Freitag, 11. Januar 2019

07.01.19 Puyuhuapi – Lago Monreal



Es hatte sich im Wetterbericht angekündigt und diesmal stimmte es leider. Der heutige Tag sollte komplett ins Wasser fallen. Und das richtig. Es war die Monatsmenge eines typisch deutschen Monats für einen einzigen Tag angekündigt und genau das ist auch heute heruntergekommen. Wohlgemerkt nicht als Unwetter sondern als ganz normaler patagonischer Landregen.
Als ich am morgen in Puyuhuapi losfuhr, begleiteten mich nur ein paar Schauer. Doch auf meinem Weg nach Süden wurde nicht nur das Wetter, sondern auch die Straße schlechter.  Die Carretera Austral führte in die Berge. Es machte inzwischen nichts mehr aus, daß ich am geplanten Stop im Nationalpark um einen Gletscher anzuschauen, stumpf dran vorbeigefahren bin. Die Wolken hingen inzwischen so tief, dass ich diesen sowieso nicht gesehen hätte. In den Bergen entwickelte sich die Carretera zur absoluten Schlaglochpiste. Irgendwann hörten die Schlaglöcher auf, dafür ging es auf Schotter steil nach oben. Das erste Mal war ich froh einen 4x4 zu fahren. So kam ich problemlos und sicher voran. Von den Bergen rechts und links fielen überall die Wasserfälle ins Tal. An den Berghängen wechselten sich riesige Farne mit unglaublich großen Nalcas ab. Das ist eine Art chilenischer Riesenrhabarber. Kann mehr als Mannshoch werden und wird ähnlich wie europäischer Rhabarber verwendet. Muss hier nur niemand anpflanzen. Wächst in rauhen Mengen überall an der Straße und den Berghängen. Aber in den Restaurants ist der hier komischerweise nicht zu bekommen. Nicht mal als Saft. Dabei pressen die Chilenen nahezu alles aus und bieten es als „Jugo natural“ an.
Im weiteren Verlauf entwickelte sich der Tag dann zu einem reinen Fahrtag, der sich dank einger Baustellen länger zog als geplant. Am Abend kam ich dann an meinem geplanten Ziel an. Der Lodge de la Montaña Monreal. Wunderschön an einem See gelegen. Mal wieder mitten im Nichts. Inhaber Luis begrüßte mich und ich erfuhr, heute der einzige Gast zu sein. Ich hatte das ganze Gästehaus für mich. Er machte mir dann noch ein schönes leckeres Abendessen und warf den Kamin an. Dies war auch bitter nötig, denn hier weht schon ein recht polarer Wind um die Ecke. Die Temperatur ist nur noch knapp über dem Gefrierpunkt und als sich gerade die letzten Regenwolken verzogen, wurde klar, dass die Schneefallgrenze in den umliegenden Bergen keine hundert Meter höher mehr liegt. Nun kommt die chilenische Bauweise voll als Nachteil zum Tragen. Isolierung kennen die nicht und dichte Fenster und Türen ebenso wenig. Bei arktischen Wind pfeift es an allen Ecken. Und der Holzkamin schafft es gerade den Sessel direkt davor, in dem ich gerade sitze zu wärmen. Da muss es wohl die Decke richten. Nehmen wir es als polares Training für die Kreuzfahrt.
Da dachte ich bei Ankunft arrogant, sehr einsam hier, aber immerhin gibt´s Strom. Denkste ! Als Luis sich nach dem Essen verabschiedete schaltete er den Generator ein, dann gingen auch die Lampen an. Danach drückte er mir eine Stirnlampe in die Hand, falls ich nachts auf die Toilette müsste, denn irgendwann in der Nacht geht dem Generator ja der Sprit aus ………. Willkomen im chilenischen Nirgendwo. Ich habe es mir ja ausgesucht und kann immerhin die Einsamkeit jetzt auch genießen. Und damit eine schöne Nacht.

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