Man mag es kaum glauben, aber heute stand schon meine letzte
Etappe in Patagonien an.
Zuerst wollte mein großer Zeh partout nicht unter der
Bettdecke hervor. In der Wohnung waren ganze 2 Grad ! Es war allen Ernstes
drinnen kälter als draußen. Ich weiß echt nicht, wie die Chilenen das machen
und vor allem, wie die das Tag für Tag aushalten. Man muss sich ja vorstellen,
dass gerade Hochsommer ist. Wie machen die das im Winter ? Also schnell raus
(und dabei aufwärmen,, haha) und Holz holen für den Ofen. Und dann ordentlich
Zunder geben. Ich will den Ofen ja nicht erst gegen Mittag warm haben.
Nach einem ruhigen und gemütlichen Frühstück packte ich
meine Sachen und machte mich auf den Weg. Heute besichtigte ich die Cueva del
Milodón. Hier wurden in einer Höhle vor Jahrzenten von einem deutschen
Einwanderer Reste eines Tieres gefunden, dass vor etwa 10000 -15000 Jahren hier
lebte. Das Milodón. Eine Art Riesenfaultier. Etwa 4 Meter groß. Die Höhle ist
ziemlich imposant von der Größe. Das war es dann aber auch. Und entgegen aller
Behauptungen auf Facebook wurde ich von dem Tier nicht gefressen. Wie auch, ist
ja a) schon längst tot und b) Pflanzenfresser. Und dass ich ach all dem
Rindfleischkonsum der letzten Wochen eine vegetarische Mahlzeit wäre, möchte
ich energisch bestreiten.
Danach nochmal zurück nach Puerto Natales und ausruhen an
der Promenade zur Bucht. Danach gig auf die letzte Etappe nach Punta Arenas.
Kurz hinter Puerto Natales änderte sich die Landschaft. Zuerst erschienen
Wälder aus halbverdorrten Bäumen. Verdorrte Moose, die durch den permanenten
Wind fast waagerecht abstanden, verliehen den Wäldern das Aussehen eines
Geisterwaldes als wären sie aus „Herr der Ringe“ entsprungen. Danach wandelte
sich die Landschaft wieder und ich endgültig in der subpolaren Steppe
angekommen. Keine Bäume mehr. Nur noch Gräser und bestenfalls kleine Büsche, so
weit das Auge reicht. Und das Auge reichte seeeeeehr weit. Über diese
barrierefreie Landschaft kann dann der patagonische Wind vollkommen ungehindert
in voller Stärke drüber pfeifen. Auch hier Frage ich mich, wie die Chilenen und
Argentinier das aushalten. Seit Mitte der Carretera Austral, also in etwa die
letzten 2000-2500 km ist der Wind nur noch am wehen. Den ganzen Tag und meist
mit voller Stärke. Mittel Stärke 5, Böen 8-10. Jeden Tag. Und das ist hier
immer so. Ich bin ja als norddeutscher Jung nun wirklich Wind gewohnt. Aber das
war dann auch mir zuviel. Dann kam ich in diesem windumtosten Nichts an einem
See vorbei. Und dort fand ich neben Enten und Gänsen, Flamingos! Ich hätte
Flamingos ja wirklich überall erwartet aber nicht hier unten in der Kälte. Ob
die Kumpels sich das gut überlegt hatten? Auf jeden Fall standen sie bei dem
Wind auf zwei Beinen. Besser ist das!
Und was soll ich sagen, in Punta Arenas angekommen, checkte
ich im Best Western Hotel ein. Meinem ersten beheizten Hotel in Chile! (und
meinem zweiten beheizten Hotel auf der ganzen Reise) Hier lernt man wirklich,
gewisse Standards wieder wertzuschätzen.
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