Freitag, 19. September 2014

18. September San Francisco


Das Wetter präsentierte sich zum Aufstehen leider grau in grau. Es fielen auch ein paar Tröpfchen, aber nur kurz und sehr wenige. Damit war die Entscheidung gefallen, Planespotting fiel aus, Sightseeing war angesagt. Da ich aus dem Reiseführer bereits wusste, dass man nach Downtown besser nicht mit dem Auto fährt, fuhr ich lieber zur Park+Ride Station South San Francisco und von dort mit dem BART (Bay Area Rapid Train, eine Art Express U-Bahn) in die Innenstadt zur Market Street/Ecke Powell Street.Der Plan war jetzt eigentlich, weil man ja wusste, das Frisco hügelig ist, das man von der Market Street zu den Piers runterläuft und später von den Piers zu Market Street mit den Cable Cars wieder hochfährt. Ein Blick aus der U-Bahn Station verriet mir, dass der Plan beschissen war und nicht funktionierte. Denn ich schaute rauf..........

Naja, man war ja in den vergangenen drei Tagen quasi im Höhentrainingslager gewesen. Also können die paar Hügel in Frisco doch auch zu erklimmen sein, oder ? (wer den Sarkasmus findet, bitte laut „Hallo“ schreien !) Nach wenigen Blocks erreichte man den ersten Zwischenstop am Union Square. Ein recht schmuckloser Platz. Den Touristen dient er als Treff- und Startpunkt für die Hop-On/Hop-Off Bustouren durch die Stadt. Nur 30 m entfernt auf der nächsten Seite dient der Platz als Treffpunkt für die Verlierer des Systems, die den amerikanischen Traum nicht mehr weiterträumen dürfen (und die gefühlt bei jedem USA-Besuch immer zahlreicher und auch immer verelendeter werden. Hier läuft was ganz gewaltig schief in diesem Land). Es ist schon ein krasses Bild wenn auf zwei nebeneinander liegenden Treppen auf dem selben Platz, sich so unterschiedliche Gesellschaftszustände wiederfinden. Und beide Gruppen nehmen noch nicht einmal Notiz voneinander.

Nach kurzer Pause ging es weiter nach Chinatown. Da hatte ich mich als Asienfan schon sehr drauf gefreut. Und wie das so ist, wenn man sich auf etwas besonders freut, wird man eher enttäuscht. So war es auch hier. Von einer richtigen Chinatown kann nur bedingt die Rede sein. Auf der Haupstrasse, der Grant Street, reiht sich ein Kitschsouvenierladen an den nächsten und das eine Meile lang. Nur in einigen wenigen Seitenstrassen, findet man die für Asiatische Handels- und Marktstrassen typischen Medizin-, Lebensmittel- und Kräuter/Gewürzläden. Eine der kleinen Abwechslungen war eine asiatische Bäckerei, die ich auch gleich mal antesten wollte, denn zu einem richtigen Frühstück war ich nocht nicht gekommen. Ich orderte 3 verschiedene Leckereien, 1 Sesamkugel, 1 Kokoskuchen und einen asiatischen Cup Cake. Alle hatten eins gemeinsam, sie waren ordentlich fettig, dafür aber weniger süss als hiesiges Gebäck.
An der nächsten Kreuzung kam ich zu einer römisch-katholischen Kirche, was ich recht merkwürdig fand.Ich hatte jetzt eher einen buddhistischen Schrein erwartet (den es in ganz Chinatown nicht gibt, zumindest weiss ich nichts davon). In dieser Kirche war es schwer, Ruhe zu finden. Chinesische Fiedler nervten mit Ihrer handwerklich desolaten Instrumentalkunst. Ich setzte mich und schaute dem Gebetstreiben zu. Und ich war, wie in Asien, von dem religiösen Pragmatismus (andere würden das Rosinenpicken nennen) der Asiaten fasziniert. Da nimmt man für die spirituelle Mitte Elemente des Buddhismus (beim Anzünden einer Kerze wurde ganz verschämt auch immer ein kleines Räucherstäbchen angezündet), für den Prunk und Symbolik das Christentum (Verzierte Kicrchen, Kerzenschein und heiraten in weiss, da fahren die siaten voll drauf ab). Und wenn man noch Elemente aus anderen Religionen braucht, dann nimmt man die halt dazu. Für mich (ich bin aber auch Atheist) steckt da natürlich ein wenig Vorteilsnahme drin (die ich aber gar nicht sooo schlimm finde), aber vor allem auch ein gutes Stück gelebte religiöse Toleranz. Denn dadurch, dass sich jeder quasi seine eingene Religion bastelt, kann niemand dem anderen seine Religionsausübung zum Vorwurf machen.Und wenn wir uns in der Welt umschauen, dann stoßen wir doch auf immer mehr in allen Teilen und Religionen dieser Welt auf religiöse Eiferer, die anderen ihren Lebensweg aufzwingen wollen und dafür auch töten. Da ist mir der asiatische Weg lieber und ich denke, wenn mehr so handeln würden, wäre die Welt ein gutes Stück friedlicher.

