Dienstag, 1. Januar 2019

30.12.2018 Pucón



Heute sollte wieder alles im Zeichen eines Vulkans stehen. Der Vulkan Villarica ist der Hausberg von Pucón. Er ist 2847 Meter hoch und noch aktiv. Etwa 50 Ausbrüche gehen in den letzten 500 Jahren auf sein Konto. Zuletzt brach er im Jahr 2015 aus.Er zeichnet sich durch seine bilderbuchhafte Schönheit aus. Der Konus ist absolut gleichmäßig geformt. Die Kraterspitze ist gerade abgeschnitten und die obere Hälfte des Vulkans ist wie mit Puderzucker mit Schnee bedeckt. Um den Kitsch perfekt zu machen kommt aus dem Krater permanent eine kleine Rauchwolke. Deswegen ist der Villarica auch ein beliebtes Touristenziel in Chile. Eigentlich standen die Chancen schlecht, all das zu Gesicht zu bekommen, denn die Wettervorhersage verhieß nichts Gutes. Aber der Wettergott hatte ein Einsehen mit mir und so gab es morgens noch ein paar Schönwetterwolken, die nur zeitweise den Blick zum Gipfel verhüllten. Ab dem frühen Nachmittag schien die Sonne von einem makellos blauen Himmel. Und so konnte ich mich den ganzen Tag nicht an diesem schönen Vulkan sattsehen. Ich sah ihn von vorne, von rechts, von links. Mal rauchte er gar nicht, mal wenig, mal mehr, mal spuckte er (ok, Scherz!).
Zuerst fuhr ich in den Nationalpark und da der Vulkan morgens noch von einer Seite in Wolken gehüllt war, begab ich mich zuerst auf die Seite wo die Skilifte waren, obwohl dort derzeit Totentanz herrscht. Es ist hier halt Sommer. Da haben Skilifte keine Saison. Aber auf dieser Seite konnte ich die ersten freien Blicke auf den Vulkan erhaschen und war sehr beeindruckt. Der Reiseführer hatte nicht zu viel versprochen und der Trip hierher hatte sich gelohnt. Foto um Foto und Selfie um Selfie wanderte auf die Chipkarte. Die vulkanische Aktivität konnte man auch den ruppigen Schotterstraßen sehr gut beobachten, aus denen alle 50-100 Meter Rauchschwaden emporstiegen. Natürliche Straßenenteisung sozusagen.
Nachdem der Nationalpark durchquert war, ging es zu den „Ojos del Caburgua“, einem System von Wasserfällen in der Nähe des gleichnamigen Dorfes. Auf dem Weg dorthin sah ich den nächsten Vulkan, den Sollipulli (der heißt wirklich so !)
Die Vulkane sind hier wirklich wie an der Perlenschnur aufgereiht. Macht Euch mal die Mühe und schaut Euch bei Google Maps den Villarica von oben als Satellitenbild an. Und dann schaut mal, wie die mit Schnee bedeckten Vulkane bis in den Süden in Reihe auftauchen. Man kann hier fast immer von einem Vulkan zum nächsten schauen. Echt Irre. Geologie zum Anfassen, äääh Anschauen.
Am Abend wollte ich noch unbedingt ein Foto des Villarica mit dem gleichnamigen See im Vordergrund schießen. Also mal eben etwa 50km um den ganzen See herum gefahren und an einer kleinen Ecke einen öffentlichen Strand gefunden, an welchem das gewünschte Foto gelang. Am selben Strand ließ ich den Abend bis zum Sonnenuntergang ausklingen.

