Dienstag, 15. Januar 2019

10.01.19 Perito Moreno-El Chaltén



Vor dieser Etappe hatte ich schon bei der Planung ein wenig Bammel. Es kam hier die ungünstige Konstellation zusammen, dass viel schief gehen kann und auf dieser Etappe einfach nichts schiefgehen darf. Sonst steckt man tief in Problemen. Es ging von Perito Moreno nach El Chaltén. Eine Etappe von 570 km. Davon 72km auf Schotter. Es gab keine Wahl, man konnte die Etappe nicht kürzen und musste sie komplett an einem Tag schaffen, da es entweder gar keine Unterküfte gab oder die vorhandenen nicht einmal für eine Nacht würdig waren. Die Strecke führte über die RN40, welche auf argentinischer Seite entlang der Anden führt. Schon kurz hinter Perito Moreno zeigte sich, was mich an diesem Tag erwarten würde. Die Strecke führte hinaus in die patagonische Steppe welche sich auf argentinischer Seite befindet. Zuerst hatte sie ja noch einen gewissen Reiz. Führte sie in vielen Kurven durch Täler umgeben von Tafelbergen. Man fühlte sich wie im Gebiet des Grand Canyon. Doch nach einer Stunde Fahrtzeit zeigte sich das wahre Gesicht der Strecke. Es ging nur noch absolut flach geradeaus. Die Luft fing an zu flimmern und erzeugte Fata Morganas. Es war das was ich mit meinem Brachialspanisch als das „La Nada Grande“ bezeichnete. Das große weite Nichts. Wenn dir hier was passiert, merkt es keiner und es interessiert auch niemanden. Das sind die Momente, wo man anfängt genau auf die Geräusche im Auto zu hören.  Trotz der Einöde muss man konzentriert fahren. Zum einen bevölkern Guanacos (eine Lama Art) die Steppe und laufen auch gerne unvermittelt vors Auto. Dasselbe gilt auch für Nandus wie ich erfahren durfte, als einer unvermittelt vor mir auf der Strasse stand. Dazu wärmen sich Gürteltiere gerne auf dem Asphalt. Ich hatte wieder ein Erlebnis, wie in Namibia vor einigen Jahren (damals nur mit einer Schildkröte): „Oh, da ist ein Stein mitten auf der Straße. Sch….e, der Stein bewegt sich ja !!!!!!“  Gepanzerte Viecher scheinen auf Wildwechsel mit mir zu stehen. Nur die Gürteltiere nehmen mich auf den Arm, denn fotografieren lassen sie sich von mir nicht.
Die größte Gefahr stellt aber der Asphalt, bzw. die Schlaglöcher in selbigem dar. Ich habe noch nie derartige Schlaglöcher gesehen. Wenn man da mit seinem Auto reingerät, war es das. Dann kann man seinen Reifen oder gar die ganze Achse irgendwo in der Nähe des Erdkerns suchen gehen. Solche Löcher buddelt man noch nicht einmal auf Friedhöfen.
Was auf so einer Strecke ebenfalls stimmen muss, ist die Tanklogistik. Es gilt der Spruch: Die sinnloseste Tankstelle ist, die an der man ohne zu tanken vorbeigefahren ist. Dabei sah die erste Tanke gleich mal so aus, dass man kaum glauben konnte, dass aus der Zapfsäule noch irgendetwas rauskommen könnte.
Nach etwa 300 km dann die Schotterpiste. Die ersten 15-20km waren ganz ok, da es trocken war. Wenns regnet wäre es nicht so toll und PKWs wären im Schlamm verloren. Danach kamen etwa 30 km richtig tiefer Kies. Blöd zu fahren, da es auch keine eingefahrenen Fahrspuren gab. Nach 2 Stunden Fahrt waren die 72km geschafft. Ich war glücklich, denn dies dürfte die letzte Fernstrecke ohne Asphalt gewesen sein.
Nach etwa 8:30 Fahrtzeit traf ich am Abend in El Chaltén ein. Das FitzRoy Massiv, der Grund meines Besuches, war im Gegenlicht richtig mystisch in Wolken gehüllt. Meine Unterkunft war ein richtig tolles Apartement mit einer super Gastgeberin, welche mir die möglichen Aktivitäten für den nächsten Tag erklärte.

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