Freitag, 15. Februar 2019

13.02. und 14.02. 19 Pisco Elqui



Immer wenn ich auf dieser Reise kein volles Programm habe, merkt sich mein Körper das und meint, „wenn du eh nichts vorhast, darf ich jetzt auch mal müde sein“. Gleich nach dem Frühstück kam die Müdigkeit mit Wucht wieder und streckte mich nieder. Also Programmbeginn erst am Nachmittag. Ich fuhr weiter in das Tal hinein, durch kleine Künstlerdörfer. Das Klientel wurde immer schräger. Die meisten Menschen, die hier her kommen, wenn es keine Sternengucker sind, sind recht esoterisch angehaucht. So kann man sich in Pisco Elqui auf alle Arten seine Zukunft vorhersagen lassen, Wahrsagen, Tarot Karten, Handlinien lesen, etc. . Je tiefer man in das Tal hinein kommt, um so schräger wird es. Das begegnet man auch UFO Gläubigen, die angebotenen Heil- und Entspannungsmethoden reichen von Apitherapie (musste ich auch googeln), über Bioenergia, Biomagnetismus, kosmische Strahlung durch Steinauflegen und weitere skurrile Dinge. In sphärischen Tempeln lässt sich die Klientel in höhere Ebenen transportieren. Man will den schönen Sternen wohl besonders nah sein. Wenn man Musik hört im Tal, sind dies auch eher sphärische Klänge und Chillout Mucke. Da fühle ich mich mit meinem norddeutschen Gemüt voll heimisch.
Wie gut, das es hier auch handfeste Dinge gibt. Pisco. Und wie er gemacht wird, kann man sich in den Brennereien auch anschauen. Entweder in der großen von Mistral und in der kleinen Handwerksbrennerei von Los Nichos. Wie gut, das diese auf der anderen Straßenseite gegenüber vom Hotel liegt. Da kann man ohne Reue kosten. Der 40% ige mit längerer Reifezeit im Faß konnte dabei durchaus überzeugen.
Abends ging es dann noch zum Abendessen ins Dorf. Ich war früh dran und manches Restaurant noch zu. So ließ ich mich auf das Treiben auf dem munteren Dorfplatz ein. Hier tritt jeden Abend eine Kleinkunstgruppe mit einem Clownprogramm vor der Kirchentreppe auf. Einfach schön zu sehen, wie diese mit einem relativ einfachen aber herzlichen Programm ihr Publikum finden und begeistern. Im Restaurant probierte ich einen weiteren chilenischen Nationaltrunk: Terremoto. Das ist Weißwein mit Grenadine und Eis. Nach wenigen Zügen wusste ich woher der Name kommt. Terremoto heißt nämlich Erdbeben. Und so fühlte sich mein Kopf an. Ich stellte die weitere Vertilgung dieses Cocktails zugunsten eines Erdbeersmoothies ein um noch ins Hotel zu gelangen.
Hier wartete nämlich noch ein Programmpunt auf mich. Kurz vor Mitternacht holte mich der Guide Claudio zur Astronomie Tour ab. Ich hatte noch ein paar Mitstreiter. Ein Paar aus England und eines aus Irland. Mit 5 Leuten waren wir eine schöne kleine Gruppe, die innerhalb der Hotelanlage den Berg hinaufkletterte um das hoteleigene Observatorium zu besuchen, das mit einem 23,5 cm Spiegelteleskop ausgestattet ist. Da der Mond kurz davor war hinter dem Hügel unterzugehen, wurde dieser zuerst beobachtet. Danach bat uns Claudio wieder nach draußen und erklärte und die Entstehung und das Leben der Sterne. Das machte er sehr anschaulich und es war faszinierend, ihm zuzuschauen. Mit einem starken Laserpointer benutzte er quasi den Sternenhimmel als seine persönliche Powerpoint Präsentation. Danach ging es wieder zum Teleskop und wir schauten uns Sterne in verschiedenen Größen und Farben an. Danach wurden uns Sternennebel gezeigt, die durch das Teleskop erstaunlich gut sichtbar waren. Ein 23,5 cm Teleskop ist zwar schon was, aber auch halt kein Forschungsteleskop. Aber dafür wurde einem schon etwas geboten. Nach 90 Minuten war die Tour vorbei. Die Gruppe ging zurück zu ihren Zimmern. Ich blieb oben und nutzte die Gelegenheit, um den Sternenhimmel zu fotografieren. Schlafen hätte ich sowieso nicht können. Im Tal hatte jemand seine Chillout Mucke derart laut gedreht, dass alle unfreiwillig mitchillen mussten.
Dafür, dass ich gerade mal 6 Stunden Schlaf zusammenkratzen konnte, war ich relativ munter. Trotzdem verbleib ich erst einmal im Hotel und entspannte. Muss ja auch mal sein. So blieb vorerst das Sudoku Heft die einzige Beschäftigung. Am Nachmittag machte sich der kurze Nachtschlaf doch bemerkbar und das Verlangen nach einem Nickerchen ebenso. Am Abend ging es dann wieder in den Ort. Mal wieder am zentralen Platz sich das muntere Treiben anschauen und dann ein Restaurant zum Essen suchen. Ich liebe es ja mal gar nicht, wenn wie heute, ich ein Restaurant in dem ich am Besten alle Tage gegessen hätte, erst am letzten Abend entdecke. Aber sei`s drum. Wenigstens am letzten Abend noch entdeckt. Der Halbmond war erst recht spät aufgegangen. So strich ich meine Fotopläne für die Nacht, denn vor 1-2 Uhr würde er nicht hinter den Bergen verschwinden. Da war Fotografie nicht erfolgversprechend. Es war einfach zu hell. So gings früh ins Bett.

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