Der heutige Tag stand im Zeichen der Geschichte. Wir liefen
heute die letzte Station in der Antarktis an. Unser Ziel war Elephant Island.
Hier war eine Umfahrung mit dem Schiff angesagt und im Anschluss eine Zodiac
Fahrt mit eventueller Landung. Es war schon von vornherein klar, dass die
Zodiac Fahrt mit großen Fragezeichen versehen ist. Aufgrund der großen
historischen Bedeutung und der Lage der Insel, fährt fast jedes Schiff hier
vorbei und fast alle planen hier auch eine Anlandung. Und fast keiner schafft
es. Wir hätten es fast geschafft, aber der Wellengang am Schiff war einfach zu
gefährlich um die Passagiere von der Gangway in die Zodiacs und vor allem
wieder zurück zu bekommen. So musste auch bei uns die Tour abgesagt werden.
Elephant Island ist von historischer Bedeutung, weil hier
eine der beeindruckendsten Antarktisexpeditionen stattgefunden und einen sehr
tragischen Verlauf genommen hat. Ernest Shackleton machte sich vor gut 100
Jahren mit 27 Männern auf den Weg in die Weddell See und wurde vom Packeis eingeschlossen. Das Schiff
wurde vom Eis zerquetscht und sank. Shackleton rettete sich mit seiner
Mannschaft nach Elephant Island. Es wurde jedoch schnell klar, dass sie dort
nicht überleben würden. Keine Siedlung auf der Insel und abseits aller Schiffs-
und Walfangrouten bestand keine Aussicht auf Rettung. So machte sich Shackleton
mit 5 seiner Männer in einem kleinen Segelboot namens Alexandra Shackleton auf
den Weg nach Südgeorgien. 800 Seemeilen durch den Südatlantik mit begrenzten
Vorräten und nur mit Kompass und Sextant ausgerüstet. Auf diese Art war es der
Versuch, eine Stecknadel im Heuhaufen zu finden. Nach gut 2 Wochen auf See
gelang es ihnen tatsächlich auf Südgeorgien zu landen. Aber auf der falschen
Seite. Die Walfangstation war auf der anderen Seite der Insel. So mussten sie
noch ein unerkundetes Gebirge mit Gletschern überqueren ohne
Bergsteigerequipment. Auch dieses gelang und sie erreichten die Walfangstation.
In einer groß angelegten Rettungsaktion gelang es, die komplette Mannschaft zu
retten. Und wir befinden uns ab jetzt quasi auf den Spuren dieser Expedition.
Nur natürlich deutlich sicherer und komfortabler. An der Stelle wo wir heute
eigentlich landen sollten, gibt es zu Ehren Shackletons ein kleines Denkmal.
Als wir die Insel verließen wurden wir von vielen
Zügelpinguinen begleitet. Im Anschluss tauchten vor uns etwa ein Dutzend
Finnwale auf. Dies sind nach den Blauwalen die zweitgrößte Tierart auf der
Erde. Da man aber nur die Finne sieht beim Auftauchen sehen sie vom Schiff
leider nicht so beeindruckend aus.
Im Anschluss verließen wir die Antarktis und machten uns wie
Shackleton auf den Weg nach Südgeorgien. Ich bin wirklich gespannt, was uns
dort alles erwarten wird. Am Nachmittag fuhren wir an einem großen Tafeleisberg
vorbei. Mit dem tollen Namen B09F. Dieser Eisberg ist Ende der 80er Jahre vom
Ross Eissschelf abgebrochen und war damals etwa 100x30 Seemeilen groß. Seitdem
treibt er in den antarktischen Gewässern hin und her. Heute hat er immer noch
die beeindruckende Größe von etwa 25x10 Seemeilen und verteilt um sich herum
eine große Menge an kleineren und mittleren Eisbergen. Daher konnten wir uns
den großen Eisklotz auch nicht aus der Nähe betrachten. Das wäre bei dem Nebel
einfach zu gefährlich geworden. Wir wollen ja nicht die Titanic des
Südatlantiks werden.
Am Nachtmittag konnten wir uns eine Dokumentation anschauen
über die Wiederholung der Schackleton Expedition mit historischen Mitteln. Da
wurden die Strapazen der damaligen Mannschaft für jeden Gast deutlich. Da bin
ich doch froh, die Strecke deutlich komfortabler zurückzulegen. Einen weiteren
Vortrag unseres Schiffshistorikers (ja sowas haben die hier) habe ich dann
gepflegt im Bett verpennt. Ich bin nach den Tagen in der Antarktis jetzt echt
ein wenig hinüber und froh über die 2 Seetage um ein wenig relaxen zu können.
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