Heute stand ein Höhepunkt der Reise auf dem Programm.Wir
fuhren durch den Antarctic Straight in das Weddell Meer hinein, welches auf der
Ostseite der Antarktischen Halbinsel liegt. Diese Tour steht bei vielen Reisen
auf dem Programm, muss dann aber wieder aufgrund der Eisbedingungen gestrichen
werden. Am Vormittag fuhren wir durch die Passage und machten eine Rundfahrt
auf dem Schiff. Wir wurden von Buckelwalen und Sturmvögeln begleitet. Nach
einer Stunde Rundfahrt kam Aufregung ins Schiff. Unser Schiffsbiologe Dick
Foster machte die Durchsage, dass Orcas voraus gesichtet wurden. In dieser
Gegend ebenfalls ein seltenes Glück. Der ein oder andere ließ sich sogar recht
nah am Schiff blicken. Ein tolles Erlebnis für alle Gäste. Weiter ging es in
die Weddell See hinein und dann sahen wir das eigentliche Objekt der Begierde
des heutigen Tages: Adeliepinguine, die auf mehreren Eisbergen sich häuslich
eingerichtet haben. Adeliepinguine leben in der Weddell See in großer Zahl. Sie
sind irgendwie noch putziger als alle bisher gesehenen Pinguine. Sie sind auch
genau das, was unsere eigentliche Vorstellung eines Pinguins ist. Haben sie
doch einen komplett schwarzen Kopf aus dem dunkle Augen mit einem hellen Ring
hervor schauen. So sahen Pinguine im Schulbuch aus. Nun waren sie vor mir.
Adeliepinguine wurden von ihrem Entdecker, einem französischen Forscher namens
Jules Dumont d´Urville, zusammen mit einer Insel nach dessen Frau Adélie
benannt. Gedankt hat es ihm die Dame leider nicht. Sie hatte sich vor seiner
Rückkehr aus der Antarktis von ihm getrennt und die Scheidung eingereicht. Undankbarkeit
ist der Welten Lohn. Zufrieden gingen wir zum Mittagessen und jubelten über die
tolle Gelegenheit, diese Tiere sehen zu dürfen. Wenn wir da schon gewusst
hätten, was uns am Nachmittag erwartet.
Wir fuhren wieder zurück Richtung Antarktischer Halbinsel
und machten Halt vor Hope Bay. Es stand eine gut 2 stündige Zodiac Tour ohne
Landgang auf dem Programm. Das Wetter war ziemlich neblig und wir waren gespannt,
was uns erwartet. In Hope Bay betreiben die Argentinier eine Forschungsstation Namens
Esperanza. Auf dieser dürfen die Forscher auch ihre engsten Familienmitglieder
mitbringen. Und so ist die Esperanza eher ein Dorf. Gibt es dort auch zum
Beispiel eine Schule für die Kinder. Dort sind auch schon Kinder geboren
worden. Esperanza hat auch ein eigenes Mobilfunknetz und so wurden wir gewarnt,
unsere Mobiltelefone besser in den Flugmodus zu stellen um keine teure
Überraschung zu erleben. Wir fuhren durch große Mengen kleiner Eisschollen auf
die Station zu. Auf den größeren Eisschollen hatten es sich Weddell Robben
gemütlich gemacht, die wir wieder aus nächster Nähe beobachten konnten. Diese
nahmen ihre Rolle als Fotomodell ganz professionell an und fingen an für uns
fotogen zu posieren. Wir bedankten uns dafür und fuhren weiter. Auf dem Weg
sammelte unsere Fahrerin Becky einige Gletschereisstücke für die abendlichen
Cocktails ein. Dabei legte sie einen derartigen Einsatz an den Tag, dass ich
sie mehr als einmal am Kragen packen musste, damit sie nicht ins Wasser fällt. Wir
fuhren um eine kleine Halbinsel herum und die Anzahl der Adelies , die um uns
herum im Wasser hüpften, stieg beträchtlich. Und als wir die Halbinsel hinter
uns ließen, wussten wir auch warum. Vor uns lag die größte Adeliepinguinkolonie
der ganzen Antarktis. Hier lebten 125.000 Paare. Bedeutet mit den geschlüpften
Küken begrüßten uns über 300.000 Pinguine (!!!!!) mit ihrem markanten Odeur. An
Land ein unglaubliches Konzert an Pinguingebrüll und an den Stränden ein
wuseliges Kommen und Gehen von Adelies, die zur Jagd gingen oder von ihr
zurückkehrten. Wir wussten von vorherigen Kolonien, dass sich Pinguine eigene
Wege erschaffen um die Berge gut herauf und wieder runter zu klettern. Hier
haben sie wahre Autobahnen gebaut. Mit mindestens 8 Spuren. Und es herrschte
ganz klar geregelter Rechtsverkehr. Rechts gings den Berg rauf und links wieder
runter. Bei den Adelies gibt es aber auch Straßen im Meer. So kamen uns immer
auf den gleichen Wegen im Wasser große Gruppen von immer mindestens 50-100
Tieren entgegen, die dem Land entgegenschwammen oder dieses verließen. Auch im
Rechtsverkehr. Kaum war eine Gruppe vorbeigezogen kam die nächste, und so
weiter und so weiter …………. Man wurde von der schieren Masse an Pinguinen
förmlich erschlagen und wusste gar nicht, wo man zuerst hinschauen oder
fotografieren sollte. Irgendwann habe ich die Kamera auch einfach beiseite
gepackt, um dieses beeindruckende Schauspiel, das mir die Natur hier bot
einfach zu genießen und auf mich wirken zu lassen. Ich hätte noch Stunden an
diesem Ort im Boot verbringen können. Irgendwann hieß es aber wieder zurück aufs
Schiff. Beim Abendessen gab es tosenden Applaus für die Crew für diesen
überwältigenden Ausflug. Fast alle Passagiere ließen den Abend in der Bar
ausklingen und erzählten sich Geschichten von diesem wunderbaren Tag.
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