Hier muss man erst einmal mit einer Verwechslungsmöglichkeit
aufräumen. Heute habe ich mir den Perito Moreno Gletscher angeschaut. Vor 2
Tagen war ich in Perito Moreno Stadt etwa 650 km nördlich. Daher bitte nicht
verwechseln.
Der Perito Moreno war von Anfang an ein Ziel in den
Reiseplanungen zu meiner Südamerika Reise. Er gehört zum Patagonischen Eisfeld,
welches das drittgrößte Eisfeld der Welt nach der Antarktis und Grönland ist.
In ihm befinden sich etwa 100 größere und eine Vielzahl an kleineren
Gletschern. Der Perito Moreno ist von des Gletschern Patagoniens der
Drittgrößte und der mit der höchsten Fließgeschwindigkeit. Das macht ihn auch
so speziell. Er mündet in einen Süßwassersee. Einem Nebenarm, den Canal del
Tempán, des Lago Argentino. Und weil er sein eigenes Schmelzwasser als Rutsche
den Berg hinunter gebraucht, ist er so schnell. Der Gletscher gewegt sich mit
1,5 bis 2,5 Meter pro Tag vorwärts. Dabei schiebt sich das Eis auf den See.
Durch die hohe Fließgeschwindigkeit kalbt der Gletscher fast täglich Eismassen
in den See, wodurch auf diesem ständig Eisberge schwimmen. Dies ist für
Süßwasserseen eher selten bekannt. Dazu macht der Gletscher ständig knackende
und grollende Geräusche. Da der kalbende Teil des Gletschers auf Seehöhe ist,
ist der Perito Moreno sehr leicht zu erreichen, was ihn zu einem bekannten und
frequentierten Touristenziel macht. Ganz El Calafate lebt davon.
Von El Calafate sind es nochmal fast 80km Fahrt bis zum
Gletscher. Etwa 20km vorher beginnt der Nationalpark. Hier beeindruckte mich
wieder mal ein Beispiel südamerikanischer Effizienz. In der ganzen Welt stehen
an Nationalparkeingängen kleine oder auch große Kassenhäuschen wo jemand
drinsitzt und kassiert und ggfs. Infobroschüren verteilt. Nicht so hier. Hier
hat man sich das Kassenhäuschen gespart. So weit, so gut. Dafür stehen an der
Einfahrt nun 5-6 Mitarbeiter, die die Anreisenden nach Ihren Wünschen fragen,
dann in das Hauptgebäude rennen, die Eintrittskarte ausstellen und dann mit
dieser Karte und einer Mülltüte (damit man seinen Müll wieder mitnimmt, die
Idee finde ich gar nicht mal so blöd) wieder zurücklaufen. Und so geht das mit
jedem Auto. Auf die Idee, einen Arbeitsprozess so zu gestalten und auch noch
beizubehalten, muss man erst einmal kommen. Ich konnt´s nicht fassen.
Ich wollte den Gletscher heute unbedingt sehen, was mir
schon mal vom ersten Mirador gelang. In Natura noch viel beeindruckender als
auf den bisher gesehenen Fotos und Videos. Aber ich wollte auch die
Gletscherkante vom Schiff sehen und einen Gletscherspaziergang machen. Im
ersten von zwei Häfen fragte ich nach einer Möglichkeit. Ich war im Vorfeld
nicht dazu gekommen, zu buchen. Es gab noch einen Platz für einen Minihike
(etwa 1,5 Stunden). Super, merh als 1 Platz brauche ich ja nicht. Abfahrt 1
Stunde später. Super.
So ging es kurze Zeit später auf das Boot auf die andere
Seeseite direkt neben den Gletscher. Von dort gab es erst einmal einen
ordentlichen Spaziergang bergauf. Da pustete ich schon. Dann erhielten wir
unsere Steigeisen und wurden in deren Anwendung eingewiesen. Kurz gesagt: Gehen
wie die Pinguine. Gesagt, getan. Ungewöhlicher Gang und weitere Anstiege
führten zu weiterem Klingeln in den Lungenbläschen. Aber irgendwann ist man ja
dann doch oben. Oben bedeutet bei diesem Gletscher zwischen 60 und 70 meter. So
hoch ist die Gletscherkannte über Grund. Wir waren nicht ganz oben. Auf den
Spitzen wird es dann doch etwas gefährlich. Aber etwa 40-50 Meter waren es dann
doch. Zwischendurch gab es immer wieder kurze Pausen, wo uns spezielle
Phänomene auf den Gletscher erklärt wurden und wie diese zustande gekommen
sind. So langsam kam ich wieder zu Luft ging es doch nur noch leicht rauf und
runter. Und an die Technik mit den Steigeisen hatte ich mich auch langsam
gewöhnt. Um den Preis eines Lochs in meiner guten Outdoorhose. Irgendwann ging
es dann wieder bergab und wir wurden dann
in einer improvisierten Gletscherbar zu einem Whisky mit Gletschereis
und einem Stück Schokolade eingeladen. Danach entledigten wir uns der
Steigeisen und gingen zurück zum Schiff, welches uns zur anderen Seeseite
zurück brachte. Genau so hatte ich mir diesen Tag gewünscht. Und so ist er
geworden. Ich war stolz auf mich. Noch vor einem Jahr hätte ich diese Tour
gesundheitlich nie überstanden. Nun war es anstrengend aber machbar. Und ich
konnte sagen: Yes, i did it !!!!!!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen