Kein aufregendes Programm heute. Morgens noch einmal die
Ruhe und die Landschaft des Elqui Tals genießen. Nach dem Frühstück stand der
letzte aber auch der längste Fahrtag der ganzen Reise auf dem Programm. Fast 800
km bis nach Santiago lagen vor mir. Etwa 8-9 Stunden Fahrt. Genauso kam es
auch. Ich habe nur eine Pause und einen Tankstop eingelegt. Ich kam ca. 1900
Uhr an meinem Ziel an. Ein kleines B&B im Vorort Chicureo. Auch noch von
einem Detschen betrieben, wie ich bei Ankunft feststellte. Namensvetter Andreas
begrüße mich an der Einfahrt, nachdem ich erfolgreich den Pförtner der
Wohnanlage passieren konnte. Diese Pförtner sind in Chile reines Statussymbol
und keine Sicherheitsnotwendigkeit, wie in manch anderen Ländern. Andreas war
recht redselig und ich erfuhr viel über sein Leben und das Leben in Chile
allgemein. Er lebt seit 25 Jahren in Chile. Seit kurzem ist er nicht mehr
berufstätig und seine Ehe mit einer Einheimischen ist ebenfalls in die Brüche gegangen.
Ich werde einer seiner letzten Gäste sein. Das Haus steht zum Verkauf und er
wird nach dem Verkauf nach Deutschland zurückkehren. Andreas wirkt sehr
informiert über Chile und die Gesellschaft. Aber ich habe den Eindruck
gewonnen, dass er die negativen Seiten der chilenischen Gesellschaft (und davon
gibt´s leider viele) nie akzeptieren konnte. So kam das Scheitern mit
ordentlich Verspätung aber trotzdem zwangsläufig. Ich hoffe, er wird in Deutschland
wieder Fuß fassen und es wird ihm besser gehen.
Samstag, 16. Februar 2019
Freitag, 15. Februar 2019
13.02. und 14.02. 19 Pisco Elqui
Immer wenn ich auf dieser Reise kein volles Programm habe,
merkt sich mein Körper das und meint, „wenn du eh nichts vorhast, darf ich
jetzt auch mal müde sein“. Gleich nach dem Frühstück kam die Müdigkeit mit
Wucht wieder und streckte mich nieder. Also Programmbeginn erst am Nachmittag.
Ich fuhr weiter in das Tal hinein, durch kleine Künstlerdörfer. Das Klientel
wurde immer schräger. Die meisten Menschen, die hier her kommen, wenn es keine
Sternengucker sind, sind recht esoterisch angehaucht. So kann man sich in Pisco
Elqui auf alle Arten seine Zukunft vorhersagen lassen, Wahrsagen, Tarot Karten,
Handlinien lesen, etc. . Je tiefer man in das Tal hinein kommt, um so schräger
wird es. Das begegnet man auch UFO Gläubigen, die angebotenen Heil- und
Entspannungsmethoden reichen von Apitherapie (musste ich auch googeln), über
Bioenergia, Biomagnetismus, kosmische Strahlung durch Steinauflegen und weitere
skurrile Dinge. In sphärischen Tempeln lässt sich die Klientel in höhere Ebenen
transportieren. Man will den schönen Sternen wohl besonders nah sein. Wenn man
Musik hört im Tal, sind dies auch eher sphärische Klänge und Chillout Mucke. Da
fühle ich mich mit meinem norddeutschen Gemüt voll heimisch.
Wie gut, das es hier auch handfeste Dinge gibt. Pisco. Und
wie er gemacht wird, kann man sich in den Brennereien auch anschauen. Entweder
in der großen von Mistral und in der kleinen Handwerksbrennerei von Los Nichos.
Wie gut, das diese auf der anderen Straßenseite gegenüber vom Hotel liegt. Da
kann man ohne Reue kosten. Der 40% ige mit längerer Reifezeit im Faß konnte
dabei durchaus überzeugen.
