Montag, 11. Februar 2019

29.01.19 Elephant Island



Der heutige Tag stand im Zeichen der Geschichte. Wir liefen heute die letzte Station in der Antarktis an. Unser Ziel war Elephant Island. Hier war eine Umfahrung mit dem Schiff angesagt und im Anschluss eine Zodiac Fahrt mit eventueller Landung. Es war schon von vornherein klar, dass die Zodiac Fahrt mit großen Fragezeichen versehen ist. Aufgrund der großen historischen Bedeutung und der Lage der Insel, fährt fast jedes Schiff hier vorbei und fast alle planen hier auch eine Anlandung. Und fast keiner schafft es. Wir hätten es fast geschafft, aber der Wellengang am Schiff war einfach zu gefährlich um die Passagiere von der Gangway in die Zodiacs und vor allem wieder zurück zu bekommen. So musste auch bei uns die Tour abgesagt werden.
Elephant Island ist von historischer Bedeutung, weil hier eine der beeindruckendsten Antarktisexpeditionen stattgefunden und einen sehr tragischen Verlauf genommen hat. Ernest Shackleton machte sich vor gut 100 Jahren mit 27 Männern auf den Weg in die Weddell See und  wurde vom Packeis eingeschlossen. Das Schiff wurde vom Eis zerquetscht und sank. Shackleton rettete sich mit seiner Mannschaft nach Elephant Island. Es wurde jedoch schnell klar, dass sie dort nicht überleben würden. Keine Siedlung auf der Insel und abseits aller Schiffs- und Walfangrouten bestand keine Aussicht auf Rettung. So machte sich Shackleton mit 5 seiner Männer in einem kleinen Segelboot namens Alexandra Shackleton auf den Weg nach Südgeorgien. 800 Seemeilen durch den Südatlantik mit begrenzten Vorräten und nur mit Kompass und Sextant ausgerüstet. Auf diese Art war es der Versuch, eine Stecknadel im Heuhaufen zu finden. Nach gut 2 Wochen auf See gelang es ihnen tatsächlich auf Südgeorgien zu landen. Aber auf der falschen Seite. Die Walfangstation war auf der anderen Seite der Insel. So mussten sie noch ein unerkundetes Gebirge mit Gletschern überqueren ohne Bergsteigerequipment. Auch dieses gelang und sie erreichten die Walfangstation. In einer groß angelegten Rettungsaktion gelang es, die komplette Mannschaft zu retten. Und wir befinden uns ab jetzt quasi auf den Spuren dieser Expedition. Nur natürlich deutlich sicherer und komfortabler. An der Stelle wo wir heute eigentlich landen sollten, gibt es zu Ehren Shackletons ein kleines Denkmal.
Als wir die Insel verließen wurden wir von vielen Zügelpinguinen begleitet. Im Anschluss tauchten vor uns etwa ein Dutzend Finnwale auf. Dies sind nach den Blauwalen die zweitgrößte Tierart auf der Erde. Da man aber nur die Finne sieht beim Auftauchen sehen sie vom Schiff leider nicht so beeindruckend aus.
Im Anschluss verließen wir die Antarktis und machten uns wie Shackleton auf den Weg nach Südgeorgien. Ich bin wirklich gespannt, was uns dort alles erwarten wird. Am Nachmittag fuhren wir an einem großen Tafeleisberg vorbei. Mit dem tollen Namen B09F. Dieser Eisberg ist Ende der 80er Jahre vom Ross Eissschelf abgebrochen und war damals etwa 100x30 Seemeilen groß. Seitdem treibt er in den antarktischen Gewässern hin und her. Heute hat er immer noch die beeindruckende Größe von etwa 25x10 Seemeilen und verteilt um sich herum eine große Menge an kleineren und mittleren Eisbergen. Daher konnten wir uns den großen Eisklotz auch nicht aus der Nähe betrachten. Das wäre bei dem Nebel einfach zu gefährlich geworden. Wir wollen ja nicht die Titanic des Südatlantiks werden.
Am Nachtmittag konnten wir uns eine Dokumentation anschauen über die Wiederholung der Schackleton Expedition mit historischen Mitteln. Da wurden die Strapazen der damaligen Mannschaft für jeden Gast deutlich. Da bin ich doch froh, die Strecke deutlich komfortabler zurückzulegen. Einen weiteren Vortrag unseres Schiffshistorikers (ja sowas haben die hier) habe ich dann gepflegt im Bett verpennt. Ich bin nach den Tagen in der Antarktis jetzt echt ein wenig hinüber und froh über die 2 Seetage um ein wenig relaxen zu können.

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