Mein letzter Tag in Futaleufú stand auf dem Plan. Nach dem
Aufstehen begrüßte mich Kaiserwetter. Dies war auch insofern erfreulich, dass
heute der eigentliche Grund für den Besuch dieses wunderschönen Fleckchens Erde
anstand, Futaleufú ist ein sehr populäres Kajak- und Rafting Revier. Wann immer
man her durch die Gegend fährt trifft man auf Jeeps mit Kajaks auf dem Dach
oder Rafting Boote auf dem Anhänger. Dabei gelten die Reviere auf dem River
Futaleufú nicht nur als besonders schön, sondern auch mit Stromschnellen der
Kategorie 5 auch recht anspruchsvoll. Trotzdem ist der Fluss nicht als
gefährlich bekannt.
Ich hatte mich für das Rafting entschieden. Wollte ich immer
schon mal machen und heute war der Tag der Tage. Gefahren wird hier ein
Abschnitt zwischen zwei Brücken mit insgesamt 12 Stromschnellen der Kategorien
3 bis 5 (Kategorie 1 ist die schwächste, da fängt ein Baumarkt Paddelboot mal
etwas an zu wackeln. Bei Kategorie 5 kann man auch mit erfahrenen Besatzungen
auch mal über Kopf gehen oder allein aus dem Boot fallen). Ich hatte meine Tour
von Deutschland aus gebucht und auch gleich angefragt ob meine XXL Abmessungen
und mein Gewicht, bei dieser Tour ein Problem darstellen würden. Nach meinen
Erfahrungen aus Neuseeland beim Delphinschwimmen habe ich ja dazu gelernt.
Diese Probleme wurden verneint, was nur bedingt stimmte. Der Neoprenanzug
passte tatsächlich (hätte ich nicht geglaubt). Darüber gab es aber noch Jacken
zum Schutz vor dem Spritzwasser. Großspurig wurde mir an der Ausgabe
angekündigt, dass man auch davon eine passende für mich hätte. Mein Kennerblick
verriet auf den ersten Blick Skepsis. Und tatsächlich war am Bauchansatz
Schluss. So musste ich ohne Jacke fahren. Sah toll aus, mit braungebrannten
Unterarmen und dem Käse darüber. Immerhin habe ich mich bei der Aktion nicht
verbrannt. Dazu musste meine Schwimmweste auch mit extra Gurten gesichert
werden, damit sie mir im Fall der Fälle nicht im Gesicht klebt. Sie haben
immerhin an alles gedacht. Dann wurde noch die Gopro auf den Helm geklebt und
dann ging es auch schon aufs Boot.
Es folgte eine sehr ausführliche Sicherheitseinweisung.
Sicherheit wurde wirklich groß geschrieben. Zu den zwei Rafting Booten fuhren
noch zwei Begleitboote mit um ggfs. Von Bord gefallene Besucher wieder
aufzufischen, ein Kamerakajak und mehrere Mitarbeiter an Land an den
anspruchsvollsten Stromschnellen komplettierten das Team. Die Sicherheitseinweisung hat fast eine halbe
Stunde gedauert. Und alle Einzelheiten wurden nicht nur besprochen, sondern
auch geübt. Nachdem all das geklappt hat ging es auch schon los, die erste
Stromschnelle wartete. Wir waren ein tolles Team an Bord. Ich fuhr mit einer
chilenischen Familie. Vater, erwachsener Sohn und zwei Teenager Schwestern. Dazu
Charly, ein wirklich sehr netter und erfahrener Guide und Steuermann unseres
Bootes. Es sei vorweg gesagt, unser Boot hatte keine gefährlichen Situationen,
wir haben alle Situationen hervorragend gemeistert und erreichten vollzählig
und gut gelaunt nach etwa 90 Minuten das Ziel. Das zweite Boot hatte nicht ganz
so viel Glück. In einer Stromschnelle erwischten sie eine Welle nur etwa 2m zu
weit rechts, bekamen einen Schlag von unten und in einem ordentlichen Bogen
purzelte eine kleine Chinesin aus dem Boot. Es ist ihr aber nichts passiert,
alle Sicherheitsmaßnahmen funktionierten und nach wenigen Minuten konnte sie
die Fahrt in Ihrem Boot wieder fortsetzen. Ich habe aber etwas in mich hinein
gegrinst und mich darüber gefreut, dass es Situationen gibt, wo Gewicht auch
mal hilfreich ist. Nach jeder Stromschnelle war kurzes Verschnaufen angesagt
und dann wurde die nächste erklärt und wie wir da durch fahren wollen. Hat bei
allen in unserem Boot super geklappt.
Nach 90 ereignisreichen Minuten erreichten wir das Ziel. Die letzten
Gruppenfotos wurden gemacht, alle zogen sich um und danach gab es zur Stärkung
einen kleinen Imbiss. Auf einem Laptop wurden die Fotos des Kamerabootes
gezeigt. Diese waren echt toll und so habe ich mir gleich eine DVD davon
geordert. Eine tolle Ergänzung zu meinem Video.
Es war ein wirklich toller Tag und die Kombination aus
Action und atemberaubender Landschaft macht den Reiz von Rafting aus. Ich kann
mir vorstellen, dass dies nicht mein letztes Raftingabenteuer war.
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