Abends ging es dann noch zum Abendessen ins Dorf. Ich war
früh dran und manches Restaurant noch zu. So ließ ich mich auf das Treiben auf
dem munteren Dorfplatz ein. Hier tritt jeden Abend eine Kleinkunstgruppe mit
einem Clownprogramm vor der Kirchentreppe auf. Einfach schön zu sehen, wie
diese mit einem relativ einfachen aber herzlichen Programm ihr Publikum finden
und begeistern. Im Restaurant probierte ich einen weiteren chilenischen
Nationaltrunk: Terremoto. Das ist Weißwein mit Grenadine und Eis. Nach wenigen
Zügen wusste ich woher der Name kommt. Terremoto heißt nämlich Erdbeben. Und so
fühlte sich mein Kopf an. Ich stellte die weitere Vertilgung dieses Cocktails
zugunsten eines Erdbeersmoothies ein um noch ins Hotel zu gelangen.
Hier wartete nämlich noch ein Programmpunt auf mich. Kurz
vor Mitternacht holte mich der Guide Claudio zur Astronomie Tour ab. Ich hatte
noch ein paar Mitstreiter. Ein Paar aus England und eines aus Irland. Mit 5
Leuten waren wir eine schöne kleine Gruppe, die innerhalb der Hotelanlage den
Berg hinaufkletterte um das hoteleigene Observatorium zu besuchen, das mit
einem 23,5 cm Spiegelteleskop ausgestattet ist. Da der Mond kurz davor war
hinter dem Hügel unterzugehen, wurde dieser zuerst beobachtet. Danach bat uns
Claudio wieder nach draußen und erklärte und die Entstehung und das Leben der
Sterne. Das machte er sehr anschaulich und es war faszinierend, ihm
zuzuschauen. Mit einem starken Laserpointer benutzte er quasi den Sternenhimmel
als seine persönliche Powerpoint Präsentation. Danach ging es wieder zum
Teleskop und wir schauten uns Sterne in verschiedenen Größen und Farben an. Danach
wurden uns Sternennebel gezeigt, die durch das Teleskop erstaunlich gut
sichtbar waren. Ein 23,5 cm Teleskop ist zwar schon was, aber auch halt kein
Forschungsteleskop. Aber dafür wurde einem schon etwas geboten. Nach 90 Minuten
war die Tour vorbei. Die Gruppe ging zurück zu ihren Zimmern. Ich blieb oben
und nutzte die Gelegenheit, um den Sternenhimmel zu fotografieren. Schlafen
hätte ich sowieso nicht können. Im Tal hatte jemand seine Chillout Mucke derart
laut gedreht, dass alle unfreiwillig mitchillen mussten.
Dafür, dass ich gerade mal 6 Stunden Schlaf zusammenkratzen
konnte, war ich relativ munter. Trotzdem verbleib ich erst einmal im Hotel und
entspannte. Muss ja auch mal sein. So blieb vorerst das Sudoku Heft die einzige
Beschäftigung. Am Nachmittag machte sich der kurze Nachtschlaf doch bemerkbar
und das Verlangen nach einem Nickerchen ebenso. Am Abend ging es dann wieder in
den Ort. Mal wieder am zentralen Platz sich das muntere Treiben anschauen und
dann ein Restaurant zum Essen suchen. Ich liebe es ja mal gar nicht, wenn wie
heute, ich ein Restaurant in dem ich am Besten alle Tage gegessen hätte, erst
am letzten Abend entdecke. Aber sei`s drum. Wenigstens am letzten Abend noch
entdeckt. Der Halbmond war erst recht spät aufgegangen. So strich ich meine
Fotopläne für die Nacht, denn vor 1-2 Uhr würde er nicht hinter den Bergen
verschwinden. Da war Fotografie nicht erfolgversprechend. Es war einfach zu
hell. So gings früh ins Bett.
