Dienstag, 15. Januar 2019

12.01.19 Perito Moreno (Gletscher)



Hier muss man erst einmal mit einer Verwechslungsmöglichkeit aufräumen. Heute habe ich mir den Perito Moreno Gletscher angeschaut. Vor 2 Tagen war ich in Perito Moreno Stadt etwa 650 km nördlich. Daher bitte nicht verwechseln.
Der Perito Moreno war von Anfang an ein Ziel in den Reiseplanungen zu meiner Südamerika Reise. Er gehört zum Patagonischen Eisfeld, welches das drittgrößte Eisfeld der Welt nach der Antarktis und Grönland ist. In ihm befinden sich etwa 100 größere und eine Vielzahl an kleineren Gletschern. Der Perito Moreno ist von des Gletschern Patagoniens der Drittgrößte und der mit der höchsten Fließgeschwindigkeit. Das macht ihn auch so speziell. Er mündet in einen Süßwassersee. Einem Nebenarm, den Canal del Tempán, des Lago Argentino. Und weil er sein eigenes Schmelzwasser als Rutsche den Berg hinunter gebraucht, ist er so schnell. Der Gletscher gewegt sich mit 1,5 bis 2,5 Meter pro Tag vorwärts. Dabei schiebt sich das Eis auf den See. Durch die hohe Fließgeschwindigkeit kalbt der Gletscher fast täglich Eismassen in den See, wodurch auf diesem ständig Eisberge schwimmen. Dies ist für Süßwasserseen eher selten bekannt. Dazu macht der Gletscher ständig knackende und grollende Geräusche. Da der kalbende Teil des Gletschers auf Seehöhe ist, ist der Perito Moreno sehr leicht zu erreichen, was ihn zu einem bekannten und frequentierten Touristenziel macht. Ganz El Calafate lebt davon.
Von El Calafate sind es nochmal fast 80km Fahrt bis zum Gletscher. Etwa 20km vorher beginnt der Nationalpark. Hier beeindruckte mich wieder mal ein Beispiel südamerikanischer Effizienz. In der ganzen Welt stehen an Nationalparkeingängen kleine oder auch große Kassenhäuschen wo jemand drinsitzt und kassiert und ggfs. Infobroschüren verteilt. Nicht so hier. Hier hat man sich das Kassenhäuschen gespart. So weit, so gut. Dafür stehen an der Einfahrt nun 5-6 Mitarbeiter, die die Anreisenden nach Ihren Wünschen fragen, dann in das Hauptgebäude rennen, die Eintrittskarte ausstellen und dann mit dieser Karte und einer Mülltüte (damit man seinen Müll wieder mitnimmt, die Idee finde ich gar nicht mal so blöd) wieder zurücklaufen. Und so geht das mit jedem Auto. Auf die Idee, einen Arbeitsprozess so zu gestalten und auch noch beizubehalten, muss man erst einmal kommen. Ich konnt´s nicht fassen.
Ich wollte den Gletscher heute unbedingt sehen, was mir schon mal vom ersten Mirador gelang. In Natura noch viel beeindruckender als auf den bisher gesehenen Fotos und Videos. Aber ich wollte auch die Gletscherkante vom Schiff sehen und einen Gletscherspaziergang machen. Im ersten von zwei Häfen fragte ich nach einer Möglichkeit. Ich war im Vorfeld nicht dazu gekommen, zu buchen. Es gab noch einen Platz für einen Minihike (etwa 1,5 Stunden). Super, merh als 1 Platz brauche ich ja nicht. Abfahrt 1 Stunde später. Super.
So ging es kurze Zeit später auf das Boot auf die andere Seeseite direkt neben den Gletscher. Von dort gab es erst einmal einen ordentlichen Spaziergang bergauf. Da pustete ich schon. Dann erhielten wir unsere Steigeisen und wurden in deren Anwendung eingewiesen. Kurz gesagt: Gehen wie die Pinguine. Gesagt, getan. Ungewöhlicher Gang und weitere Anstiege führten zu weiterem Klingeln in den Lungenbläschen. Aber irgendwann ist man ja dann doch oben. Oben bedeutet bei diesem Gletscher zwischen 60 und 70 meter. So hoch ist die Gletscherkannte über Grund. Wir waren nicht ganz oben. Auf den Spitzen wird es dann doch etwas gefährlich. Aber etwa 40-50 Meter waren es dann doch. Zwischendurch gab es immer wieder kurze Pausen, wo uns spezielle Phänomene auf den Gletscher erklärt wurden und wie diese zustande gekommen sind. So langsam kam ich wieder zu Luft ging es doch nur noch leicht rauf und runter. Und an die Technik mit den Steigeisen hatte ich mich auch langsam gewöhnt. Um den Preis eines Lochs in meiner guten Outdoorhose. Irgendwann ging es dann wieder bergab und wir wurden dann  in einer improvisierten Gletscherbar zu einem Whisky mit Gletschereis und einem Stück Schokolade eingeladen. Danach entledigten wir uns der Steigeisen und gingen zurück zum Schiff, welches uns zur anderen Seeseite zurück brachte. Genau so hatte ich mir diesen Tag gewünscht. Und so ist er geworden. Ich war stolz auf mich. Noch vor einem Jahr hätte ich diese Tour gesundheitlich nie überstanden. Nun war es anstrengend aber machbar. Und ich konnte sagen: Yes, i did it !!!!!!

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