Montag, 11. Februar 2019

30. und 31.01. Seetage Richtung Südgeorgien



Nach Tagen voller Action kehrte Ruhe im Schiff ein. Die meisten Passagiere merkten auch, dass die vergangenen Tage jetzt nach etwas Entspannung und Ruhe verlangten. Auch ich musste erkennen, dass ich ehrlich gesagt ziemlich hinüber war. Am Morgen gab es noch zwei Vorträge über Robben und die Jagd von Scott und Amundsen zum Südpol. Beide interessant. Aber danach rief das Bett nach seinem Recht. Während der ganzen Reise war es noch nicht so still. Die Flure waren leer und die wenigen, die es bis in die Bar geschafft hatten, um die Aussicht zu genießen, waren auch in Ihren Sesseln eingeschlafen. Jemand, den ich sehr oft im Spiegel anschaue, war ebenfalls darunter. Nach dem Mittagessen nutzte ich die freie Zeit, um meine Bilder zu sortieren und einige auszusuchen, die ich auf dem PC im Media Room mit denen, die keine tolle Ausrüstung dabei haben (und das sind erstaunlich viele), teilen wollte.
Am Abend gab es dann noch einen Vortrag unseres Kayak Guides Jamie über sein Leben als Kajaker. Irre was der schon so erlebt hat. So war er mit einem Team der erste, der Spitzbergen in einem Kayak umrundet hat. Einfach irre Bilder. Da muss ich auch mal ein Wort zu unserer Besatzung des Veranstalters sagen. Ich bin von Tag zu Tag mehr begeistert von diesen Leuten. Inzwischen hat man von fast allen ja den Background erfahren. Es handelt sich wirklich bei allen um absolute Outdoor Maniacs, die schon irrwitzige Abenteuer hinter sich haben. Einer war 30 Jahre Kapitän bei der Royal Canadian Marine Police und hat als einer der Ersten Amerika komplett umrundet inklusive Nordwestpassage. Für seine Verdienste trägt er sogar den Titel „Member of Merit“. Das ist die kanadische Version des „Member of British Empire“. Wir mussten ihn aber nicht mit „Sir“ anreden. Unsere stellvertretende Expeditionschefin ist im auf einem 18 Meter kurzen Segelforschungsschiff 2 Jahre lang in die Antarktis gefahren, unser Biologe macht seine 31. Saison in der Antarktis (!!!) und in seiner Freizeit regelmäßig Expeditionen im Himalaya, unser Historiker macht Schlittenhundexpeditionen überall in der Welt und so weiter und so weiter. Man hält sich selber für einen Weltenbummler und begegnet hier Lebensläufen, dass man sich selber fühlt, als wäre man in seinem Leben bestenfalls nach Castrop-Rauxel gekommen (und das nicht nur bei der Besatzung). Und nun haben ausgerechnet diese Leute nichts besseres zu tun, als uns im Schlauchboot durch die Antarktis zu fahren. Einfach nur irre. Aber auch gut, sich in Händen von Leuten zu wissen, die wissen was sie tun.
Am nächsten Tag stieg der Puls wieder. Als erstes stand ein verpflichtendes Briefing über Südgeorgien auf dem Plan. Danach gab es die sogenannte „Vacuum Party“. Alle Gäste wurden Deck für Deck zur Rezeption gerufen und mussten für die Kleidung ein noch strikteres Biosecurity Protokoll durchlaufen, als in der Antarktis. Hieß Stiefel putzen und waschen, und seine ganze Kleidung auf Verunreinigungen überprüfen und reinigen. Macht insbesondere bei den Klettverschlüssen richtig Spass. Dann alle kleinen Zwischenräume mit dem Staubsauger reinigen, daher der Name für die Party. Die Regierung Südgeorgiens wird uns am zweiten Tag der Reise über die ordnungsgemäße Durchführung kontrollieren. Gibt´s zu viele, die durchfallen und das wiederholt sich, würde One Ocean in Zukunft hier nicht mehr herfahren dürfen. Aber gut so, wenn man hört, was hier schon alles eingeschleppt wurde und sich ausbreitet und das sensible Biosystem hier gefährdet. Aktuell kämpft man z.B. gegen den Löwenzahn, der hier überhaupt nichts zu suchen hat. Und wer den im eigenen Garten hat, weiß wie der sich ausbreitet. Ein Samen in der Falte seiner Kleidung reicht. Und dann weiß man auch warum man den ganzen Zirkus hier veranstaltet.
Am Nachmittag gab es dann noch einen allgemeinen Vortrag über Südgeorgien. Auf diesen folgte dann am Abend die Bekanntgabe des Expeditionsprogramms für die folgenden Tage. Jetzt heißt es wieder jeden Vormittag und Nachmittag rein in die Klamotten und ab in die Boote. Aber jetzt sind die Akkus wieder voll und alle sind froh und gespannt auf die Abenteuer, die uns erwarten. Auf geht´s zum wahrscheinlichen Höhepunkt der Reise.

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