Montag, 11. Februar 2019

22.01.19 Drake Passage Tag 1



In der Nacht haben wir den Beagle Kanal verlassen und die offene See erreicht. Nun kommt der spannende Part. Die Drake Passage ist der Vorhof von Kap Hoorn und damit meist eine eher unruhige Überfahrt. Man sagt, es gibt zwei Möglichkeiten: „Drake Lake“ oder „Drake Shake“. Auf der letzten Fahrt soll es wohl so übel gewesen sein, dass am zweiten Tag ganze 8 Passagiere zum Frühstück erschienen. Uns bleibt dieses glücklicherweise erspart. Wir haben eher „Drake Lake“. Trotzdem musste ich nach dem Aufstehen, ein leichtes Unwohlsein feststellen. War gar nicht eine Übelkeit, aber mein Kreislauf war nicht der fitteste. Kann natürlich auch am Medikament liegen. Aber komischerweise, war alles das etwa 30 Minuten vorm Lunch erledigt und ich war topfit.
Am morgen stand ein verpflichtendes Briefing zu den Standards der IAATO, einer Vereinigung aller Reiseveranstalter, die in der Antarktis tätig sind, auf dem Programm. Hier geht vor allem um Standards unter welchen Tourismus in der Antarktis stattfindet und an die sich dann auch jeder Gast halten muss. Im Anschluss dann gleich das nächste Briefing zur Sicherheit bei den Zodiac Touren. Nachmittags wurden wir dann in den „Mud Room“ gerufen, in welchem wir zukünftig unsere Expeditionskleidung anlegen und diese nach Rückkehr reinigen um keine Verunreinigung von Biosphären mit fremdartigen Pflanzen oder Tieren hervorzurufen.
Der Nachmittag stand dann eher im Zeichen des „Socialising“, also des gegenseitigen Kennenlernens in der Bar. Am Abend begab ich mich mit Jörgen noch auf das Deck am Heck des Schiffes um einen Wanderalbatros zu beobachten und zu fotografieren, der dem Schiff folgte. Froh, den ersten Tag nicht über der Kotztüte verbracht haben zu müssen, ging es in Bett.

21.01.19 Ushuaia und Abfahrt in die Antarktis



Heute ist zwar nicht viel Programm aber ich bin trotzdem sehr aufgeregt. Es geht heute endlich aufs Schiff. Nach dem Frühstück ging ich einmal um die Ecke und konnte einen Blick auf den Hafenkai werfen. Dort war am frühen Morgen die MV Akademik Sergey Vavilov eingetroffen und ich konnte so einen Blick auf meine neue Heimat für die kommenden 20 Tage werfen. Schon um 0900 Uhr musste ich mein Gepäck an der Rezeption zum Pick up abgeben. Danach begab ich mich zum Pier, machte einige Fotos und danach ging es nochmal zur Playa Larga zum Seevögel fotografieren, aber für die Sturmvögel war leider wieder zu wenig Wind. So blieben mir nur Fotos von Möwen, die aber mit dem Bergen im Hintergund auch sehr schön waren. Aber es schaute auch sogar ein Adler vorbei.
Dann musste ich meinen Mietwagen abgeben. Danach schlug ich in der Stadt ein wenig die Zeit tot. Um 1500 Uhr begann der Check in im Hotel Albatross. Der kürzeste Check In ever. Pass auf den Tisch legen. Fertig ! Um 1600 Uhr fuhr uns dann der Bus zum Schiff. Ganze 300 Meter Fahrt. Aber nunmal Vorschrift. Danach ging es aufs Schiff und ich lernte meinen Zimmergenossen für die Fahrt kennen. Jörgen aus Schweden wird mich begleiten. Unser Gepäck war schon auf dem Zimmer. Wir packten erst einmal unsere Koffer aus und verstauten den Inhalt in den Schränken, damit die Koffer ins Lager konnten und wir wieder Platz in der Kabine hatten. Diese war ordentlich aber einfach ausgestattet. Ist halt ein Expeditionsschiff und kein 5 Sterne Kreuzfahrtschiff. Nach 1 Stunde gab es ein kleines Welcome Buffet in der Bar mit ersten Hinweisen von der Crew. Als wir auf dem Achterdeck unsere Drinks zu uns nahmen, kam die Sonne raus und über dem Schiff stand ein doppelter Regenbogen. Wir nahmen dies als ein gutes Zeichen für die kommende Fahrt. Da wussten wir noch nicht, dass dieser doppelte Regenbogen nicht nur das gute Omen sondern auch das Motto dieser Kreuzfahrt werden sollte.
Wir bekamen alle Namensschilder zum besseren Kennenlernen. Wir sind ja nur 80 Gäste. Dazu kommen etwa 15 Mitarbeiter des Veranstalters und 40 Crewmitglieder aus Kaliningrad, die sich um das Schiff und die Bewirtung kümmern. Diese russische Crew bleibt übrigends für ein komplettes Jahr an Bord. Bordsprache ist Englisch. Nur die Russen sprechen untereinander russisch. Bevor wir ablegten liefen noch zwei neue Schiffe im Hafen, ein kleines Expeditionsschiff und danach ein dicker Kreuzfahrtdampfer. Wir legten ab und im Anschluss fand gleich der Sicherheitsdrill statt.
Dann wurden wir zum ersten Dinner gerufen. Es wird peinlichst darauf geachtet, dass jeder die Hände vorm Betreten desinfiziert. Die Ärztin Kate steht neben der Tür und Ihrem scharfen Auge entgeht nichts. Beim Essen ist Buffet beim Frühstück komplett und bei den anderen Mahlzeiten nur für die Salate. Ansonsten wird zuerst eine Suppe serviert und danach kann man aus 2-3 Tellergerichten auswählen und im Anschluss wird ein Nachtisch serviert. Und bestellt man sich einen Wein, muss man ihn nicht austrinken, die Flasche wird mit Namen versehen und man kann schon bei den nächsten Mahlzeiten weitertrinken. Es ist Free Seating und, was ich sehr schön finde, die Mitglieder der kanadischen Veranstalter Crew mischen sich beim Essen unter die Gäste, so lernt man sich sehr gut kennen. Die Gäste sind sehr international. Viele Kanadier, dazu Amerikaner, Chinesen, Australier, Neuseeländer, Kolumbianer, Holländer, Briten und ich bin einer von ganzen 3 Deutschen. Wundert Euch also nicht, wenn ich nach meiner Rückkehr eher einen Spenglisch mix spreche als Deutsch.

