21.Sept. Waterberg – Immanuel
Wilderness Lodge (ca. 20 km vor Windhuk)
Um 08.00 Uhr sollte meine Tour
losgehen. Also pünktlich aufstehen und danach die Sachen packen. Als
ich an der Rezeption ankam, wartete schon mein Guide Hingiree von
deer Wilderness Lodge auf mich. Er ist selbst Herero und kommt auch
aus den Orten, die wir heute besuchen. Ich war der einzige Gast und
so bekam ich eine Exclusiv Führung.
Zuerst fuhren wir in das Heimatdorf von
Hingiree. Dort lernte ich seine Familie und seinen kleinen Sohn
kennen. Dann wurde mir ein traditionell gebautes Herero Lehmhaus
gezeigt. Nach dem Betreten durch die sehr niedrige Tür (sehr schön
für einen 1,91m Mann. Einziger Trost war Hingiree ist auch nicht
kleiner) fiel mir gleich auf, wie angenehm temperiert dieser kleine
Bau aus Lehm und Gras war (draussen war schon wieder brütend heiß).
Mir wurde dann das tradtionelle Aufbewahrungsgefäß für die Milch
gezeigt. Es handelt sich hierbei um eine Art namibischen Kürbis, der
ausgehöhlt und getrocknet wird. Nach einem Tag wird dieser „Kürbis“
dann an einem Seil in einen Baum gehängt. Durch das Schütteln im
Wind wird dann aus der Milch Butter (und wir Europäer rühren wie
blöd in der Milch rum). Die Butter ist aber sehr fettig (Hingiree
hat sie mir gezeigt und auch probieren lassen. Etwas salzig und, wie
gesagt, sehr fettig). Ein Teil dieser Butter verarbeiten die Herero
weiter. Z.B. durch vermengen mit dem roten Wüstensand wird da
Sonnencreme draus.
Dann ging es weiter nach Okarara, die
nächst gelegene Stadt der Herero. Dort war der erste Besuchspunkt
die Primary School. Dort gehen die Kinder bis zur 8. Klasse in die
Schule. In der kleinen Schule wurden über 1000 Schüler unterrichtet
von ganzen 38 Lehrern. Die Kinder müssen Schuluniform tragen, die
die Eltern zusätzlich zum Schulgeld bezahlen müssen. Trotz dieser
immensen Ausgaben für die Eltern gehen viele Kinder auch zur Schule.
Mir ist auch schon vorher im Land aufgefallen, das fast alle Namibier
neben ihrer Stammessprache auch Englisch behersschen. Ausserdem sind
nur wenige Analphabeten zu sehen. Wir durften dann bei einer
Mathestunde ein wenig zuschauen (alle anderen Lehrer waren zu feige
mir ihren Unterricht zu zeigen ;-))). Die Kinder lernten gerade das
Zeichnen von rechteckigen Winkeln.
Bei der nächsten Station waren wir
dann bei der örtlichen Schneiderin. Jaohl, Scheiderin ! Ihr habt
richtig gelesen ! Die Herero sind für die bunten und weit wallenden
Kleider und die ausladenden Kopfbedeckungen ihrer Frauen bekannt.
Diese Kleider dürfen im Alltag nur von verheirateten Frauen getragen
werden. Was diese auch zahlreich tun, gilt dieses Kleid dann auch als
Statussymbol. Die Schneiderei ist ein absolutes Durcheinander aus
Kleidern, Stoffresten und anderen Accessoires. Genäht wird auf einer
simplen Haushaltsnähmaschine.
Wenige Häuser weiter besuchten wir das
Hilfsprojekt „Steps for Children“. Hier werden vorwiegend
Waisenkinder aus dem Busch, vorbereitet auf die Schule und auf
regelmäßige Tagesabläufe und amn sorgt dafür das sie eine
regelmäßige Mahlzeit bekommen. Die Kinder sind sehr lieb und kommen
auch sogleich auf einen zugerannt und umarmen einen. Viel der
Einrichtung wurde von verschiedensten Firmen und Organisationen
gestiftet. Man versucht durch Verkauf von selbst genähten Gütern
und durch Vermietung eines Gästehauses, Einnahmen zu erzielen.
Las nächstes ging es zum Heimatmuseum
der Herero, welches auch Gedenkstätte für den blutig
niedergeschlagenen Aufstand gegen die deutschen Kolonialherren ist.
Das einzig bemerkenswerte in diesem Museum sind die Fotos von der
Eröffnung mit der damaligen Entwicklungshilfeministerin Heidemarie
Wieczorek-Zeul und ein Band von einem Gedenkkranz, in welchem die
deutsche Regierung um Vergebung für die Niederschlagung des
Aufstandes bittet (Warum eigentlich ??? Machen die Engländer,Spanier
und Franzosen den gleichen Heckmeck um ihre ganzen Gemetzel die sie
angestellt haben ?? Aber wir deutschen bitten noch nach 100 Jahren um
Vergebung und bezahlen). Passenderweise ist dieses Band des
Gedenkkranzes mit einem Kaugummi festgeklebt.
Zum Abschluss gings noch zum Lunch auf
den Streetmarket. Wir gingen an einen Strassenstand, an dem eine Frau
eine Mahlzeit in mehreren Potijes und einer kleinen Flamme aus
Holzstämmen kochte. Es handelte sich um ein Gemüseragout, Nudeln
(auf welche eine undefinierbare und sehr fettige Soße kam) und ein
Stück im Sud gegartes Fleisch (müsste Kudu gewesen sein). Mir war
ja ein wenig mulmig, ob mein Verdauungstrakt das Ganze überlebt.
Aber im Vertrauen auf meinen Schweinemagen machte ich mich daran, die
viel zu große Portion zu vernichten (man will ja vor den armen
Leuten auch irgendwie nichts zurück gehen lassen). Zu meiner
Verwunderungwar das Essen sehr schmackhaft. Es war aber auch so
fettig, das es mir wie eine Tellermine im Magen lag.
Nach der Mahlzeit brachte ich Hingiree
zurück zur Lodge und machte mich dann auf den Weg Richtung Windhuk.
Auf dem Weg dorthin sah ich mal wieder eine brennende Ranch. Dann kam
ich bei der Immanuel Wilderness Lodge an, wo ich gleich sehr herzlich
empfangen wurde. Nach dem mächtigen Lunch konnte ich das Dinner
leider nicht mehr wuppen. Ich nahm eien Kurzvariante und machte mich
danach ans Koffer packen. Nun ist morgen schon Abschied aus Namibia.
Ich bin traurig und auch wehmütig. Ich habe viel erlebt und gesehen.
Bei einigem war ich froh alleine gereist zu sein, damit ich die Dinge
richtig erfassen und auf mich wirken lassen konnte. Es gab aber auch
einige Momente, die ich gerne mit einem lieben Menschen geteilt
hätte. Man kommt auf jeder Reise (egal wohin) an diese Punkte. Aber
so oft, wie hier in Namibia hatte ich das noch nie. Das hat mich
heute abend dann doch ein sehr bewegt, wo man jetzt doch anfängt
Resumee zu ziehen.