Nach genug Ruhe und Besinnung ging es weiter (nach oben.....) und als ich die Filbert Street erreichte, traf ich doch tatsächlich den Entschluss auf den Coit Tower zu gehen. Für diejenigen, die da noch nicht waren: Jetzt wurde es so steil, dass der Fußweg nur noch aus Treppenstufen bestand......., vielen Treppenstufen, seeeeehr vielen Treppenstufen, nicht enden wollenden Treppenstufen …...........
Aber ich bin tatsächlich am Tower angekommen und die letzten Meter legt man mit einem über 80 Jahre alten Fahrstuhl zurück. Belohnt wird man mit einem sagenhaften Ausblick über die gesamte Bay Area. Von Golden Gate über Alcatraz und Oakland bis Downtown und Airport. Die Qualen haben sich gelohnt.
Nach einer Pause begann der Abstieg zu den Piers. Vorher kommt man am Levi´s Plaza vorbei, wo die Firma auch einen Firmensitz und für Fans einen Shop betreibt. Zu guter letzt landete ich in DER Touristenfalle schlechthin von Frisco, Pier 39. Ein Nepp reiht sich an den nächsten, selbst die hier zu findenden Robben dürften sich im Leben nicht freiwillig hier angesiedelt haben.

Zeit für den Rückweg. Dieser sollte, wei erwähnt mit der Cable Car bewerkstelligt werden, die auch wenige Blocks entfernt losfuhr, …............ wenn sie denn heile gewesen wäre. War sie aber nicht !! Also zur nächsten Linie, noch einige Blocks weiter. Diese fuhr wenigstens, aber in reduziertem Rahmen und war auch hoffnungslos überlaufen. Wartezeit über eine Stunde ! Nützt ja nix, für noch eine Kletterpartie hatte ich einfach keine Kraft mehr. Zum Schlange stehen reichte es gerade noch. Irgendwann kam auch ich an die Reihe und nachdem die stehenden Passagiere eine Einweisung erhalten hatten, mit welcher Hand sie sich an welcher Reling festhalten durften, ging es endlich polternderweise los. Es war ein Erlebnis. Ich habe schwer Respekt vor den Fahrern, die nicht nur auf den Verkehr aufpassen müssen, sondern auch auf den ganzen Mist, den ihre Passagiere so bauen. Nachdem ich an der Powell Street angekommen war, stieg ich wieder in die BART zu meinem Auto.

Zum Abschluss des Tages noch ein ordentliche Portion Sushi (Google hat da wirklich eine ordentliche Empfehlung rausgehauen). Mal schauen, ob der Seenebel morgen den Blick auf die Golden Gate freigibt. War heute nicht immer der Fall.

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