Freitag, 28. Dezember 2018

27.12.2018 Santiago Stadtbesichtigung



Heute blieb das Auto mal in der Garage. City Sightseeing war angesagt. Seit mehreren Jahren nicht mehr so meine beliebteste Disziplin, aber wenn man schon mal da ist, wäre es ja ein Frevel nichts zu tun. Also wird wenigstens ein Tag mal der Stadt gehören. Im Reiseführer fand sich nicht wirklich viel, was ich anschauen wollte. Museen waren jetzt keine interessanten dabei und fielen bei Sonnenschein und 30 Grad sowieso aus. Also erst einmal in die U-Bahn gesetzt und durch die Fußgängerzone zur „Plaza de Armas“. Einen so benannten Platz hat interessanterweise jede Stadt in Chile, die irgendetwas auf sich hält. Der zentrale Platz der Stadt wird damit bezeichnet. Die Plaza de Armas in Santiago ist mit vielen Palmen und anderen Bäumen bepflanzt und auf den schattigen Bänken darunter verbrachten die Chilenen Ihre Mittagspause. Ich besichtigte noch 2 Kirchen. Obwohl ich Atheist bin, begeistern mich immer wieder prachtvolle Kirchen und Kathedralen. In Santiago  besuchte ich die „Basilica de la Merced“ in der auch noch eine Messe stattfand und die „Catedral de Santiago“. Ein wirklich erdrückend mächtiger Prachtbau. Eher dezent ausgeschmückt für eine katholische Kirche, aber vom Bauwerk einfach absolut mächtig. Was mich in beiden Kirchen verwundert hat: Die Beichtstühle waren nach außen offen. Man konnte also sowohl den Beichtenden als auch den Beichtvater beim Bericht der Verfehlungen zuschauen und zuhören. Da würde in Deutschland sich keiner reinsetzen, glaube ich. Hier scheint das kein Problem zu sein.
Weiter gings zum Mercado Central. Klassische Markthallen begeistern mich auch immer wieder und gehören zum Pflichtprogramm jeder Stadtbesichtigung, wenn es denn so eine Markthalle gibt. Diese hier war arg einseitig, denn es gab fast nur Fischstände. Diese sind zwar immer wieder auch die spektakulärsten, wenn man erkennt, was die Einheimischen sich für Fische kaufen und man sich selber fragt: Wo habe ich im Biounterricht wieder nicht aufgepasst oder warum kenn ich diesen Fisch absolut nicht ? Auch hier gab es wieder einige Exemplare davon. Immer wieder faszinierend was alles von den Fischern so aus dem Meer geholt wird und auf dem Gabentisch landet.
Die letzte Station war nach einigem Fußmarsch (unter anderem an der Universität von Santiago vorbei. Auch so ein Klotz von Bauwerk) der „Cerro San Cristobal). Dies ist der Größte Berg innerhalb Santiagos (für chilenische Verhältnisse eher ein Sandhaufen, denn der richtige Hausberg am Rande der Stadt, der „El Plomo“ ist mit 5424m dann doch etwas imposanter. Aber zum tollen Überblick über die Stadt ist der San Cristobal vollkommen ausreichend. Rauf geht es auf den Hügel mit einem „Funicular“ das ist eine Standseilbahn. Schon ordentlich in die Jahre gekommen aber immer noch passabel in Schuß gehalten. Die Talstation liegt gleich neben dem Eingang zum Zoo von Santiago, der mich aber nicht so interessierte. Um den Funicular benutzen zu können, musste man sich auf der Stelle einer beeindruckenden chilenischen Tugend fügen. Sich ruhig und ohne Murren und absolut diszipliniert in der Reihe hinten anstellen und warten. Eine Eigenschaft, die ich als allerletztes auf dem südamerikanischen Kontinent vermutet hätte. Insbesondere, da die Chilenen diese Sportart in einer Perfektion betreiben, die selbst die eigentlichen Weltmeister in dieser Disziplin, die Engländer, echt alt aussehen lässt. Also hinten angestellt und eine gute halbe Stunde in der brütenden Sonne gewartet. Oben angekommen ist gleich neben der Bergstation eine tolle Aussichtsterasse. Man kann aber auch noch weiter nach oben klettern bis zur Statue der Inmaculada Concepción de la Virgen María. Von den terrassenförmigen Stufen darunter ist der Ausblick noch beeindruckender, da der Rundumblick umfassender ist. Die Kletterpartie nahm ich als kleine Trainingseinheit für Patagonien. Auf dem Rückweg hieß es natürlich wieder, sich in der Reihe anzustellen und zu warten.
Unten angekommen war wieder ein kleiner Fußmarsch notwendig um zur nächsten U-Bahn Station zu gelangen. Diese ist übrigends Top in Schuß. Und zwar sowohl die Stationen als auch die Züge. Und die U Bahn ist hier nicht wirklich neu. Aber bei uns wäre sie nach bereits 3 Monaten vergammelter. Liegt aber auch daran, dass es hier ganz klare Vorgaben gibt, was man hier in der U Bahn zu tun und lassen hat. Täte uns in Deutschland vielleicht auch mal ganz gut so ein Refresher in dieser Disziplin.
Ein Pisco Sour an der Hotelbar beschloß den Tag. Die nächsten zwei Tage heißt es Kilometer reißen. Es geht ab in den Süden und ich muss etwa 1000 km schaffen.

