Immer wenn ich auf dieser Reise kein volles Programm habe,
merkt sich mein Körper das und meint, „wenn du eh nichts vorhast, darf ich
jetzt auch mal müde sein“. Gleich nach dem Frühstück kam die Müdigkeit mit
Wucht wieder und streckte mich nieder. Also Programmbeginn erst am Nachmittag.
Ich fuhr weiter in das Tal hinein, durch kleine Künstlerdörfer. Das Klientel
wurde immer schräger. Die meisten Menschen, die hier her kommen, wenn es keine
Sternengucker sind, sind recht esoterisch angehaucht. So kann man sich in Pisco
Elqui auf alle Arten seine Zukunft vorhersagen lassen, Wahrsagen, Tarot Karten,
Handlinien lesen, etc. . Je tiefer man in das Tal hinein kommt, um so schräger
wird es. Das begegnet man auch UFO Gläubigen, die angebotenen Heil- und
Entspannungsmethoden reichen von Apitherapie (musste ich auch googeln), über
Bioenergia, Biomagnetismus, kosmische Strahlung durch Steinauflegen und weitere
skurrile Dinge. In sphärischen Tempeln lässt sich die Klientel in höhere Ebenen
transportieren. Man will den schönen Sternen wohl besonders nah sein. Wenn man
Musik hört im Tal, sind dies auch eher sphärische Klänge und Chillout Mucke. Da
fühle ich mich mit meinem norddeutschen Gemüt voll heimisch.
Wie gut, das es hier auch handfeste Dinge gibt. Pisco. Und
wie er gemacht wird, kann man sich in den Brennereien auch anschauen. Entweder
in der großen von Mistral und in der kleinen Handwerksbrennerei von Los Nichos.
Wie gut, das diese auf der anderen Straßenseite gegenüber vom Hotel liegt. Da
kann man ohne Reue kosten. Der 40% ige mit längerer Reifezeit im Faß konnte
dabei durchaus überzeugen.
Abends ging es dann noch zum Abendessen ins Dorf. Ich war
früh dran und manches Restaurant noch zu. So ließ ich mich auf das Treiben auf
dem munteren Dorfplatz ein. Hier tritt jeden Abend eine Kleinkunstgruppe mit
einem Clownprogramm vor der Kirchentreppe auf. Einfach schön zu sehen, wie
diese mit einem relativ einfachen aber herzlichen Programm ihr Publikum finden
und begeistern. Im Restaurant probierte ich einen weiteren chilenischen
Nationaltrunk: Terremoto. Das ist Weißwein mit Grenadine und Eis. Nach wenigen
Zügen wusste ich woher der Name kommt. Terremoto heißt nämlich Erdbeben. Und so
fühlte sich mein Kopf an. Ich stellte die weitere Vertilgung dieses Cocktails
zugunsten eines Erdbeersmoothies ein um noch ins Hotel zu gelangen.
Hier wartete nämlich noch ein Programmpunt auf mich. Kurz
vor Mitternacht holte mich der Guide Claudio zur Astronomie Tour ab. Ich hatte
noch ein paar Mitstreiter. Ein Paar aus England und eines aus Irland. Mit 5
Leuten waren wir eine schöne kleine Gruppe, die innerhalb der Hotelanlage den
Berg hinaufkletterte um das hoteleigene Observatorium zu besuchen, das mit
einem 23,5 cm Spiegelteleskop ausgestattet ist. Da der Mond kurz davor war
hinter dem Hügel unterzugehen, wurde dieser zuerst beobachtet. Danach bat uns
Claudio wieder nach draußen und erklärte und die Entstehung und das Leben der
Sterne. Das machte er sehr anschaulich und es war faszinierend, ihm
zuzuschauen. Mit einem starken Laserpointer benutzte er quasi den Sternenhimmel
als seine persönliche Powerpoint Präsentation. Danach ging es wieder zum
Teleskop und wir schauten uns Sterne in verschiedenen Größen und Farben an. Danach
wurden uns Sternennebel gezeigt, die durch das Teleskop erstaunlich gut
sichtbar waren. Ein 23,5 cm Teleskop ist zwar schon was, aber auch halt kein
Forschungsteleskop. Aber dafür wurde einem schon etwas geboten. Nach 90 Minuten
war die Tour vorbei. Die Gruppe ging zurück zu ihren Zimmern. Ich blieb oben
und nutzte die Gelegenheit, um den Sternenhimmel zu fotografieren. Schlafen
hätte ich sowieso nicht können. Im Tal hatte jemand seine Chillout Mucke derart
laut gedreht, dass alle unfreiwillig mitchillen mussten.
Dafür, dass ich gerade mal 6 Stunden Schlaf zusammenkratzen
konnte, war ich relativ munter. Trotzdem verbleib ich erst einmal im Hotel und
entspannte. Muss ja auch mal sein. So blieb vorerst das Sudoku Heft die einzige
Beschäftigung. Am Nachmittag machte sich der kurze Nachtschlaf doch bemerkbar
und das Verlangen nach einem Nickerchen ebenso. Am Abend ging es dann wieder in
den Ort. Mal wieder am zentralen Platz sich das muntere Treiben anschauen und
dann ein Restaurant zum Essen suchen. Ich liebe es ja mal gar nicht, wenn wie
heute, ich ein Restaurant in dem ich am Besten alle Tage gegessen hätte, erst
am letzten Abend entdecke. Aber sei`s drum. Wenigstens am letzten Abend noch
entdeckt. Der Halbmond war erst recht spät aufgegangen. So strich ich meine
Fotopläne für die Nacht, denn vor 1-2 Uhr würde er nicht hinter den Bergen
verschwinden. Da war Fotografie nicht erfolgversprechend. Es war einfach zu
hell. So gings früh ins Bett.
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