Sonntag, 20. Januar 2019
19.01.2019 Ushuaia
Von meinem kaputten Fuß, der aber erstaunlich gute Fortschritte macht, wollte ich mich nicht ins Boxhorn jagen lassen. Das Wetter war besser als angekündigt. Der Regen verzog sich schnell. So machte ich mich nach dem Frühstück auf im Auto die Umgebung zu erkunden. Zuerst fuhr ich hoch zum Glaciar Martial gleich hinter der Stadt. Naja, Gletscher....... nachdem, was ich die letzte Woche gesehen habe, war das eher ein Eiswürfel. Hier oben und in den umliegenden Bergen ist ein Wintersportgebiet, das Ushuaia auch Besucher im Winter sichert. Jetzt sind die Hotels natürlich alle zu und die Sessellifte stehen still. Für eine Hafenstadt ist Ushuaia ganz passabel. Da habe ich auf dieser Reise schon schlimmeres gesehen. Als Kleinod würde ich die Stadt trotzdem nicht bezeichnen. Einfach zu schnell ohne Ordnung gewachsen. Dafür wieder eine ordentliche Seafront gebaut. Es ging nochmal raus in die Berge. Alles ganz nett. Aber nach Patagonien konnte mich das nicht überzeugen. Auf dem Rückweg noch eine Rast an einem Picknickplatz an einem rauschenden Bergbach eingelegt. Als letzte Etappe ging es raus zur Playa Larga. Dabei festgestellt, dass man hier ganz gut Seevögel fotografisch jagen kann. Heute machte mir der Wind das meiste zunichte. Aber morgen soll der abnehmen. Da werde ich es nochmal versuchen. Es gibt hier Sturmvögel. Das sind die kleinen Brüder der Albatrosse. Die habe ich erst in der Antarktis erwartet. Ein Essen im Fischrestaurant beschloss den Tag.
Samstag, 19. Januar 2019
18.01.19 Punta Arenas – Ushuaia
Heute stand ein Reisetag an. Nach meinem Mißgeschick von
gestern hätte ich sowieso nicht viel machen können. Heute fühlte sich der Fuß
aber schon viel besser an. Wie gut, dass ich zu Hause daran gedacht habe, die
noch unbenutzte Großtube Voltaren forte einzupacken. Die hat mir hier schon
gute Dienste geleistet und tut es jetzt wieder.
Nach dem Frühstück traf ich mich um 10 Uhr mit dem Vertreter
der Autovermietung um den Mietwagen zu übergeben. Ich hatte anfangs etwas
Zweifel. Aber er hat zuverlässig seinen Dienst verrichtet. Dann ging es ans
finale Kofferpacken und um 12 Uhr wurde ich von der Autovermietung abgeholt und
zum Flughafen gebracht. Es ging mit Aerovias DAP einer Fluggesellschaft, die sich
auf Flüge in Südpatagonien, Feuerland und Antarktis spezialisiert hat, nach
Ushuaia auf der argentinischen Seite von Feuerland. Der selbsternannt südlichsten Stadt der Welt. Dort geht es dann am Montag
auf das Schiff in die Antarktis. Beim Check In durfte ich erst einmal für 28kg
Übergepäck zahlen. Ich hätte ja auch einen Tarif mit mehr Gepäck gebucht. Den
gab es aber nicht. Aber 90 EUR umgerechnet für diese Gepäckmenge fand ich noch
human. Da regte mich der Check in Agent in Hannover schon eher auf, weil ich
die Koffer nicht paritätisch auf 2x23 kg gepackt hatte, sondern 1x28kg und 1x
16 kg gabs 75 EUR Gebühr. Das fand ich unverschämt. Nach der lässigsten
Sicherheitskontrolle und Ausreiseabfertigung seit Jahren begab ich mich ins Gate.
Ich wusste von vornherein, dass mich mit der geplanten DeHavilland Twin Otter
mit 15 Sitzplätzen jetzt nicht gerade ein Riese von Flugzeug erwarten würde. Ich
bin mit diesem Typ schon zweimal in Kanada und Schottland geflogen. Wir waren
nur 7 Passagiere und so wurde aus ziemlich kleinem Flugzeug ein noch kleineres
Flugzeug. Eine Beech King Air 100. 9 Sitzplätze. Auf den 2 freien Plätzen lag
mein Übergepäck. Da sich bei inzwischen auch bei mir die Jahresringe mehren,
kommt es inzwischen selten vor, dass ich in einem Flugzeug sitze, das älter ist
als ich. Heute war es mal wieder soweit. Die gute Dame hatte schon 49
Dienstjahre auf dem Buckel und das sah man ihr (im Gegensatz zu mir ……) auch
an. Trotzdem war es ein angenehmer Flug, das Flugwetter war gut. Und gegen die
dröhnenden Motoren habe ich immer einen Satz Ohropax in der Fototasche.
