Früh ging es heute aus den Federn. Nach einem kurzen
Frühstück machte ich mich auf den kurzen Weg zurück von Te Anau nach Manapouri.
Dort traf ich schon nach kurzer Zeit Diane von Deepcovecharters um für die
Overnight Bootstour im Doubtful Sound einzuchecken. Das Boot fasst 12 Gäste. 11
Gäste waren wir. Mit mir reisten noch 4 Australierinnen, und je 1 deutsches, 1
englisches und 1 neuseeländisches Paar. Es stellte sich heraus dass es sich um
eine sehr nette Gruppe handelte.
Es gibt zwei populäre Touren in die Fjorde des Fjordlandes.
Einmal zum Doubtful Sound und zum anderen in den Milford Sound. Die Tour in den
Milford Sound ist die deutlich populärere, da dort jedermann mit dem Auto
hinfahren, aufs Boots steigen und losfahren kann.
Beim Doubtful Sound ist das nicht möglich und die Anreise
deutlich umständlicher. Zuerst besteigt man in Manapouri ein Boot. Dann geht es
fast 1 Stunde lang über den Lake Manapouri bis zur Anlegestelle am
Wasserkraftwerk West Arm. Dort wechselt man in einen Transferbus und fährt eine
ziemlich abenteuerliche (insbesondere bei Regen) Route über den Wilmot Pass nach Deep Cove. Dort besteigt man
das Schiff. In meinem Fall die „Sea Finn“. Zuerst werden allen Gästen die
Kabinen zugewiesen. Ich hatte extra eine Einzelkabine gebucht um Mitreisenden
auch eine Mütze Schlaf zu gönnen. An Bord musste ich dann feststellen, dass die
Kabinen nicht mit Türen sondern nur mit Vorhängen ausgestattet waren. Tja, ich
hatte es wenigstens versucht. So mussten meine Mitreisenden hoffen, dass mein
Schnarchen leiser wäre als der Schiffdiesel (woran ich ernsthafte Zweifel
hatte).
Der große Unterschied zwischen den Tagestouren und den
Overnight Cruises im Doubtful Sound ist Ruhe, der Fahrt. Die Tagestouren jagen
einmal den Spund rauf und runter, während die „Übernachter“ ganz in Ruhe
cruisen und auch mal an schönen Stellen anhalten.
Nach Verlassen der Anlegestelle, gab es einen kleinen Lunch,
zubereitet von unserem Matrosen Travis, der übrigends sehr gut gekocht hat. Der
Lunch bestand aus dieversem frischen Gemüse, Nudelsalat, Eiern und fangfrischen
Langusten aus dem Sound, die eine Größe hatten, die manchem Hummer vor Neid
erblassen lässt. Die Langusten fängt Skipper Chris immer nachmittags mit
eigenen Reusen wie wir später ansehen konnten.
Die Trips im Doubtful Sound werden nur von 4-5 Booten
durchgeführt. Die liegt zum einen an der erwähnten Anreise und zum anderen an
dem daurch bedingten recht happigen Preis von 550 NZD pro Person. Dadurch hat
man aber den Vorteil, dass jeder in der jeweiligen Ecke des Sounds gerade für
sich ist, denn die Skipper sprechen sich ab und befahren den Sound mit seinen
Nebenarmen jeweils auf unterschiedlichen Routen. Dieses macht das Erlebnis umso
schöner. Denn die Natur im Doubtful Sound ist einfach atemberaubend. Wir hatten
leider keinen Sonnenschein. Aber im Gegensatz zum Wetterbericht und meinen
Befürchtungen hatten wir auch keinen Betrag zu den durchschnittlich mehr als
8000 mm Regen im Jahr, die hier fallen. Im vergangenen Jahr waren es sogar mehr
als 11000 mm ! Wir hatten einen bedeckten Himmel, aber die Wolken waren
überwiegend über den Bergen. So stand uns das Panorama vollständig zur Ansicht
zur Verfügung.
