Freitag, 11. Januar 2019

09.01.19 Puerto Guadal – Perito Moreno (Stadt)



Bei der Reiseplanung hatte ich vom heutigen nicht wirklich eine große Erwartungshaltung. Es war eine Etappe, die man halt machen musste, denn Sie lag auf dem Weg. Große Attraktionen versprach sie aber nicht. Nach einem gemütlichen Frühstück in internationaler geselliger Runde und entsprechendem Babylonischen Sprachgewirr machte ich auf den Weg auf die relativ kurze Etappe von etwa 150 km. Ich hatte das Teilstück bewusst kurz gehalten, da ich nicht wusste, wie lange die Grenzabfertigung nach Argentinien dauern würde. Nach den letzten beiden Tagen mit bescheidenem Wetter, präsentierte sich dieser Tag recht freundlich. Die Sonne schien von einem leicht bewölkten Himmel und gab wieder den Blick auf die beeindruckende Bergwelt wieder frei. Dazu waren die Temperaturen nicht mehr im polaren Bereich.
Ich verließ meine Unterkunft und nach wenigen Kilometern war meine Reise auf der Carretera Austral vorbei. Ich bog ab auf die CH-265 zum Grenzort Chile Chico. Und prompt fuhr ich auf einer der besten Schotterpisten, die ich in Chile bisher hatte. Das Fahren machte endlich wieder Spaß. Die Straße führte entlang am „Lago General Carrera“. Dieser See ist einfach nur irrsinnig riesig. Er geht auch über die Grenze nach Argentinien hinaus. Dort heißt der See dann „Lago Buenos Aires“. Warum auch immer. Denn die bekannte Stadt ist ja nun diverse tausend Kilometer entfernt. Dieser See ist eigentlich eher ein Binnenmeer. Er ist nach dem Titicacasee der zweitgrößte See Südamerikas. Würde man in nach Deutschland packen, wäre seine Ausdehnung von Frankfurt bis nach Nürnberg. Da wird der Bodensee zur Pfütze. Auf chilenischer Seite erwartete mich eine faszinierende Aneinanderreihung von Bergpanoramen unvorstellbarer Größe. Etwas Schönes hatte das Mistwetter der vergangenen Tage: Alle Berge waren auf den Spitzen mit frischen neuem Schnee gezuckert worden. Dies ließ sie im Sonnenschein noch prachtvoller erscheinen. Es ergab sich ein tolles Farbspiel mit dem See im Vordergrund, dem weißblauen Himmel und schneebedeckten Bergen. Die Chipkarte der Kamera wurde mit einem Postkartenmotiv nach dem anderen versorgt. Je näher ich der Grenze kam, änderte sich die Landschaft. Der alpine Charakter verschwand. Man fühlte sich eher an die Wüstengebiete am Grand Canyon versetzt. Dabei passte das klimatisch überhaupt nicht, herrschen in diesem Gebiet doch Temperaturen von maximal 20 Grad. Durch die vielen Stops um die tollen Ausblicke zu genießen, zog sich die Reise doch ganz schön hin. Erst am Nachmittag erreichte ich den Grenzort Chile Chico. Von dessen Erscheinungsbild war ich doch sehr überrascht. War es doch von Architektur und Sauberkeit der aufgeräumteste und ansehnlichste Ort der mir in Chile bisher so untergekommen ist. Hätte ich in dieser Gegend absolut nicht erwartet. Ich fuhr weiter an die Grenze und mal wieder gewann Chile die Schlacht um das pompöseste Grenzgebäude mit dem Nachbarn. Bei der Abfertigung bracht mich der Zöllner ins Schwitzen, weil er ein Papier verlangte, das ich nicht kannte und beim vorherigen Grenzübertritt in Futaleufú nicht benötigte. Es stellte sich dann  heraus, dass die chilenische Version des Fahrzeugscheins war, welcher im Handschuhfach lag. 30 Minuten und unzählige Stempel später (wenn die hier an der Grenze eines können, dann ist es Stempeln) war ich im argentinischen Grenzort Los Antiguos angekommen. Dort fand ein großes Straßenfest statt. Ich überlegte, nach einchecken in meiner Unterkunft hierher zurückzukehren. Nach weiteren 25 km erreichte ich die „Estancia Turistica la Serena“. Eine einfache Farm auf der ein halbes Dutzend Fremdenzimmer angeboten werden. Ich wurde gleich gefragt, ob ich auch zu Abend essen möchte und bei der Aussicht auf hausgemachte Küche sagte ich gerne zu. Das Stadtfest fiel somit aus. Bis zum Essen verbrachte ich den Rest des Abends am Ufer des Lago Buenos Aires an dem die Estancia lag.
Das Essen war rustikal aber sehr lecker gekocht. Es bestand aus einer Gemüsesuppe als Vorspeise, kurzgebratenem Lamm mit Kartoffelpüree und als Nachspeise eine Art Griespudding/-eis mit hausgemachten Karamel. Dazu wurde eine Flasche guter argentinischer Wein gereicht. Ups, die Flasche war am Ende leer und ich war heilfroh, den Gastraum geradeaus verlassen zu können, denn ich hatte einen ziemlichen Pegel. Mit nichts kann man mich leichter abfüllen als mit Wein. Daher war ich froh, dass ich den Bericht gestern nicht mehr schreiben musste. Ich hatte ja eh kein Internet zum Hochladen. Ich hätte auch den größten Blödsinn auf Erden zusammengeschrieben in meinem Zustand. So ging ich glücklich und zufrieden ins Bett.

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