Planespotter sind für sowas halt gerüstet. Nach 50 Minuten Flugzeit landeten
wir pünktlich in Ushuaia. Dort durfte ich die nächste unterschiedliche
Einreiseformalität in Argentinien kennenlernen. Hier wurde sogar fotografiert
und Fingerabdrücke genommen. Auf jeder Grenzstation mal was anderes. Dann
Übergabe des nächsten Mietwagens und ab ins Hotel. Dieses liegt direkt am Beagle
Kanal mit Blick auf die Berge dahinter. Den Ausblick konnte ich am Kanal auch
schön genießen. Seit Wochen der erste Tag ohne Wind. Toll. Wird aber wohl eine
Eintagsfliege. Ab morgen stehen wieder Böen bis 60 km/h auf der Agenda.
Im Hotel noch ein Abendessen eher mittlerer Qualität
eingenommen. Hier wieder festgestellt, wie irre spät die Argentinier essen gehen.
Die Chilenen sind schon nicht früh dran, aber die Argentinier toppen das noch.
Vor 2100 Uhr geht hier fast niemand essen. Ab 2200 Uhr geht das Geschäft erst
los. Auf der Estancia vor Perito Moreno Stadt vor 10 Tagen kam nach eine
Gruppe, die aßen um halb zwölf. Und das ist hier nicht so ungewöhnlich. Ich
frage mich zwar, wie die dann schlafen können, denn die Portionen in
Argentinien sind üppig und manchmal sogar seeeeehr üppig. Ich könnte mit so
einer Tellermine im Bauch nicht schlafen gehen.
Freitag, 18. Januar 2019
17.01.19 Punta Arenas
Heute hatte ich einen Tag in Punta Arenas. Ich hatte die
Wahl zwischen Stadtbesichtigung und Pinguininsel. Ich habe mich für die Stadt
entschieden, den diese Stadt ist so die erste die etwas wie Architektur zu bieten hat. Pinguine werde ich wohl noch genug sehen. So ging es nach dem Frühstück erst einmal
Richtung Uferpromenade an der Magellanstrasse. Auf dem Weg dahin noch kurz bei
der Autovermietung reingeschaut und die Übergabe für morgen abgesprochen.
Die Uferpromenade ist wirklich schön und geht die ganze
Waterfront entlang der Magellanstrasse. Diese ist wirklich viel größer geraten,
als ich dachte. An vielen Stellen kann man hier das gegenüberliegende Ufer
nicht sehen. So genoß ich die Aussicht und machte einige Fotos von den bereits
aus Neuseeland bekannten Kormoranstegen mit den vor Punta Arenas ankernden Schiffen
im Hintergrund. Danach besuchte ich die Markthalle, in der hier nicht nur
Lebensmittel sondern auch Kunsthandwerk verschiedenster Art verkauft wird. Für mich war sie kein
Highlight. Weiter gings zur zentralen Plaza. Diese war wirklich sehr schön
gestaltet mit vielen Bäumen, Bänken und in der Mitte eine Statue von Hernando
Magallanes. Daneben befindet sich die Kathedrale, welche leider nicht zu
besichtigen war. So ließ ich mich auf einer Bank nieder und genoß das Treiben
auf dem Platz. Danach ging es langsam weiter wieder zurück in Richtung Hotel
und dann erwischte es mich leider. Beim Betreten eines Ladens rutschte ich auf
der Treppe aus und knickte mit dem Fuß um. Fühlte sich erst gar nicht so schlimm
an. Wurde auf dem Weg ins Hotel immer schlimmer. Auch die Ruhe auf dem Bett
trug nicht wirklich viel zur Besserung bei. Da ich morgen ja einen Flug habe
und danach Wochenende ist, entschied ich mich zur Sicherheit lieber ein
Krankenhaus aufzusuchen und das Fußgelenk mal prüfen zu lassen. Also wurde ich
dann mal Teil des chilenischen Gesundheitswesens. Wird bei mir in fernen
Ländern zur schlechten Angewohnheit. In Namibia hat es mich ja auch erwischt.