Donnerstag, 27. Dezember 2018

26.12.2018 Santiago-Valparaiso-Vina del Mar-Cachagua-Santiago




Nachdem mir Santiago auf den ersten Blick nicht so zusagte, nahm ich mir vor zuerst die nahe Pazifikküste zu erkunden. Nach persönlichen und Reiseführerempfehlungen begab ich mich nach Valparaiso. Den Beschreibungen nach sollte mich ein charmanter Schmuddel erwarten. Nach Durchfahrt durch die Stadt definierte ich das eher als abgewracktes Drecksloch. Was nicht nur für die Gebäude sondern leider auch für einen Großteil der Bewohner galt. Bin da ja eigentlich nicht so empfindlich. Aber hier entschied ich, das Auto nicht zu verlassen und den nächsten Ort Vina del Mar anzusteuern. Hier sollte es den Beschreibungen deutlich hübscher werden. Ok, die Betonburgen waren jetzt auch mal geputzt (waren aber immer noch häßliche Betonburgen) und es gab ein paar Blumenbeete. Immerhin. Die Mühe soll man ja anerkennen. War mir also auch keine weitere Besichtigung wert. Je weiter man nach Norden kam wurden die Orte immer kleiner, die Häuser zunehmend flacher und die Strände und das Wetter schöner. Nach kurzer Zeit erreichte ich den Roca Oceanica. Einen Felsen auf dem sich eine bunte Mischung an Seevögeln rumtrieb und im Wasser konnte ich auch die ein oder andere Robbe erspähen. Im Wasser vor den Felsen trieb sich wohl gerade ein großer Fischschwarm herum. Und es war imposant zu beobachten, wie die jeweiligen Vogelarten anfingen, diesen mit ihren jeweiligen Jagdmethoden zu „bearbeiten“. Pelikane hielten einfach den Schnabel in Wasser, Kormorane tauchten von der Oberfläche in die Tiefe und ein „Geschwader“ Basstölpel flog ihre beeindruckenden Sturzflugangriffe. Und die Möwen fraßen wie immer und überall, das was runterfiel und schrien dabei lauter als alle anderen zusammen….. Nachdem Ich diesem interessanten Schauspiel längere Zeit zuschaute, fuhr ich weiter nach Norden und erkundete Ort um Ort, bis ich schließlich im kleinen Chacagua landete. Dies ist ein wirklich schöner und ursprünglicher Ort mit vielen kleinen Holzhäusern. Ein schöner Strand endet an einer Halbinsel und etwa 100 m vorgelagert ist eine etwa 5ha große Insel auf denen sich wieder Pelikane und Kormorane und Möwen tummelten. Aber es waren auch einige Humboldt Pinguine dazwischen. Yeah !! Es handelt sich dabei um Chiles nördlichste Pinguinkolonie mit immmerhin fast 2000 Tieren. Ich sah aber nur etwa 100 davon.
Nach ausgiebiger Betrachtung der Insel und Ihrer Bewohner ging es wieder auf den Heimweg. Die Interamericana führte mich durch Landschaften, die von der Vegetation her mich stark an Namibia erinnerten. Ich wartete nur noch darauf, dass eine Giraffe erschien …….
Ein leckeres und ergiebiges Mahl beim Sushi Mann beschloß den Tag.

