Montag, 11. Februar 2019

01.02.19 Gold Harbour und Moltke Harbour



Nun war es soweit. Wir sind in Südgeorgien angekommen. Und die Tiere zeigten gleich nach dem Aufstehen, was sie hier so drauf haben. Wir wurden von Pinguinen, Albatrossen, Sturmvögeln und Buckelwalen begleitet. Das Frühstück wurde auf 0700 Uhr vorverlegt, damit wir an unserer ersten Station Gold Harbour die maximal mögliche Zeit verbringen konnten. Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellen sollte. Nach einem etwas schwierigen Einstieg in die Boote, die Wellen am Schiff waren doch etwas höher als bisher gewohnt, ging es auf den Strand. Angekündigt war uns ein „guter Einstieg in die Natur und die Tierwelt in Südgeorgien“. Zitat unseres Expeditionsleiters. Bekommen haben wir den absoluten visuellen Overkill. Am Strand fanden unter einem riesigen hängenden Gletscher eine kleine Kolonie von Eselspinguinen, eine Gruppe der riesigen Seelefanten, in den Hügeln um den Strand lagen Unmengen von Pelzrobben und schließlich die Stars des Tages: zigtausende Königspinguine füllten den Strand mit Ihrer Anwesenheit und ihrem Geschrei. Allen gemeinsam war die absolute Ruhe trotz unserer Anwesenheit. Dazu kam die Neugierde der Königspinguine uns gegenüber. So dauerte es nicht lange, bis einer von Ihnen meine Gopro inspizierte und ordentlich auf der Linse rumhackte. Glücklicherweise ohne Schaden anzurichten aber er lieferte schöne Bilder. Wie viele seiner Artgenossen ebenfalls. Es war soviel los am Strand, dass man gar nicht wusste, wo man zuerst hinschauen sollte. Ging nicht nur mir so, sondern auch den anwesenden Profis. Die Königspinguine sind einfach so derartig putzig in ihrem Auftreten, dass man beim Zuschauen einfach Spass haben muss. Sie kommen in Gruppen aus dem Wasser, gehen dann meist zu Zweit oder zu Dritt weiter, dabei bemühen sich alle, den Kopf höher zu tragen als alle anderen. Das schafft natürlich nur einer und irgendwann wird einem die Begleitung zu doof und sie bekommt mit dem Stummelflügel ordentlich einen verpasst. Und diese Schauspiel wiederholt sich im Dutzenderpack am Strand. Dazu wird ordentlich gebrüllt. Geraten die Küken dazwischen, bekommen diese die Schläge ab, obwohl sie nur was zu fressen haben wollen. Da die Königspinguine einen recht seltsamen Brutrhythmus von 14 Monaten haben, gibt es in der Kolonie alle Stadien von Küken. Von nicht geschlüpften Eiern über kleine Küken, beide kann man nicht sehen, weil die Männchen diese in einer Brutfalte unter dem Körper verstecken und auf Ihren Füßen tragen. Die Füße werden hochgeklappt und gegangen wird auf der Ferse, wenn überhaupt. Die größeren Küken sehen aus wie große braune Wollknäuel und die fast erwachsenen befinden sich in der Mauser und zeigen die ersten Anzeichen des Erwachsenenfells. Nur mit gelber Kennzeichnung statt orangener.
Mit vollen Speicherkarten und einem absoluten Memory Overload im Kopf ging es zurück aufs Schiff. Sofort wurden die Kameras wieder für den Nachmittagseinsatz fertig gemacht. Wer aber glaubte, nach dem Mittagessen, kann man sich ausruhen hatte sich getäuscht. Draußen gaben nun die Albatrosse eine Flugshow über unseren Decks. Als wir in die Bucht einbogen, wieder die bekannte Routine. Rein in die Klamotten und ab auf die Boote. Diesmal besuchten wir Moltke Harbour. Eine Bucht in der die deutschen in frühen Jahren bis heute Antarktisforschung betreiben. Am Strand gab es wieder einige Esels- und Königspinguine, aber nicht in so überwältigenden Massen wie heute Morgen. So konnte man sich einfach an den Strand setzen und das gebotene Treiben einfach genießen. Die Stars heute Nachmittag waren aber hunderte von Pelzrobbenbabys, die von ihren Eltern bereits verlassen wurden, aber noch nicht ganz begriffen hatten, dass der Ernst des Lebens bereits begonnen hatte und noch vergnügt am Strand herumspielten. Sie waren auch sehr neugierig und kamen direkt auf einen zu. Da musste man dann doch eingreifen und den Wanderstock als Abstandshalter einsetzen. Robbenbisse sind nicht nur unangenehm, sondern gefährlich.
An einem Gletscherfluss entdeckten wir dann auch noch ein paar Seeelefanten, die allen Ernstes übereinander schliefen. Wiegen ja auch nix, die Viecher. Da kann man das ja mal machen.
Zufrieden ging es wieder an Bord. Nun muss ich erst einmal die Eindrücke des Tages sortieren.

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