Zum Aufstehen erwartete mich typisches Chiloé Wetter. Alle 5
Minuten was Anderes. Im Laufer des Tages besserte sich dieses aber. Nach einem
Frühstück zu dem, wie in diesen Gegenden üblich auch Kuchen gereicht wird, der
übrigends hier in der Regel hausgemacht ist (und daher meist sehr lecker) und
dazu auch „Kuchen“ heißt. Das liegt an den deutschen Einwanderern, die diese
Tradition hierher gebracht haben. Darum wird der Kuchen, der nicht hausgemacht
ist, auch in einem „Kuchenladen“ gekauft. Die heißen hier wirklich so. In
manchen Reiseführern wird auch das hiesige Brot gerühmt. Das kann ich bisher
nicht nachvollziehen. Nur wenn es auch hausgemacht ist, entspricht es dem, was
wir Deutschen unter Brot verstehen.
Es ging auf die Reise zum Südende der Insel. Der Morgen
bestand aus einem Besichtigungsprogramm der Kirchen von Chiloé. Wie bereits
früher erwähnt. Habe ich mit der Kirche nichts zu tun. Aber Kirchen als
Bauwerke faszinieren mich schon und werden, wann immer möglich besichtigt. Die
Kirchen von Chiloé sind besonders faszinierend, denn sie sind wie alle anderen
Bauwerke der Insel auch komplett aus Holz gebaut. Und dabei sehen sie unseren bekannten
Kirchen aus Stein in Form und Größe sehr
ähnlich. Die Chiloten haben in den Kirchen sogar die Säulen aus Holz
nachgebaut. Und nicht, in diese gefräst wurden. Die Säulen bestehen
weitestgehend aus Brettern. Die Kirchen der Insel, es sollen insgesamt etwa 150
sein sind von der Bauart weitgehend gleich. Unterscheiden sich aber in Farbe
und Größe und im Aufwand des Innenausbaus. 16 dieser Kirchen wurden von der Unesco
als Weltkulturerbe anerkannt. 7 davon habe ich heute besichtigt. Die meisten
davon tragen ihren Unesco Titel zurecht. Insbesondere die Kirche von Castro.
Von außen wirkt sie nicht sonderlich spektkulär. Das ändert sich aber, wenn man
die Kirche betritt. Was die Schreiner hier bewerkstelligt haben, lässt einen
nur mit offenen Mund staunend hier stehen. Und auch hier wurde nur sehr sparsam
gefräst. Das meiste ist aus Brettern gebaut.
Der Nachmittag gehörte dem Nationalpark von Chiloé. Hier
kann man einen (für Wanderanfänger wie mich) sehr angenehmen Rundgang von etwa
7km machen, in dem man sich die typische Waldvegetation der Gegend anschauen
kann. Die ist entweder sehr sumpfig. Hier wurden in die Sümpfe Stege
hineingebaut, damit die Gebiete ohne Schaden betreten werden können. Oder es
geht im hinteren Teil in eine Art Regenwald. Sehr dicht und sehr feucht. Mit
vielen Moosen und Farnen bewachsen. Diese Art von Wäldern mit einem der
Hausbäume Chiles, der Alerce (eine Art Verwandter des Kalifornischen Mammutbaums)
ist auch in Nordpatagonien häufig anzutreffen. Die Alerce wurde in der
Vergangenheit überholzt. Daher wird sie in vielen Reservaten nun geschützt,
denn ihr Wachstum geschieht sehr langsam.
Am Abend traf ich in Quellón ein, wo ich mal wieder mit einem
(Vor-)Urteil über chilenische Hafenstädte konfrontiert wurde. So sprang mir am
Ortseingang gleich fast ein besoffener Hafenarbeiter mit Flasche in der Hand
vor das Auto. Er war auch mit reichlich Suffkumpels im Stadtbild gesegnet. Bei
der Tristesse, die diese Stadt zu bieten hat, fällt es mir schwer zu solchen
Lebenswandeln abwertende Urteile zu fällen. Nachdem ich ohne weitere Suffopfer
zu überfahren in der Stadt angekommen war, stürmte ich erst einmal direkt in
das Büro von Naviera Austral , um meine Buchung für die Fähre am nächsten Tag
abzuklären. Ich hatte zwar reserviert, konnte aber kein Ticket ausdrucken. Dies
haben die Damen am Schalter dann dankend nachgeholt. Wieder eine Sorge weniger.
Diese Fähre fährt nur zweimal pro Woche. Es wartete eine kurze Nacht im
hafennahen Hostal auf mich.
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