23.12.2018 -25.12.2018 Brelingen-London Santiago de Chile




Ein neues Abenteuer stand auf meiner Liste und eine glückliche Fügung im Leben ermöglichte mir, es auch zu verwirklichen. Mir fehlen noch 2 Kontinente in meiner Liste, die ich noch nicht bereist hatte. Südamerika und die Antarktis. Als Jugendlicher hatte ich mir den Lebenstraum gefasst, alle Kontinente dieser Welt mindestens einmal betreten zu haben. Heute startet die Mission, mir diesen Traum zu erfüllen. Und wer kann von sich behaupten, sich die Träume, die er sich als junger Mensch gefasst hat, als Erwachsener auch erfüllt hat ? Ich glaube, weniger, als man gemeinhin annimmt.

Eine anstrengende Reise lag vor mir. Es ging von Hannover über London-Heathrow nach Santiago de Chile.  Geflogen bin ich mit British Airways. Erwartungsgemäß zogen alle Grenzschutzbeamten und besonders alle Mitarbeiter am Security Check wieder alle Register, einem den Urlaub gleich am Anfang zu vermiesen. Auch nach wiederholten Sprengstoffdetektor Tests wurde ich immer noch nicht als Terrorist identifiziert und trat meinen Flug tatsächlich an und ließ mir die Laune von den meist nicht gut gelaunten Mitarbeitern nicht vermiesen. Nicht in diesem Urlaub . In London angekommen erwarteten mich nach dem nächsten Sprengstoffdetektortest …….. 10 Stunden Wartezeit !!! Mein Abflug war der viertletzte am Terminal 5 an diesem Tag. Und nein, ich hatte eine Verspätung !! 14 Stunden Nonstop Flug nach Santiago lagen vor mir. Wenigstens hatte ich Premium Economy buchen können und das Mehrangebot an Platz war auch bitter nötig. Warum die Sitzdesigner aber die Sitzflächen in den neuen Flugzeugen so bretthart gestalten, wird wohl deren Geheimnis bleiben. Glücklicherweise blieben auf diesem Weihnachtsflug einige Sitze frei und ich konnte mir vom freien Nebensitz die Decke klauen und als zusätzliches Sitzkissen benutzen. Sonst wäre der Flug echt ein Problem geworden. Dies ist übrigends kein Problem von British Airways. Bei Singapore Airlines hatte ich das in einem brandneuen Flugzeug ebenso.
Man sagte ja immer: Früher war mehr Lametta !. Auf diesen Flug traf das nicht zu ! das Flugzeug war am Ausgang mit Lametta geschmückt und die Crew war es ebenso ! Die Mädels im Haar und die Jungs an der Krawatte und die Piloten an der Mütze. Sie fanden´s toll. Ich sag mal: Britischer Schick !! Kann man mögen, muss man aber nicht.
Pünktlich landeten wir in Santiago. Im Anflug ein sehr imposanter Gruß von Chiles höchstem Berg, dem Aconcagua. Dessen Gipfel neben uns auf einmal höher war als wir selbst. Und wir waren noch etwa 6000m hoch. Doch der Aconcagua hat beeindruckende 6960 Meter ! Dagegen wirken unsere Alpen wie Kindergeburtstag.
Die Immigration und Zollabfertigung ging erstaunlich freundlich (Hey USA geht das bei Euch auch mal ?) und schnell (trotz ellenlanger Zollerklärung die man ausfüllen musste). Die Zollhunde ließen mich auch passieren und nach nicht mal einer halben Stunde nach Landung lag ich im Holiday Inn am Flughafen im Bett.
2 Stunden später wurde ich gleich mit Chilenischer Pünktlichkeit konfrontiert, als die Mietwagenübergabe satte 75 Minuten später stattfand als avisiert. Naja, ein nicht ganz taufrischer Nissan X-Trail wird mich nun hoffentlich pannenfrei durch Chile bringen.
Heligabend ist in Chile übrigends ein ganz normaler Arbeitstag, genauso wie der 2. Weihnachstag ! Nur am 1. Weihnachtstag ruht die Arbeit mal, dafür aber auch wirklich im ganzen Land komplett. Als ich mittags vom Flughafenhotel zum Stadthotel wechselte begegnete mir kaum ein Mensch. Abends waren auch in den Häusern kaum Lichter an. Ich habe mich echt gefragt, wo die Menschen alle geblieben waren.