Es hatte sich im Wetterbericht angekündigt und diesmal
stimmte es leider. Der heutige Tag sollte komplett ins Wasser fallen. Und das
richtig. Es war die Monatsmenge eines typisch deutschen Monats für einen
einzigen Tag angekündigt und genau das ist auch heute heruntergekommen.
Wohlgemerkt nicht als Unwetter sondern als ganz normaler patagonischer
Landregen.
Als ich am morgen in Puyuhuapi losfuhr, begleiteten mich nur
ein paar Schauer. Doch auf meinem Weg nach Süden wurde nicht nur das Wetter,
sondern auch die Straße schlechter. Die
Carretera Austral führte in die Berge. Es machte inzwischen nichts mehr aus,
daß ich am geplanten Stop im Nationalpark um einen Gletscher anzuschauen,
stumpf dran vorbeigefahren bin. Die Wolken hingen inzwischen so tief, dass ich
diesen sowieso nicht gesehen hätte. In den Bergen entwickelte sich die
Carretera zur absoluten Schlaglochpiste. Irgendwann hörten die Schlaglöcher
auf, dafür ging es auf Schotter steil nach oben. Das erste Mal war ich froh
einen 4x4 zu fahren. So kam ich problemlos und sicher voran. Von den Bergen
rechts und links fielen überall die Wasserfälle ins Tal. An den Berghängen
wechselten sich riesige Farne mit unglaublich großen Nalcas ab. Das ist eine
Art chilenischer Riesenrhabarber. Kann mehr als Mannshoch werden und wird
ähnlich wie europäischer Rhabarber verwendet. Muss hier nur niemand anpflanzen.
Wächst in rauhen Mengen überall an der Straße und den Berghängen. Aber in den
Restaurants ist der hier komischerweise nicht zu bekommen. Nicht mal als Saft.
Dabei pressen die Chilenen nahezu alles aus und bieten es als „Jugo natural“
an.
Im weiteren Verlauf entwickelte sich der Tag dann zu einem
reinen Fahrtag, der sich dank einger Baustellen länger zog als geplant. Am
Abend kam ich dann an meinem geplanten Ziel an. Der Lodge de la Montaña
Monreal. Wunderschön an einem See gelegen. Mal wieder mitten im Nichts. Inhaber
Luis begrüßte mich und ich erfuhr, heute der einzige Gast zu sein. Ich hatte
das ganze Gästehaus für mich. Er machte mir dann noch ein schönes leckeres
Abendessen und warf den Kamin an. Dies war auch bitter nötig, denn hier weht
schon ein recht polarer Wind um die Ecke. Die Temperatur ist nur noch knapp
über dem Gefrierpunkt und als sich gerade die letzten Regenwolken verzogen,
wurde klar, dass die Schneefallgrenze in den umliegenden Bergen keine hundert
Meter höher mehr liegt. Nun kommt die chilenische Bauweise voll als Nachteil
zum Tragen. Isolierung kennen die nicht und dichte Fenster und Türen ebenso
wenig. Bei arktischen Wind pfeift es an allen Ecken. Und der Holzkamin schafft
es gerade den Sessel direkt davor, in dem ich gerade sitze zu wärmen. Da muss
es wohl die Decke richten. Nehmen wir es als polares Training für die
Kreuzfahrt.
Da dachte ich bei Ankunft arrogant, sehr einsam hier, aber
immerhin gibt´s Strom. Denkste ! Als Luis sich nach dem Essen verabschiedete
schaltete er den Generator ein, dann gingen auch die Lampen an. Danach drückte
er mir eine Stirnlampe in die Hand, falls ich nachts auf die Toilette müsste,
denn irgendwann in der Nacht geht dem Generator ja der Sprit aus ………. Willkomen
im chilenischen Nirgendwo. Ich habe es mir ja ausgesucht und kann immerhin die
Einsamkeit jetzt auch genießen. Und damit eine schöne Nacht.
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