Heute blieb das Auto mal in der Garage. City Sightseeing war
angesagt. Seit mehreren Jahren nicht mehr so meine beliebteste Disziplin, aber
wenn man schon mal da ist, wäre es ja ein Frevel nichts zu tun. Also wird
wenigstens ein Tag mal der Stadt gehören. Im Reiseführer fand sich nicht wirklich
viel, was ich anschauen wollte. Museen waren jetzt keine interessanten dabei
und fielen bei Sonnenschein und 30 Grad sowieso aus. Also erst einmal in die U-Bahn
gesetzt und durch die Fußgängerzone zur „Plaza de Armas“. Einen so benannten
Platz hat interessanterweise jede Stadt in Chile, die irgendetwas auf sich
hält. Der zentrale Platz der Stadt wird damit bezeichnet. Die Plaza de Armas in
Santiago ist mit vielen Palmen und anderen Bäumen bepflanzt und auf den
schattigen Bänken darunter verbrachten die Chilenen Ihre Mittagspause. Ich
besichtigte noch 2 Kirchen. Obwohl ich Atheist bin, begeistern mich immer
wieder prachtvolle Kirchen und Kathedralen. In Santiago besuchte ich die „Basilica de la Merced“ in
der auch noch eine Messe stattfand und die „Catedral de Santiago“. Ein wirklich
erdrückend mächtiger Prachtbau. Eher dezent ausgeschmückt für eine katholische
Kirche, aber vom Bauwerk einfach absolut mächtig. Was mich in beiden Kirchen
verwundert hat: Die Beichtstühle waren nach außen offen. Man konnte also sowohl
den Beichtenden als auch den Beichtvater beim Bericht der Verfehlungen
zuschauen und zuhören. Da würde in Deutschland sich keiner reinsetzen, glaube
ich. Hier scheint das kein Problem zu sein.
Weiter gings zum Mercado Central. Klassische Markthallen begeistern
mich auch immer wieder und gehören zum Pflichtprogramm jeder Stadtbesichtigung,
wenn es denn so eine Markthalle gibt. Diese hier war arg einseitig, denn es gab
fast nur Fischstände. Diese sind zwar immer wieder auch die spektakulärsten,
wenn man erkennt, was die Einheimischen sich für Fische kaufen und man sich
selber fragt: Wo habe ich im Biounterricht wieder nicht aufgepasst oder warum
kenn ich diesen Fisch absolut nicht ? Auch hier gab es wieder einige Exemplare
davon. Immer wieder faszinierend was alles von den Fischern so aus dem Meer
geholt wird und auf dem Gabentisch landet.
Die letzte Station war nach einigem Fußmarsch (unter anderem
an der Universität von Santiago vorbei. Auch so ein Klotz von Bauwerk) der „Cerro
San Cristobal). Dies ist der Größte Berg innerhalb Santiagos (für chilenische
Verhältnisse eher ein Sandhaufen, denn der richtige Hausberg am Rande der
Stadt, der „El Plomo“ ist mit 5424m dann doch etwas imposanter. Aber zum tollen
Überblick über die Stadt ist der San Cristobal vollkommen ausreichend. Rauf
geht es auf den Hügel mit einem „Funicular“ das ist eine Standseilbahn. Schon
ordentlich in die Jahre gekommen aber immer noch passabel in Schuß gehalten.
Die Talstation liegt gleich neben dem Eingang zum Zoo von Santiago, der mich
aber nicht so interessierte. Um den Funicular benutzen zu können, musste man
sich auf der Stelle einer beeindruckenden chilenischen Tugend fügen. Sich ruhig
und ohne Murren und absolut diszipliniert in der Reihe hinten anstellen und
warten. Eine Eigenschaft, die ich als allerletztes auf dem südamerikanischen
Kontinent vermutet hätte. Insbesondere, da die Chilenen diese Sportart in einer
Perfektion betreiben, die selbst die eigentlichen Weltmeister in dieser
Disziplin, die Engländer, echt alt aussehen lässt. Also hinten angestellt und
eine gute halbe Stunde in der brütenden Sonne gewartet. Oben angekommen ist
gleich neben der Bergstation eine tolle Aussichtsterasse. Man kann aber auch
noch weiter nach oben klettern bis zur Statue der Inmaculada Concepción de la
Virgen María. Von den terrassenförmigen Stufen darunter ist der Ausblick noch
beeindruckender, da der Rundumblick umfassender ist. Die Kletterpartie nahm ich
als kleine Trainingseinheit für Patagonien. Auf dem Rückweg hieß es natürlich
wieder, sich in der Reihe anzustellen und zu warten.
Unten angekommen war wieder ein kleiner Fußmarsch notwendig
um zur nächsten U-Bahn Station zu gelangen. Diese ist übrigends Top in Schuß.
Und zwar sowohl die Stationen als auch die Züge. Und die U Bahn ist hier nicht
wirklich neu. Aber bei uns wäre sie nach bereits 3 Monaten vergammelter. Liegt
aber auch daran, dass es hier ganz klare Vorgaben gibt, was man hier in der U
Bahn zu tun und lassen hat. Täte uns in Deutschland vielleicht auch mal ganz
gut so ein Refresher in dieser Disziplin.
Ein Pisco Sour an der Hotelbar beschloß den Tag. Die nächsten
zwei Tage heißt es Kilometer reißen. Es geht ab in den Süden und ich muss etwa
1000 km schaffen.
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