Donnerstag, 17. Januar 2019

16.01.19 Puerto Natales – Punta Arenas



Man mag es kaum glauben, aber heute stand schon meine letzte Etappe in Patagonien an.
Zuerst wollte mein großer Zeh partout nicht unter der Bettdecke hervor. In der Wohnung waren ganze 2 Grad ! Es war allen Ernstes drinnen kälter als draußen. Ich weiß echt nicht, wie die Chilenen das machen und vor allem, wie die das Tag für Tag aushalten. Man muss sich ja vorstellen, dass gerade Hochsommer ist. Wie machen die das im Winter ? Also schnell raus (und dabei aufwärmen,, haha) und Holz holen für den Ofen. Und dann ordentlich Zunder geben. Ich will den Ofen ja nicht erst gegen Mittag warm haben.
Nach einem ruhigen und gemütlichen Frühstück packte ich meine Sachen und machte mich auf den Weg. Heute besichtigte ich die Cueva del Milodón. Hier wurden in einer Höhle vor Jahrzenten von einem deutschen Einwanderer Reste eines Tieres gefunden, dass vor etwa 10000 -15000 Jahren hier lebte. Das Milodón. Eine Art Riesenfaultier. Etwa 4 Meter groß. Die Höhle ist ziemlich imposant von der Größe. Das war es dann aber auch. Und entgegen aller Behauptungen auf Facebook wurde ich von dem Tier nicht gefressen. Wie auch, ist ja a) schon längst tot und b) Pflanzenfresser. Und dass ich ach all dem Rindfleischkonsum der letzten Wochen eine vegetarische Mahlzeit wäre, möchte ich energisch bestreiten.
Danach nochmal zurück nach Puerto Natales und ausruhen an der Promenade zur Bucht. Danach gig auf die letzte Etappe nach Punta Arenas. Kurz hinter Puerto Natales änderte sich die Landschaft. Zuerst erschienen Wälder aus halbverdorrten Bäumen. Verdorrte Moose, die durch den permanenten Wind fast waagerecht abstanden, verliehen den Wäldern das Aussehen eines Geisterwaldes als wären sie aus „Herr der Ringe“ entsprungen. Danach wandelte sich die Landschaft wieder und ich endgültig in der subpolaren Steppe angekommen. Keine Bäume mehr. Nur noch Gräser und bestenfalls kleine Büsche, so weit das Auge reicht. Und das Auge reichte seeeeeehr weit. Über diese barrierefreie Landschaft kann dann der patagonische Wind vollkommen ungehindert in voller Stärke drüber pfeifen. Auch hier Frage ich mich, wie die Chilenen und Argentinier das aushalten. Seit Mitte der Carretera Austral, also in etwa die letzten 2000-2500 km ist der Wind nur noch am wehen. Den ganzen Tag und meist mit voller Stärke. Mittel Stärke 5, Böen 8-10. Jeden Tag. Und das ist hier immer so. Ich bin ja als norddeutscher Jung nun wirklich Wind gewohnt. Aber das war dann auch mir zuviel. Dann kam ich in diesem windumtosten Nichts an einem See vorbei. Und dort fand ich neben Enten und Gänsen, Flamingos! Ich hätte Flamingos ja wirklich überall erwartet aber nicht hier unten in der Kälte. Ob die Kumpels sich das gut überlegt hatten? Auf jeden Fall standen sie bei dem Wind auf zwei Beinen. Besser ist das!
Und was soll ich sagen, in Punta Arenas angekommen, checkte ich im Best Western Hotel ein. Meinem ersten beheizten Hotel in Chile! (und meinem zweiten beheizten Hotel auf der ganzen Reise) Hier lernt man wirklich, gewisse Standards wieder wertzuschätzen.

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