Aber wie gut, wenn man eine Auslandskrankenversicherung hat, alles wird
geregelt. Ich kam relativ schnell dran. Jetzt weiß ich, wie sich in Deutschland
Privatpatienten fühlen. Eine kurze Untersuchung und danach ging es gleich
weiter zum Röntgen. Der Arzt verstand glücklicherweise Englisch. Bei Medizin
war mein Spanisch nun endgültig am Ende. Mit den Schwestern hatte ich so meine
liebe Mühe bei der Verständigung. Als Ergebnis kam glücklicherweise nur eine
heftige Verstauchung heraus. Tut zwar doll weh, geht aber wieder weg. Glücklicherweise
habe ich jetzt diverse Tage ohne großes Programm. Morgen geht der Flug nach
Ushuaia. Dann habe ich drei Tage vor Ort, da wollte ich eigentlich einen Tag in
den Nationalpark. Fällt jetzt halt aus. Ich habe eine Unterkunft direkt am
Beagle River. Da ist jetzt halt Zwangsentspannung angesagt. Vielleicht auch
nicht verkehrt. Und am Montagabend geht’s auf das Schiff. Und dann ist ja erst
einmal mindestens 2 Tage Drake Passage angesagt. Da haben die Füße also fast
eine Woche Zeit zur Erholung. Wenigstens hat die „Scheiße am Fuß“ das richtige
Timing.
Donnerstag, 17. Januar 2019
16.01.19 Puerto Natales – Punta Arenas
Man mag es kaum glauben, aber heute stand schon meine letzte
Etappe in Patagonien an.
Zuerst wollte mein großer Zeh partout nicht unter der
Bettdecke hervor. In der Wohnung waren ganze 2 Grad ! Es war allen Ernstes
drinnen kälter als draußen. Ich weiß echt nicht, wie die Chilenen das machen
und vor allem, wie die das Tag für Tag aushalten. Man muss sich ja vorstellen,
dass gerade Hochsommer ist. Wie machen die das im Winter ? Also schnell raus
(und dabei aufwärmen,, haha) und Holz holen für den Ofen. Und dann ordentlich
Zunder geben. Ich will den Ofen ja nicht erst gegen Mittag warm haben.
Nach einem ruhigen und gemütlichen Frühstück packte ich
meine Sachen und machte mich auf den Weg. Heute besichtigte ich die Cueva del
Milodón. Hier wurden in einer Höhle vor Jahrzenten von einem deutschen
Einwanderer Reste eines Tieres gefunden, dass vor etwa 10000 -15000 Jahren hier
lebte. Das Milodón. Eine Art Riesenfaultier. Etwa 4 Meter groß. Die Höhle ist
ziemlich imposant von der Größe. Das war es dann aber auch. Und entgegen aller
Behauptungen auf Facebook wurde ich von dem Tier nicht gefressen. Wie auch, ist
ja a) schon längst tot und b) Pflanzenfresser. Und dass ich ach all dem
Rindfleischkonsum der letzten Wochen eine vegetarische Mahlzeit wäre, möchte
ich energisch bestreiten.
Danach nochmal zurück nach Puerto Natales und ausruhen an
der Promenade zur Bucht. Danach gig auf die letzte Etappe nach Punta Arenas.
Kurz hinter Puerto Natales änderte sich die Landschaft. Zuerst erschienen
Wälder aus halbverdorrten Bäumen. Verdorrte Moose, die durch den permanenten
Wind fast waagerecht abstanden, verliehen den Wäldern das Aussehen eines
Geisterwaldes als wären sie aus „Herr der Ringe“ entsprungen. Danach wandelte
sich die Landschaft wieder und ich endgültig in der subpolaren Steppe
angekommen. Keine Bäume mehr. Nur noch Gräser und bestenfalls kleine Büsche, so
weit das Auge reicht. Und das Auge reichte seeeeeehr weit. Über diese
barrierefreie Landschaft kann dann der patagonische Wind vollkommen ungehindert
in voller Stärke drüber pfeifen. Auch hier Frage ich mich, wie die Chilenen und
Argentinier das aushalten. Seit Mitte der Carretera Austral, also in etwa die
letzten 2000-2500 km ist der Wind nur noch am wehen. Den ganzen Tag und meist
mit voller Stärke. Mittel Stärke 5, Böen 8-10. Jeden Tag. Und das ist hier
immer so. Ich bin ja als norddeutscher Jung nun wirklich Wind gewohnt. Aber das
war dann auch mir zuviel. Dann kam ich in diesem windumtosten Nichts an einem
See vorbei. Und dort fand ich neben Enten und Gänsen, Flamingos! Ich hätte
Flamingos ja wirklich überall erwartet aber nicht hier unten in der Kälte. Ob
die Kumpels sich das gut überlegt hatten? Auf jeden Fall standen sie bei dem
Wind auf zwei Beinen. Besser ist das!
Und was soll ich sagen, in Punta Arenas angekommen, checkte
ich im Best Western Hotel ein. Meinem ersten beheizten Hotel in Chile! (und
meinem zweiten beheizten Hotel auf der ganzen Reise) Hier lernt man wirklich,
gewisse Standards wieder wertzuschätzen.
Abonnieren
Posts (Atom)