). Nach Rückkehr in Deutschland
hat´s leider keine 10 Minuten gedauert, bis einem das Erste über den Weg
gelaufen ist. Die Neuseeländer waren immer sehr höflich, hilfsbereit und
zuvorkommend. Ich hatte wirklich tolle Gastgeber, die einem nicht nur einen
angenehmen Aufenthalt bereiteten sondern auch immer versuchten mit vielen Tips
und Hilfestellungen die Reise zu verschönern.
Eine Gruppe habe ich leider viel zu wenig kennenlernen
können: die Maori. Dies liegt an der eher verschlossenen Lebensweise. Sie sind
zwar offen im Umgang. Die Lebensweise zu beobachten ist aber, wenn man keinen
Maori persönlich kennt sehr schwierig. So sind Gottes- und Gemeindehäuser für
Nichtmaori verschlossen. Diese dürfen nur besucht werden, wenn das
Stammesoberhaupt einen einlädt. Ansonsten beschränkt sich der Kontakt dann doch
eher nur auf touristische Tanzvorführungen (und so etwas ist eher nicht mein
Ding)
Neuseeland ist ein weltweites Trendziel. Die Landschaft und
die Tierwelt sind einzigartig. Und die Art und Weise, wie man diese Schönheiten
besuchen kann sind es ebenfalls. In Deutschland würde man vorher Unmengen an
Zäunen ziehen und an vielen Stellen die Menschen von einem Besuch abhalten.
Nicht so in Neuseeland. Alle Schönheiten des Landes können angeschaut und
betreten werden. Es gibt lediglich einige Hinweisschilder mit
Verhaltenshinweisen (an die sich fast alle halten, nur wer wieder nicht ? Ach
lassen wir das …..) Neuseeland ist aber auch in der ganz großen Gefahr mit
diesem Zulassen von Nähe an alle Naturschönheiten ein Opfer seines eigenen
Erfolges zu werden. Seit Peter Jackson in seinen Filmen der ganzen Welt die
beeindruckende Schönheit dieses Landes gezegt hat, explodieren die
Besucherzahlen. Im letzten Jahr haben bereits 6 Millionen Touristen das Land
besucht und an einigen Ecken wird’s bereits arg touristisch. Auch die Natur
wird an einigen Hotspots bereits sehr strapaziert. Beim Delfinschwimmen waren
wir bereits mit zwei Booten unterwegs, so dass auf jeden Delfin 1-2 Menschen
kamen, die um ihn herumschwammen und dies bei ca. 40 Tieren ! An anderen
Stellen wo sich nicht an die Verhaltenshinweise gehalten wird, gibt es bereits
die ersten Pinguinfreien Strände.
Wenn es das Internet nicht gäbe (und in einigen Ecken dieses
Landes gibt es das tatsächlich nicht) würde man sich tatsächlich wie im Land „Rechts
unten in der Ecke“ fühlen. Die restliche Welt erscheint einem dort sehr
entrückt. Kein Wunder ! Von der Ostküste ist die Datumsgrenze nicht weit und an
der Südküste ist die nächste Station die Antarktis. Insgesamt ist die restliche
Welt sehr weit weg. Die nächste Station Australien ist fast schon 2 Flugstunden
entfernt, will man in ein anderes Land Asiens kommt man gleich auf 7-10
Flugstunden, bei allen anderen Zielen kommt man gleich auf eine 1 bis 2 Tagesreise.
Diese Entrücktheit merkt man insbesondere in einigen entlegenen Orten der
Südinsel mit leicht archaisch anmutenden Lebensformen die in unseren Breiten
eher unvorstellbar wären. So kann es halt vorkommen, dass man im Supermarkt mit
einem Schild konfrontiert wird, man möge seine matschigen Gummistiefel
ausziehen und draußen lassen. Man(n) (nicht ich !!!!!!) dann aber trotzdem
reingeht und drauf angesprochen vom Chef dann diskutiert ob die Stiefel denn
wirklich matschig sind ………. Oder man geht in den Pub und merkt, dass dies
wirklich noch eine Männerdomäne ist, wo die einzigen anwesenden Frauen nur die
Bedienung hinter der Theke sein dürfen. Da denkt man nur, das Gold ist weg,
aber die Goldgräber von damals sind geblieben………
So sind leider einige Ecken dieses schönen Landes
unerforscht geblieben von mir. Ob ich nochmal dort hin reisen würde, weiß ich
nicht. Wahrscheinlich nur als Etappe, wenns mich zu einem anderen Ziel in der
Gegend treiben würde, denn ich bin einfach kein Mensch, der ein und dasselbe
Ziel mehrfach besucht. Es war aber ein toller Urlaub mit vielen prägenden
Erfahrungen (das Wort „mindbuilding“ kreuzte mehrfach meinen Weg und auch wie
es gelbt wird. Das ist etwas was ich gerne für mein eigenes Leben mitnehme).
Und zu guter Letzt war es einfach mal toll 5 Wochen weg von zu Hause zu sein
und alle Sorgen wirklich mal abschütteln zu können.