Vor dieser Etappe hatte ich schon bei der Planung ein wenig
Bammel. Es kam hier die ungünstige Konstellation zusammen, dass viel schief
gehen kann und auf dieser Etappe einfach nichts schiefgehen darf. Sonst steckt
man tief in Problemen. Es ging von Perito Moreno nach El Chaltén. Eine Etappe
von 570 km. Davon 72km auf Schotter. Es gab keine Wahl, man konnte die Etappe
nicht kürzen und musste sie komplett an einem Tag schaffen, da es entweder gar
keine Unterküfte gab oder die vorhandenen nicht einmal für eine Nacht würdig
waren. Die Strecke führte über die RN40, welche auf argentinischer Seite
entlang der Anden führt. Schon kurz hinter Perito Moreno zeigte sich, was mich
an diesem Tag erwarten würde. Die Strecke führte hinaus in die patagonische
Steppe welche sich auf argentinischer Seite befindet. Zuerst hatte sie ja noch
einen gewissen Reiz. Führte sie in vielen Kurven durch Täler umgeben von
Tafelbergen. Man fühlte sich wie im Gebiet des Grand Canyon. Doch nach einer
Stunde Fahrtzeit zeigte sich das wahre Gesicht der Strecke. Es ging nur noch
absolut flach geradeaus. Die Luft fing an zu flimmern und erzeugte Fata
Morganas. Es war das was ich mit meinem Brachialspanisch als das „La Nada
Grande“ bezeichnete. Das große weite Nichts. Wenn dir hier was passiert, merkt
es keiner und es interessiert auch niemanden. Das sind die Momente, wo man
anfängt genau auf die Geräusche im Auto zu hören. Trotz der Einöde muss man konzentriert
fahren. Zum einen bevölkern Guanacos (eine Lama Art) die Steppe und laufen auch
gerne unvermittelt vors Auto. Dasselbe gilt auch für Nandus wie ich erfahren
durfte, als einer unvermittelt vor mir auf der Strasse stand. Dazu wärmen sich
Gürteltiere gerne auf dem Asphalt. Ich hatte wieder ein Erlebnis, wie in
Namibia vor einigen Jahren (damals nur mit einer Schildkröte): „Oh, da ist ein
Stein mitten auf der Straße. Sch….e, der Stein bewegt sich ja !!!!!!“ Gepanzerte Viecher scheinen auf Wildwechsel
mit mir zu stehen. Nur die Gürteltiere nehmen mich auf den Arm, denn
fotografieren lassen sie sich von mir nicht.
Die größte Gefahr stellt aber der Asphalt, bzw. die
Schlaglöcher in selbigem dar. Ich habe noch nie derartige Schlaglöcher gesehen.
Wenn man da mit seinem Auto reingerät, war es das. Dann kann man seinen Reifen
oder gar die ganze Achse irgendwo in der Nähe des Erdkerns suchen gehen. Solche
Löcher buddelt man noch nicht einmal auf Friedhöfen.
Was auf so einer Strecke ebenfalls stimmen muss, ist die
Tanklogistik. Es gilt der Spruch: Die sinnloseste Tankstelle ist, die an der
man ohne zu tanken vorbeigefahren ist. Dabei sah die erste Tanke gleich mal so
aus, dass man kaum glauben konnte, dass aus der Zapfsäule noch irgendetwas
rauskommen könnte.
Nach etwa 300 km dann die Schotterpiste. Die ersten 15-20km
waren ganz ok, da es trocken war. Wenns regnet wäre es nicht so toll und PKWs
wären im Schlamm verloren. Danach kamen etwa 30 km richtig tiefer Kies. Blöd zu
fahren, da es auch keine eingefahrenen Fahrspuren gab. Nach 2 Stunden Fahrt
waren die 72km geschafft. Ich war glücklich, denn dies dürfte die letzte
Fernstrecke ohne Asphalt gewesen sein.
Nach etwa 8:30 Fahrtzeit traf ich am Abend in El Chaltén
ein. Das FitzRoy Massiv, der Grund meines Besuches, war im Gegenlicht richtig
mystisch in Wolken gehüllt. Meine Unterkunft war ein richtig tolles Apartement
mit einer super Gastgeberin, welche mir die möglichen Aktivitäten für den
nächsten Tag erklärte.
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