29.12.2018 Los Angeles nach Pucón



Nachdem sich die ersten Vulkane des pazifischen Feuerrings gestern von der Interamericana aus am östlichen Horizont abzeichneten, war es heute mal Zeit mit den ersten etwas näher Tuchfühlung aufzunehmen.
So ging es nach der ersten gut durchschlafenen Nacht in Chile wieder auf die Interamericana gen Süden. Ich muss an dieser Stelle die Chilenen mal loben. Es ist absolut faszinierend wie diszipliniert die Chilenen fahren. Meine Erwartungshaltung war zugegeben eine ganz andere. Im Großen und Ganzen wird sich ans Tempolimit gehalten, es wird meistens korrekt geblinkt und als Deutscher nimmt man es gerne zur Kenntnis, dass auch unaggressiv gefahren werden kann. Naja, ein wenig Euphoriebremse muss schon sein. Der Herr bei der Mietwagenübergabe meinte nur, ich sollte Chile nicht als Maßstab für Südamerika nehmen (er kam aus Argentinien 😉 ). Die Chilenen ticken in der Tat ziemlich europäisch und wo sie das nicht tun, ticken sie US amerikanisch (zum Beispiel in ihrem ungezügelten Shoppingwahn. Den finde ich hier fast schlimmer als bei den Amis). Nur beim Service, da müssen sie noch viel lernen. Und wenn ich als Deutscher so etwas sage, dann besteht da Handlungsbedarf.
Zurück zum Tagesprogramm. In Höhe des Ortes Victoria wurde abgebogen zum Zwischenziel, dem Parque Nacional de Conguillió. Wie fast jeder Nationalpark, jeder See und fast jeder Fluß hat dieser auch seinen Hausvulkan: der Llaima (3125m). Dieser gehört zu der aktiveren Sorte, brach er doch seit 1640 ganze 35x aus. Zuletzt am Neujahrstag 2008. Damals so heftig, dass die CONAF (chilenische Nationalparkbehörde) gezwungen war etwa 80 Touristen und Mitarbeiter aus dem Gebiet zu evakuieren. Zudem ist in diesem Park ein starker Waldbestand aus Araukarien, ein hier zumindest in den Parks weit verbreiteter Baum. Ich kann diesen Baum gar nicht mit etwas mir bisher bekanntem vergleichen, daher lässt er sich auch nur schwer beschreiben. Daher googelt mal. Ich find den Baum auf jeden Fall schön. Und groß sind sie auch noch. In Mischwäldern verleihen sie diesen eine wirklich spezielle Atmosphäre. Der Nationalpark war mit einer Straße (naja, eher Schotter-Rüttelpiste) versehen, was in chilenischen Nationalparks nicht selbstverständlich ist. Diese Strasse habe ich auch gebraucht, denn mit Wandern war heute nix. Pünktlich zur Ankunft fings es an Hunde und Katzen zu regnen. Und Ihr könnt es Euch denken, pünktlich zur Ausfahrt  etwa 3 Stunden später hörte es auch wieder auf. Das nennt man Timing. Dazu fiel die Temperatur auf 3 Grad !! Wenns gut läuft, wird nicht mal die Antarktis Reise so kalt ! Zumal gestern noch 30 Grad waren und ich dementsprechend gekleidet im Auto saß. Natürlich nicht lange. Zwischendurch war ich nicht nur froh im trockenen zu sitzen, sondern auch im einem großen Auto und nicht in einem Golf oder kleiner. Die Strasse war so schon in keinem guten Zustand und der sintflutartige Regen machte es nicht besser. Aber mit geländegängigem Fahrzeug und Afrika Straßenerfahrung ging alles ohne Probleme.
Was die Lava in diesem Gebiet angerichtet hat und wie sie die Landschaft geformt hat, ist schon sehr beeindruckend. Wer schon einmal auf der Hochebene des Teide auf Teneriffa gewesen ist oder in der Nähe des Ätna wird wissen, wovon ich rede. Sehr interessant fand ich, das die Chilenen in die Lavafelder quasi Autobahnschneisen gebuddelt haben, damit bei einem zukünftigen Ausbruch die Lava nur in Gebiete fliesst, wo sie keinen oder nur geringen Schaden anrichtet. Ich hoffe, dass hat irgendjemand auch dem Vulkan erzählt, damit das auch funktioniert.
Nach Ausfahrt aus dem Park war es schon 1630 und ich hatte noch 2 Stunden Fahrt vor mir bis zum Ziel in Pucón (die Distanzen sind hier echt irre). Auch hier thronen 2 Vulkane, deren Spitzen sich heute aber in Wolken versteckten.
Zum Abschluß des Tages ging es in ein uruguayisches (schreibt man das so ??) Steakhouse. Egal wie geschrieben, das „Bief de Chorizo“ war irre lecker und auf den Punkt. Hierzu habe ich auch mal wieder was neues gelernt. Wir in Deutschland haben ja eigentlich nur 3 Gar Grade beim Steak. Hier gabs davon fünf. Und um die Verwirrung komplett zu machen, bedeutet „medium“ nicht das Gleiche wie bei uns. Hier liegt „medium“ zwischen „inglés“ und „a punto“ , was unserem „medium“ entspricht. Alles klar ?? Mein Steak war auf jeden Fall „a punto“. Ein weiterer Unterschied auf der Karte ist, dass alle Komponenten einzeln bestellt werden müssen und dann auch auf Extra Tellern geliefert werden und für Singles wie mich komplett zu groß geraten.
Und nun ist der Bauch voll und ich falle müde ins Bett. Morgen bei hoffentlich gnädigem Wetter den nächsten Vulkan erkunden.