Wir begaben uns nach dem augezeichneten Lunch zuerst in den
Crooked Arm. Dort erwartete uns eine wundervolle Szenerie mit steilen
Berghängen welche mit üppigen Wäldern überwuchert waren. Diese waren von der
Vegetation teilweise tropischer Natur, was der Unmenge an Niederschlag hier
geschuldet ist. An den Berghängen fielen unzählige Wasserfälle hinab in den
Sound. Noch nirgndwo in der Welt habe ich eine derartige Dichte an Wasserfällen
bewundern dürfen. Diese stürzten sich zum Teil mehrere hundert Meter hinab in
den Sound. Dort schiebt sich dann das Süßwasser über das vorhandene Salzwasser
und sorgt damit zum einen für eine tiefschwarze Färbung des Wassers und zum
anderen für eine einzigartige Fauna. Denn oben schwimmen die Süßwassertieren
und unten die Salzwassertiere. Das sollten wir uns am ersten Halt zu Nutze
machen. Einige Gäste verließen das Boot um in den an Bord befindlichen Kaus auf
eigene Faust den Seitenarm zu erkunden. Der verbliebene Rest (zu dem auch ich
gehörte), widmete sich dem Versuch das Abendessen zu angeln. Dieses taten wir
dann im tiefen Wasser des Sounds. Bereits nach kurzer Zeit gab es die ersten
Bisse und ich holte den ersten Fisch dieser Tour an Bord. Einen „Sea Perch“
oder auf Deutsch „Seebarsch“. Sieht furchteinflössend aus. Musste dann aber
lernen, dass dieser Fisch nur als Köderfisch verwendet wird. Es gab noch
weitere Bisse, aber leider immer die selben Fische, oder zu kleine Fische. An
anderen Stellen war uns später das Glück noch weniger hold. Nachdem wir die
Kanuten wieder eingesammelt hatten, ging es wieder zurück in den Hauptarm bis
hinaus zu den Ausläufern der Tasmanischen See. Der Seegang nahm nun deutlich
zu. Die Anzahl der uns umgebenden Tiere auch. Wir fuhren an Robbenfelsen
vorbei. Und Möwen und Albatrosse erhofften sich einige Happen von uns. An
einigen Stellen versuchten wir noch zu fischen. Allerdings mit mäßigem Erfolg.
Bis auf Don, unserem einheimischen Gast. Der fischte alles mögliche aus dem
Wasser. Bis hin zu einem kleinen Hai. Den wir aber natürlich zurück in die See
gaben (nachdem er von uns ausgiebig fotografiert wurde). Als nächstes begaben
wir uns zu Chris` Langustenkäfigen und holten diese vom Grund des Sounds aufs
Boot. Die Käfige waren sehr gut gefüllt mit wirklich schönen und sehr großen
Langusten. Die kleinsten, aber auch die größten (denn die waren gerade am
Brüten), gingen wieder zurück ins Meer. Vorher durften wir aber noch
kamerawirksam posieren mit ihnen. Dann wurde
es Zeit für das Dinner und wir suchten einen geschützten Ankerplatz.
Travis hatte wieder gut und reichlich gekocht (der arme Kerl musste wirklich
keulen wie ein blöder und ist abends todmüde als erster ins Bett). Es gab
Fisch, Wild, Gemüse und gebackene Kartoffeln mit Kräutern. Die alkoholischen
Getränke mussten sich die Gäste mitbringen (ist in Neuseeland wegen der
Alkohollizenzen so üblich). Nach dem Essen gab es dann noch geselliges
Beisammensein, welches bei uns etwas geselliger als üblich ausfiel, denn
Skipper Chris hatte Geburtstag.
Gegen 23 Uhr ging es dann aber in die Koje, Denn um 06:30 am
nächsten Tag ging es schon wieder los. Und das frühe aufstehen lohnte sich,
denn Delfine, in diesem Fall Große Tümmler, gesellten sich zu uns. Chris gönnte
uns ausgiebig Zeit mit Ihnen. So waren wir fast eine Stunde zusammen mit Ihnen.
Zwischendurch tauchte auch noch mittendrin zwischen den Delfinen mit lauten
Gequake ein Blue eyed Pinguin auf.
Dann ging es langsam den Hauptarm wieder zurück nach Deep
Cove. Inzwischen hatte es angefangen zu regnen und es sollte auch den ganzen
Tag nicht mehr aufhören. In Deep Cove war Abschied von Travis angesagt und
Chris brachte uns zum Schiffstransfer nach Lake Manapouri wo wir gegen Mittag
ankamen bei unglaublich kalten 10°C.
Es war ein unglaublicher Trip. Sehr teuer, aber jeden Cent
wert. Wer hierher kommt, sollte ihn unbedingt machen.
Da der Dauerregen nicht nachließ entschied ich mich, nach
Ankunft im Hotel einen Waschtag einzulegen und ansonsten eine ordentliche Mütze
Schlaf zu nehmen, denn ich war todmüde.
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