Donnerstag, 14. Februar 2019
12.02.19 La Serena – Pisco Elqui
Ein grauer Morgen, mit Seenebel der bis zu den Bergen reichte,
begrüßte mich. Heute hieß es nach langer Zeit, Abschied für einige Tage von der
See zu nehmen. Hinter La Serena begann die RN-41 die zur argentinischen Grenze
führt. Anfangs in recht unansehnlicher und langweiliger Umgebung änderte sich
dieses Bild nach den ersten Bergen recht schnell. Die Berge hatten eine
wüstenartige Erscheinung mit grauem und braunem Sand und Felsen auf denen kleine
Büsche und riesige Kakteen wuchsen. Im Tal war aber alles grün, wegen des
dortigen Flusses. Das Ganze kam einem irgendwie aus den Roadrunner Comics
bekannt vor. Leider wurde hier nur die Landschaft geboten und nicht das Tier. Im
weiteren Verlauf lag ein Stausee an der Strecke. Die Staumauer konnte
besichtigt werden, da hielt ich mal an und legte einen Spaziergang ein. Ich
hatte heute mehr als genug Zeit. Die geplante Strecke betrug nicht einmal 100
km.
Nach dem Stausee gings durch ein nettes Dörfchen namens Vicuña
wollte ich mir ansehen. Aber wie so oft, war leider kein Platz fürs Auto zu
bekommen. Da bin ich langsam weitergefahren. Etwa 20 km hinter Vicuña war dann
die Abzweigung ins Elqui Tal, dem Ziel für die nächsten Tage. Auch hier bot
sich landschaftlich das gleiche Bild. Im Tal grün und die Berge wüstenhaft. Das
grün im Tal bestand aber überwiegend aus Weinreben, die hier für das
Nationalgetränk Chiles stehen. Den Pisco. Ein Weinbrand. Die bekannteste
chilenische Marke Mistral produziert hier im Elqui Tal. Einige kleinere
Brennereien gibt es ebenso im Tal.
Nach etwa 20 km war Pisco Elqui erreicht. Dieser Ort wurde
vor zig Jahren extra umbenannt, um Peru nicht die alleinigen Namensrechte am
Pisco zu überlassen. Der Ort ist klein und endlich mal ansehnlich. Aber auch
überlaufen und das mit etwas schräger Klientel. Dazu morgen mehr. Etwa 6km
hinterm Ort war mein Hotel. Mit kleiner Einfahrt, an der ich erst einmal stumpf
vorbei gefahren bin. Nach etwa 10 km und ganz anderen Ortsnamen bin ich dann
stutzig geworden und einmal umgedreht. Und dann hab ich es doch noch gefunden,
die Elqui Domo Lodge. Hier wird mein Domizil für die nächsten 3 Tage sein. Ich
habe ein Luxuszelt gebucht. Dies ähnelt einem riesigen Iglu. Hat an einer Seite
auch einen fast Igluartigen Eingang, gegenüber ist ein Fenster. Das Ganze ist
zweigeschossig. Im Erdgeschoß ist der Wohnraum und das Bad und im Obergeschoss
das Bett. Der Clou ist, über dem Bett kann man die Dachkanzel aufklappen und
hat einwandfreien Blick auf den Himmel. Tagsüber hat das bestenfalls eine
Belüftungsfunktion. Aber nachts ist das der Hammer, denn Elqui ist berühmt für
seinen Sternenhimmel. Diverse Observatorien von NASA und ESA befinden sich in
der Nähe. Und viele Hotels haben ebenfalls kleine Observatorien und bieten Astronomieexkursionen
an. So auch mein Hotel. Darum bin ich hier. Heute war die Tour ausgebucht, ich
hole das morgen nach. So konnte ich heute eigenständig den ersten Eindruck vom
Sternenhimmel bekommen. Ich liebe einfach Südsternhimmel. Sooooo viel Sterne
und endlich mal wieder die Milchstraße richtig gesehen. Wow. Ich versuchte mich
in Sternfotografie und war mit den ersten Ergebnissen ganz zufrieden. So ging
ich ins Bett, machte die Kuppel auf und schlief zufrieden ein.
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