Freitag, 21. September 2012

21.Sept. Waterberg – Immanuel Wilderness Lodge (ca. 20 km vor Windhuk)

Um 08.00 Uhr sollte meine Tour losgehen. Also pünktlich aufstehen und danach die Sachen packen. Als ich an der Rezeption ankam, wartete schon mein Guide Hingiree von deer Wilderness Lodge auf mich. Er ist selbst Herero und kommt auch aus den Orten, die wir heute besuchen. Ich war der einzige Gast und so bekam ich eine Exclusiv Führung.

Zuerst fuhren wir in das Heimatdorf von Hingiree. Dort lernte ich seine Familie und seinen kleinen Sohn kennen. Dann wurde mir ein traditionell gebautes Herero Lehmhaus gezeigt. Nach dem Betreten durch die sehr niedrige Tür (sehr schön für einen 1,91m Mann. Einziger Trost war Hingiree ist auch nicht kleiner) fiel mir gleich auf, wie angenehm temperiert dieser kleine Bau aus Lehm und Gras war (draussen war schon wieder brütend heiß). Mir wurde dann das tradtionelle Aufbewahrungsgefäß für die Milch gezeigt. Es handelt sich hierbei um eine Art namibischen Kürbis, der ausgehöhlt und getrocknet wird. Nach einem Tag wird dieser „Kürbis“ dann an einem Seil in einen Baum gehängt. Durch das Schütteln im Wind wird dann aus der Milch Butter (und wir Europäer rühren wie blöd in der Milch rum). Die Butter ist aber sehr fettig (Hingiree hat sie mir gezeigt und auch probieren lassen. Etwas salzig und, wie gesagt, sehr fettig). Ein Teil dieser Butter verarbeiten die Herero weiter. Z.B. durch vermengen mit dem roten Wüstensand wird da Sonnencreme draus.

Dann ging es weiter nach Okarara, die nächst gelegene Stadt der Herero. Dort war der erste Besuchspunkt die Primary School. Dort gehen die Kinder bis zur 8. Klasse in die Schule. In der kleinen Schule wurden über 1000 Schüler unterrichtet von ganzen 38 Lehrern. Die Kinder müssen Schuluniform tragen, die die Eltern zusätzlich zum Schulgeld bezahlen müssen. Trotz dieser immensen Ausgaben für die Eltern gehen viele Kinder auch zur Schule. Mir ist auch schon vorher im Land aufgefallen, das fast alle Namibier neben ihrer Stammessprache auch Englisch behersschen. Ausserdem sind nur wenige Analphabeten zu sehen. Wir durften dann bei einer Mathestunde ein wenig zuschauen (alle anderen Lehrer waren zu feige mir ihren Unterricht zu zeigen ;-))). Die Kinder lernten gerade das Zeichnen von rechteckigen Winkeln.

Bei der nächsten Station waren wir dann bei der örtlichen Schneiderin. Jaohl, Scheiderin ! Ihr habt richtig gelesen ! Die Herero sind für die bunten und weit wallenden Kleider und die ausladenden Kopfbedeckungen ihrer Frauen bekannt. Diese Kleider dürfen im Alltag nur von verheirateten Frauen getragen werden. Was diese auch zahlreich tun, gilt dieses Kleid dann auch als Statussymbol. Die Schneiderei ist ein absolutes Durcheinander aus Kleidern, Stoffresten und anderen Accessoires. Genäht wird auf einer simplen Haushaltsnähmaschine.

Wenige Häuser weiter besuchten wir das Hilfsprojekt „Steps for Children“. Hier werden vorwiegend Waisenkinder aus dem Busch, vorbereitet auf die Schule und auf regelmäßige Tagesabläufe und amn sorgt dafür das sie eine regelmäßige Mahlzeit bekommen. Die Kinder sind sehr lieb und kommen auch sogleich auf einen zugerannt und umarmen einen. Viel der Einrichtung wurde von verschiedensten Firmen und Organisationen gestiftet. Man versucht durch Verkauf von selbst genähten Gütern und durch Vermietung eines Gästehauses, Einnahmen zu erzielen.

Las nächstes ging es zum Heimatmuseum der Herero, welches auch Gedenkstätte für den blutig niedergeschlagenen Aufstand gegen die deutschen Kolonialherren ist. Das einzig bemerkenswerte in diesem Museum sind die Fotos von der Eröffnung mit der damaligen Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul und ein Band von einem Gedenkkranz, in welchem die deutsche Regierung um Vergebung für die Niederschlagung des Aufstandes bittet (Warum eigentlich ??? Machen die Engländer,Spanier und Franzosen den gleichen Heckmeck um ihre ganzen Gemetzel die sie angestellt haben ?? Aber wir deutschen bitten noch nach 100 Jahren um Vergebung und bezahlen). Passenderweise ist dieses Band des Gedenkkranzes mit einem Kaugummi festgeklebt.

Zum Abschluss gings noch zum Lunch auf den Streetmarket. Wir gingen an einen Strassenstand, an dem eine Frau eine Mahlzeit in mehreren Potijes und einer kleinen Flamme aus Holzstämmen kochte. Es handelte sich um ein Gemüseragout, Nudeln (auf welche eine undefinierbare und sehr fettige Soße kam) und ein Stück im Sud gegartes Fleisch (müsste Kudu gewesen sein). Mir war ja ein wenig mulmig, ob mein Verdauungstrakt das Ganze überlebt. Aber im Vertrauen auf meinen Schweinemagen machte ich mich daran, die viel zu große Portion zu vernichten (man will ja vor den armen Leuten auch irgendwie nichts zurück gehen lassen). Zu meiner Verwunderungwar das Essen sehr schmackhaft. Es war aber auch so fettig, das es mir wie eine Tellermine im Magen lag.

Nach der Mahlzeit brachte ich Hingiree zurück zur Lodge und machte mich dann auf den Weg Richtung Windhuk. Auf dem Weg dorthin sah ich mal wieder eine brennende Ranch. Dann kam ich bei der Immanuel Wilderness Lodge an, wo ich gleich sehr herzlich empfangen wurde. Nach dem mächtigen Lunch konnte ich das Dinner leider nicht mehr wuppen. Ich nahm eien Kurzvariante und machte mich danach ans Koffer packen. Nun ist morgen schon Abschied aus Namibia. Ich bin traurig und auch wehmütig. Ich habe viel erlebt und gesehen. Bei einigem war ich froh alleine gereist zu sein, damit ich die Dinge richtig erfassen und auf mich wirken lassen konnte. Es gab aber auch einige Momente, die ich gerne mit einem lieben Menschen geteilt hätte. Man kommt auf jeder Reise (egal wohin) an diese Punkte. Aber so oft, wie hier in Namibia hatte ich das noch nie. Das hat mich heute abend dann doch ein sehr bewegt, wo man jetzt doch anfängt Resumee zu ziehen.

Nu noch Koffer packen und versuchen für den Flug online einzuchecken. Und dann geht’s in die letzte Nacht in Namibia.




























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