Nachdem sich die ersten Vulkane des pazifischen Feuerrings
gestern von der Interamericana aus am östlichen Horizont abzeichneten, war es
heute mal Zeit mit den ersten etwas näher Tuchfühlung aufzunehmen.
So ging es nach der ersten gut durchschlafenen Nacht in
Chile wieder auf die Interamericana gen Süden. Ich muss an dieser Stelle die
Chilenen mal loben. Es ist absolut faszinierend wie diszipliniert die Chilenen
fahren. Meine Erwartungshaltung war zugegeben eine ganz andere. Im Großen und
Ganzen wird sich ans Tempolimit gehalten, es wird meistens korrekt geblinkt und
als Deutscher nimmt man es gerne zur Kenntnis, dass auch unaggressiv gefahren
werden kann. Naja, ein wenig Euphoriebremse muss schon sein. Der Herr bei der
Mietwagenübergabe meinte nur, ich sollte Chile nicht als Maßstab für Südamerika
nehmen (er kam aus Argentinien 😉 ). Die Chilenen ticken in der Tat ziemlich
europäisch und wo sie das nicht tun, ticken sie US amerikanisch (zum Beispiel
in ihrem ungezügelten Shoppingwahn. Den finde ich hier fast schlimmer als bei
den Amis). Nur beim Service, da müssen sie noch viel lernen. Und wenn ich als
Deutscher so etwas sage, dann besteht da Handlungsbedarf.
Zurück zum Tagesprogramm. In Höhe des Ortes Victoria wurde
abgebogen zum Zwischenziel, dem Parque Nacional de Conguillió. Wie fast jeder
Nationalpark, jeder See und fast jeder Fluß hat dieser auch seinen Hausvulkan:
der Llaima (3125m). Dieser gehört zu der aktiveren Sorte, brach er doch seit
1640 ganze 35x aus. Zuletzt am Neujahrstag 2008. Damals so heftig, dass die
CONAF (chilenische Nationalparkbehörde) gezwungen war etwa 80 Touristen und Mitarbeiter
aus dem Gebiet zu evakuieren. Zudem ist in diesem Park ein starker Waldbestand aus
Araukarien, ein hier zumindest in den Parks weit verbreiteter Baum. Ich kann
diesen Baum gar nicht mit etwas mir bisher bekanntem vergleichen, daher lässt
er sich auch nur schwer beschreiben. Daher googelt mal. Ich find den Baum auf
jeden Fall schön. Und groß sind sie auch noch. In Mischwäldern verleihen sie
diesen eine wirklich spezielle Atmosphäre. Der Nationalpark war mit einer
Straße (naja, eher Schotter-Rüttelpiste) versehen, was in chilenischen
Nationalparks nicht selbstverständlich ist. Diese Strasse habe ich auch
gebraucht, denn mit Wandern war heute nix. Pünktlich zur Ankunft fings es an
Hunde und Katzen zu regnen. Und Ihr könnt es Euch denken, pünktlich zur
Ausfahrt etwa 3 Stunden später hörte es
auch wieder auf. Das nennt man Timing. Dazu fiel die Temperatur auf 3 Grad !!
Wenns gut läuft, wird nicht mal die Antarktis Reise so kalt ! Zumal gestern
noch 30 Grad waren und ich dementsprechend gekleidet im Auto saß. Natürlich
nicht lange. Zwischendurch war ich nicht nur froh im trockenen zu sitzen,
sondern auch im einem großen Auto und nicht in einem Golf oder kleiner. Die
Strasse war so schon in keinem guten Zustand und der sintflutartige Regen
machte es nicht besser. Aber mit geländegängigem Fahrzeug und Afrika
Straßenerfahrung ging alles ohne Probleme.
Was die Lava in diesem Gebiet angerichtet hat und wie sie
die Landschaft geformt hat, ist schon sehr beeindruckend. Wer schon einmal auf
der Hochebene des Teide auf Teneriffa gewesen ist oder in der Nähe des Ätna
wird wissen, wovon ich rede. Sehr interessant fand ich, das die Chilenen in die
Lavafelder quasi Autobahnschneisen gebuddelt haben, damit bei einem zukünftigen
Ausbruch die Lava nur in Gebiete fliesst, wo sie keinen oder nur geringen
Schaden anrichtet. Ich hoffe, dass hat irgendjemand auch dem Vulkan erzählt,
damit das auch funktioniert.
Nach Ausfahrt aus dem Park war es schon 1630 und ich hatte
noch 2 Stunden Fahrt vor mir bis zum Ziel in Pucón (die Distanzen sind hier
echt irre). Auch hier thronen 2 Vulkane, deren Spitzen sich heute aber in
Wolken versteckten.
Zum Abschluß des Tages ging es in ein uruguayisches
(schreibt man das so ??) Steakhouse. Egal wie geschrieben, das „Bief de
Chorizo“ war irre lecker und auf den Punkt. Hierzu habe ich auch mal wieder was
neues gelernt. Wir in Deutschland haben ja eigentlich nur 3 Gar Grade beim
Steak. Hier gabs davon fünf. Und um die Verwirrung komplett zu machen, bedeutet
„medium“ nicht das Gleiche wie bei uns. Hier liegt „medium“ zwischen „inglés“
und „a punto“ , was unserem „medium“ entspricht. Alles klar ?? Mein Steak war
auf jeden Fall „a punto“. Ein weiterer Unterschied auf der Karte ist, dass alle
Komponenten einzeln bestellt werden müssen und dann auch auf Extra Tellern
geliefert werden und für Singles wie mich komplett zu groß geraten.
Und nun ist der Bauch voll und ich falle müde ins Bett.
Morgen bei hoffentlich gnädigem Wetter den nächsten Vulkan erkunden.
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