Nun war es soweit. Wir sind in Südgeorgien angekommen. Und
die Tiere zeigten gleich nach dem Aufstehen, was sie hier so drauf haben. Wir
wurden von Pinguinen, Albatrossen, Sturmvögeln und Buckelwalen begleitet. Das
Frühstück wurde auf 0700 Uhr vorverlegt, damit wir an unserer ersten Station
Gold Harbour die maximal mögliche Zeit verbringen konnten. Eine gute
Entscheidung, wie sich herausstellen sollte. Nach einem etwas schwierigen
Einstieg in die Boote, die Wellen am Schiff waren doch etwas höher als bisher
gewohnt, ging es auf den Strand. Angekündigt war uns ein „guter Einstieg in die
Natur und die Tierwelt in Südgeorgien“. Zitat unseres Expeditionsleiters.
Bekommen haben wir den absoluten visuellen Overkill. Am Strand fanden unter
einem riesigen hängenden Gletscher eine kleine Kolonie von Eselspinguinen, eine
Gruppe der riesigen Seelefanten, in den Hügeln um den Strand lagen Unmengen von
Pelzrobben und schließlich die Stars des Tages: zigtausende Königspinguine
füllten den Strand mit Ihrer Anwesenheit und ihrem Geschrei. Allen gemeinsam
war die absolute Ruhe trotz unserer Anwesenheit. Dazu kam die Neugierde der
Königspinguine uns gegenüber. So dauerte es nicht lange, bis einer von Ihnen
meine Gopro inspizierte und ordentlich auf der Linse rumhackte.
Glücklicherweise ohne Schaden anzurichten aber er lieferte schöne Bilder. Wie
viele seiner Artgenossen ebenfalls. Es war soviel los am Strand, dass man gar
nicht wusste, wo man zuerst hinschauen sollte. Ging nicht nur mir so, sondern
auch den anwesenden Profis. Die Königspinguine sind einfach so derartig putzig
in ihrem Auftreten, dass man beim Zuschauen einfach Spass haben muss. Sie
kommen in Gruppen aus dem Wasser, gehen dann meist zu Zweit oder zu Dritt
weiter, dabei bemühen sich alle, den Kopf höher zu tragen als alle anderen. Das
schafft natürlich nur einer und irgendwann wird einem die Begleitung zu doof
und sie bekommt mit dem Stummelflügel ordentlich einen verpasst. Und diese
Schauspiel wiederholt sich im Dutzenderpack am Strand. Dazu wird ordentlich
gebrüllt. Geraten die Küken dazwischen, bekommen diese die Schläge ab, obwohl
sie nur was zu fressen haben wollen. Da die Königspinguine einen recht
seltsamen Brutrhythmus von 14 Monaten haben, gibt es in der Kolonie alle
Stadien von Küken. Von nicht geschlüpften Eiern über kleine Küken, beide kann
man nicht sehen, weil die Männchen diese in einer Brutfalte unter dem Körper
verstecken und auf Ihren Füßen tragen. Die Füße werden hochgeklappt und
gegangen wird auf der Ferse, wenn überhaupt. Die größeren Küken sehen aus wie
große braune Wollknäuel und die fast erwachsenen befinden sich in der Mauser und
zeigen die ersten Anzeichen des Erwachsenenfells. Nur mit gelber Kennzeichnung
statt orangener.
Mit vollen Speicherkarten und einem absoluten Memory
Overload im Kopf ging es zurück aufs Schiff. Sofort wurden die Kameras wieder
für den Nachmittagseinsatz fertig gemacht. Wer aber glaubte, nach dem
Mittagessen, kann man sich ausruhen hatte sich getäuscht. Draußen gaben nun die
Albatrosse eine Flugshow über unseren Decks. Als wir in die Bucht einbogen,
wieder die bekannte Routine. Rein in die Klamotten und ab auf die Boote.
Diesmal besuchten wir Moltke Harbour. Eine Bucht in der die deutschen in frühen
Jahren bis heute Antarktisforschung betreiben. Am Strand gab es wieder einige
Esels- und Königspinguine, aber nicht in so überwältigenden Massen wie heute
Morgen. So konnte man sich einfach an den Strand setzen und das gebotene
Treiben einfach genießen. Die Stars heute Nachmittag waren aber hunderte von
Pelzrobbenbabys, die von ihren Eltern bereits verlassen wurden, aber noch nicht
ganz begriffen hatten, dass der Ernst des Lebens bereits begonnen hatte und
noch vergnügt am Strand herumspielten. Sie waren auch sehr neugierig und kamen
direkt auf einen zu. Da musste man dann doch eingreifen und den Wanderstock als
Abstandshalter einsetzen. Robbenbisse sind nicht nur unangenehm, sondern
gefährlich.
An einem Gletscherfluss entdeckten wir dann auch noch ein
paar Seeelefanten, die allen Ernstes übereinander schliefen. Wiegen ja auch
nix, die Viecher. Da kann man das ja mal machen.
Zufrieden ging es wieder an Bord. Nun muss ich erst einmal
die Eindrücke des Tages sortieren.
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