28.12.2019 Santiago-Los Angeles



Ja, Ihr habt oben richtig gelesen. Meine Route ging heute von Santiago nach Los Ángeles. Ich hatte doch geschrieben, dass ich heute einen Fahrtag hatte. Da kann man so eine Strecke schon mal schaffen…….
Wie Ihr oben seht, macht ein kleiner Strich über dem A den entscheidenden Unterschied. Es handelt sich natürlich nicht um das allerseits bekannte Los Angeles in Kalifornien sondern um das eher nicht bekannte Los Ángeles am Rio Bio-Bio in Zentralchile. Warum bin ich heute hier ? Mit Sicherheit nicht, weil der Ort so interessant ist. Er liegt halt einfach an einem zweckmäßigen Punkt an der Interamericana. Von Santiago bis hierher sind es fast 600 km und nach fast 7 Stunden Fahrt ist einfach Pause und übernachten angesagt. Hier gibt eine gute Infrastruktur dafür. Ich habe ein kleines Hotel direkt an der Interamericana gefunden, welches Übernachtungen in 3 bildschönen Chalets anbietet. Die Chalets sind allesamt Pfahlbauten und somit erhöht gebaut. Die Zimmer sind schön eingerichtet, dazu gibt es eine super Terrasse nach hinten raus mit Blick auf den angrenzenden Fluß. Der Hammer ist aber ein toller Jacuzzi aus Holz welcher durch Holz befeuert wird und somit ein tolles Badevergnügen in warmen Wasser liefert. Dazu ein kleiner Sundowner im Weinglas und der Tag kann toll ausklingen..
Wie bereits gesagt, war dies ein Fahrtag. So war auch nur ein Stop zwischendurch angesagt und das auch nur weil ich diesen Ort zufällig als interressant markiert auf der Strassenkarte in der Nähe der Interamericana fand. Die „Saltos de Lomo“, die kleine chilenische Ausgabe der Niagara Fälle. Aus etwa 40-50m fällt das Wasser in eine Schlucht hinab. Aus den darunter liegenden Terassen haben die Chilenen geschäftstüchtig ein öffentliches Bad verwandelt. Ich war glücklicherweise an einem Freitag dort. Am Wochenende soll der Ort überlaufen sein. Ist aber auch hübsch anzusehen das Ganze.
Morgen wir d die Etappe nur in etwa halb so lang da wird sich auch die Gelegenheit bieten für den ein oder anderen Zwischenstopp. Die Anden gaben heute auf jeden Fall in der Ferne schon den ein oder anderen interessanten Anblick, komme ich doch jetzt in den Bereich wo die Berge nicht nur hoch sondern auch gefährlich werden, sprich es wird vulkanisch.