Das Wetter präsentierte sich zum
Aufstehen leider grau in grau. Es fielen auch ein paar Tröpfchen,
aber nur kurz und sehr wenige. Damit war die Entscheidung gefallen,
Planespotting fiel aus, Sightseeing war angesagt. Da ich aus dem
Reiseführer bereits wusste, dass man nach Downtown besser nicht mit
dem Auto fährt, fuhr ich lieber zur Park+Ride Station South San
Francisco und von dort mit dem BART (Bay Area Rapid Train, eine Art
Express U-Bahn) in die Innenstadt zur Market Street/Ecke Powell
Street.Der Plan war jetzt eigentlich, weil man ja wusste, das Frisco
hügelig ist, das man von der Market Street zu den Piers runterläuft
und später von den Piers zu Market Street mit den Cable Cars wieder
hochfährt. Ein Blick aus der U-Bahn Station verriet mir, dass der
Plan beschissen war und nicht funktionierte. Denn ich schaute
rauf..........
Naja, man war ja in den vergangenen
drei Tagen quasi im Höhentrainingslager gewesen. Also können die
paar Hügel in Frisco doch auch zu erklimmen sein, oder ? (wer den
Sarkasmus findet, bitte laut „Hallo“ schreien !) Nach wenigen
Blocks erreichte man den ersten Zwischenstop am Union Square. Ein
recht schmuckloser Platz. Den Touristen dient er als Treff- und
Startpunkt für die Hop-On/Hop-Off Bustouren durch die Stadt. Nur 30
m entfernt auf der nächsten Seite dient der Platz als Treffpunkt für
die Verlierer des Systems, die den amerikanischen Traum nicht mehr
weiterträumen dürfen (und die gefühlt bei jedem USA-Besuch immer
zahlreicher und auch immer verelendeter werden. Hier läuft was ganz
gewaltig schief in diesem Land). Es ist schon ein krasses Bild wenn
auf zwei nebeneinander liegenden Treppen auf dem selben Platz, sich
so unterschiedliche Gesellschaftszustände wiederfinden. Und beide
Gruppen nehmen noch nicht einmal Notiz voneinander.
Nach kurzer Pause ging es weiter nach
Chinatown. Da hatte ich mich als Asienfan schon sehr drauf gefreut.
Und wie das so ist, wenn man sich auf etwas besonders freut, wird man
eher enttäuscht. So war es auch hier. Von einer richtigen Chinatown
kann nur bedingt die Rede sein. Auf der Haupstrasse, der Grant
Street, reiht sich ein Kitschsouvenierladen an den nächsten und das
eine Meile lang. Nur in einigen wenigen Seitenstrassen, findet man
die für Asiatische Handels- und Marktstrassen typischen Medizin-,
Lebensmittel- und Kräuter/Gewürzläden. Eine der kleinen
Abwechslungen war eine asiatische Bäckerei, die ich auch gleich mal
antesten wollte, denn zu einem richtigen Frühstück war ich nocht
nicht gekommen. Ich orderte 3 verschiedene Leckereien, 1 Sesamkugel,
1 Kokoskuchen und einen asiatischen Cup Cake. Alle hatten eins
gemeinsam, sie waren ordentlich fettig, dafür aber weniger süss als
hiesiges Gebäck.
An der nächsten Kreuzung kam ich zu
einer römisch-katholischen Kirche, was ich recht merkwürdig
fand.Ich hatte jetzt eher einen buddhistischen Schrein erwartet (den
es in ganz Chinatown nicht gibt, zumindest weiss ich nichts davon).