20.01.19 Ushuaia



Nach einem Frühstück mit dem wirklich schlechtesten Brot, dass ich je gegessen habe, machte ich mich auf den Weg zum Nationalpark Tierra del Fuego. Es erwartete mich ein angenehmer Tag. Leichte Bewölkung, ganz leichte Brise und etwa 15 Grad. Zum Nationalpark gelangt man nach bereits kurzer Fahrt nach etwa 7km Richtung chilenischer Grenze auf der RN3, die nach über 3079km Länge im Nationalpark endet. Für europäische Augen wirklich befremdlich derartige Kilometer Schilder zu sehen. Nach dem Eintritt in den Park, der nur unwesentlich effektiver organisiert war als in Perito Moreno, fuhr ich zum ersten Viewpoint am Meer. Hier musste ich mein erstes Tagesziel, Seevögel zu fotografieren, gleich begraben. Der Wind war für die Vögel viel zu schwach. Da kamen die Sturmvögel gar nicht erst aus dem Wasser hoch. So ging es zum nächsten Viewpoint, an dem es zu einem Wasserfall gehen soll. Leider war der Weg vom Parkplatz zum Wasserfall noch etwas zu lang für meinen kaputten Fuß und ich wollte es nicht übertreiben. Der Fuß soll in der Antarktis seinen Dienst verrichten und nicht hier schon. So machte ich es mir an dem zugehörigen Bach gemütlich. Als ich später wieder wegfuhr entdeckte ich neben der Straße Eisenbahnschienen. Diese gehören zum „Tren del Fin del Mundo“, also dem Zug am Ende der Welt. Dies ist die Eisennahn mit der kleinsten Spurweite, die jemals für Passagier- und Güterverkehr gebaut wurde. Sie wurde ursprünglich von Insassen des Gefängnisses in Ushuaia, die vorher auch noch ihr Gefängnis selber bauen „durften“, errichtet. Sie transportierte ursprünglich das Holz aus den hiesigen Bergen in die Stadt. Heute fahren Touristen mit Ihr. Ich entschloss mich, an einem Streckenabschnitt, der sehr idyllisch gelegen war, auf den Zug zu warten und einige Fotos zu machen. Wilde Pferde weideten auf den umliegenden Wiesen.  Ich musste nicht lange warten und ein voll besetzter Zug kam vorbei. Hatte aber irgendwie die Erscheinung einer großen Modelleisenbahn, so niedlich war der Zug.
So ging es weiter durch Mischwälder in Feuerland. Vorbei am Visitor Centre bis zum Ende der Straße in der Nähe der chilenischen Grenze. Alles ein sehr idyllischer Zeitvertreib. So ging es dann am späten Nachmittag zurück in die Stadt. Dort machte ich noch ein Foto vorm Schriftzug der Stadt an der Bayfront, der allen Ernstes am 20. Januar noch weihnachtlich geschmückt war. Die müssen hier irgendwie einen anderen Kalender haben. Danach checkte ich in dem von der Reederei gebuchten Hotel ein. Ein nettes Appartement. Leider mit Music Club nebenan, was mir die kommende Nacht ziemlich verhageln sollte. Ein Abend im Steakhouse beendete den Tag.