In dieser Kirche war es schwer, Ruhe zu finden. Chinesische Fiedler
nervten mit Ihrer handwerklich desolaten Instrumentalkunst. Ich
setzte mich und schaute dem Gebetstreiben zu. Und ich war, wie in
Asien, von dem religiösen Pragmatismus (andere würden das
Rosinenpicken nennen) der Asiaten fasziniert. Da nimmt man für die
spirituelle Mitte Elemente des Buddhismus (beim Anzünden einer Kerze
wurde ganz verschämt auch immer ein kleines Räucherstäbchen
angezündet), für den Prunk und Symbolik das Christentum (Verzierte
Kicrchen, Kerzenschein und heiraten in weiss, da fahren die siaten
voll drauf ab). Und wenn man noch Elemente aus anderen Religionen
braucht, dann nimmt man die halt dazu. Für mich (ich bin aber auch
Atheist) steckt da natürlich ein wenig Vorteilsnahme drin (die ich
aber gar nicht sooo schlimm finde), aber vor allem auch ein gutes
Stück gelebte religiöse Toleranz. Denn dadurch, dass sich jeder
quasi seine eingene Religion bastelt, kann niemand dem anderen seine
Religionsausübung zum Vorwurf machen.Und wenn wir uns in der Welt
umschauen, dann stoßen wir doch auf immer mehr in allen Teilen und
Religionen dieser Welt auf religiöse Eiferer, die anderen ihren
Lebensweg aufzwingen wollen und dafür auch töten. Da ist mir der
asiatische Weg lieber und ich denke, wenn mehr so handeln würden,
wäre die Welt ein gutes Stück friedlicher.
Nach genug Ruhe und Besinnung ging es
weiter (nach oben.....) und als ich die Filbert Street erreichte,
traf ich doch tatsächlich den Entschluss auf den Coit Tower zu
gehen. Für diejenigen, die da noch nicht waren: Jetzt wurde es so
steil, dass der Fußweg nur noch aus Treppenstufen bestand.......,
vielen Treppenstufen, seeeeehr vielen Treppenstufen, nicht enden
wollenden Treppenstufen …...........
Aber ich bin tatsächlich am Tower
angekommen und die letzten Meter legt man mit einem über 80 Jahre
alten Fahrstuhl zurück. Belohnt wird man mit einem sagenhaften
Ausblick über die gesamte Bay Area. Von Golden Gate über Alcatraz
und Oakland bis Downtown und Airport. Die Qualen haben sich gelohnt.
Nach einer Pause begann der Abstieg zu
den Piers. Vorher kommt man am Levi´s Plaza vorbei, wo die Firma
auch einen Firmensitz und für Fans einen Shop betreibt. Zu guter
letzt landete ich in DER Touristenfalle schlechthin von Frisco, Pier
39. Ein Nepp reiht sich an den nächsten, selbst die hier zu
findenden Robben dürften sich im Leben nicht freiwillig hier
angesiedelt haben.
Zeit für den Rückweg. Dieser sollte,
wei erwähnt mit der Cable Car bewerkstelligt werden, die auch wenige
Blocks entfernt losfuhr, …............ wenn sie denn heile gewesen
wäre. War sie aber nicht !! Also zur nächsten Linie, noch einige
Blocks weiter. Diese fuhr wenigstens, aber in reduziertem Rahmen und
war auch hoffnungslos überlaufen. Wartezeit über eine Stunde !
Nützt ja nix, für noch eine Kletterpartie hatte ich einfach keine
Kraft mehr. Zum Schlange stehen reichte es gerade noch. Irgendwann
kam auch ich an die Reihe und nachdem die stehenden Passagiere eine
Einweisung erhalten hatten, mit welcher Hand sie sich an welcher
Reling festhalten durften, ging es endlich polternderweise los. Es
war ein Erlebnis. Ich habe schwer Respekt vor den Fahrern, die nicht
nur auf den Verkehr aufpassen müssen, sondern auch auf den ganzen
Mist, den ihre Passagiere so bauen. Nachdem ich an der Powell Street
angekommen war, stieg ich wieder in die BART zu meinem Auto.
Zum Abschluss des Tages noch ein
ordentliche Portion Sushi (Google hat da wirklich eine ordentliche
Empfehlung rausgehauen). Mal schauen, ob der Seenebel morgen den
Blick auf die Golden Gate freigibt. War heute nicht immer der Fall.
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