Dienstag, 14. Februar 2017

12./13.02.17 Übernacht Bootstour im Doubtful Sound



Früh ging es heute aus den Federn. Nach einem kurzen Frühstück machte ich mich auf den kurzen Weg zurück von Te Anau nach Manapouri. Dort traf ich schon nach kurzer Zeit Diane von Deepcovecharters um für die Overnight Bootstour im Doubtful Sound einzuchecken. Das Boot fasst 12 Gäste. 11 Gäste waren wir. Mit mir reisten noch 4 Australierinnen, und je 1 deutsches, 1 englisches und 1 neuseeländisches Paar. Es stellte sich heraus dass es sich um eine sehr nette Gruppe handelte.
Es gibt zwei populäre Touren in die Fjorde des Fjordlandes. Einmal zum Doubtful Sound und zum anderen in den Milford Sound. Die Tour in den Milford Sound ist die deutlich populärere, da dort jedermann mit dem Auto hinfahren, aufs Boots steigen und losfahren kann.
Beim Doubtful Sound ist das nicht möglich und die Anreise deutlich umständlicher. Zuerst besteigt man in Manapouri ein Boot. Dann geht es fast 1 Stunde lang über den Lake Manapouri bis zur Anlegestelle am Wasserkraftwerk West Arm. Dort wechselt man in einen Transferbus und fährt eine ziemlich abenteuerliche (insbesondere bei Regen) Route über den  Wilmot Pass nach Deep Cove. Dort besteigt man das Schiff. In meinem Fall die „Sea Finn“. Zuerst werden allen Gästen die Kabinen zugewiesen. Ich hatte extra eine Einzelkabine gebucht um Mitreisenden auch eine Mütze Schlaf zu gönnen. An Bord musste ich dann feststellen, dass die Kabinen nicht mit Türen sondern nur mit Vorhängen ausgestattet waren. Tja, ich hatte es wenigstens versucht. So mussten meine Mitreisenden hoffen, dass mein Schnarchen leiser wäre als der Schiffdiesel (woran ich ernsthafte Zweifel hatte).
Der große Unterschied zwischen den Tagestouren und den Overnight Cruises im Doubtful Sound ist Ruhe, der Fahrt. Die Tagestouren jagen einmal den Spund rauf und runter, während die „Übernachter“ ganz in Ruhe cruisen und auch mal an schönen Stellen anhalten.
Nach Verlassen der Anlegestelle, gab es einen kleinen Lunch, zubereitet von unserem Matrosen Travis, der übrigends sehr gut gekocht hat. Der Lunch bestand aus dieversem frischen Gemüse, Nudelsalat, Eiern und fangfrischen Langusten aus dem Sound, die eine Größe hatten, die manchem Hummer vor Neid erblassen lässt. Die Langusten fängt Skipper Chris immer nachmittags mit eigenen Reusen wie wir später ansehen konnten.
Die Trips im Doubtful Sound werden nur von 4-5 Booten durchgeführt. Die liegt zum einen an der erwähnten Anreise und zum anderen an dem daurch bedingten recht happigen Preis von 550 NZD pro Person. Dadurch hat man aber den Vorteil, dass jeder in der jeweiligen Ecke des Sounds gerade für sich ist, denn die Skipper sprechen sich ab und befahren den Sound mit seinen Nebenarmen jeweils auf unterschiedlichen Routen. Dieses macht das Erlebnis umso schöner. Denn die Natur im Doubtful Sound ist einfach atemberaubend. Wir hatten leider keinen Sonnenschein. Aber im Gegensatz zum Wetterbericht und meinen Befürchtungen hatten wir auch keinen Betrag zu den durchschnittlich mehr als 8000 mm Regen im Jahr, die hier fallen. Im vergangenen Jahr waren es sogar mehr als 11000 mm ! Wir hatten einen bedeckten Himmel, aber die Wolken waren überwiegend über den Bergen. So stand uns das Panorama vollständig zur Ansicht zur Verfügung.
Wir begaben uns nach dem augezeichneten Lunch zuerst in den Crooked Arm. Dort erwartete uns eine wundervolle Szenerie mit steilen Berghängen welche mit üppigen Wäldern überwuchert waren. Diese waren von der Vegetation teilweise tropischer Natur, was der Unmenge an Niederschlag hier geschuldet ist. An den Berghängen fielen unzählige Wasserfälle hinab in den Sound. Noch nirgndwo in der Welt habe ich eine derartige Dichte an Wasserfällen bewundern dürfen. Diese stürzten sich zum Teil mehrere hundert Meter hinab in den Sound. Dort schiebt sich dann das Süßwasser über das vorhandene Salzwasser und sorgt damit zum einen für eine tiefschwarze Färbung des Wassers und zum anderen für eine einzigartige Fauna. Denn oben schwimmen die Süßwassertieren und unten die Salzwassertiere. Das sollten wir uns am ersten Halt zu Nutze machen. Einige Gäste verließen das Boot um in den an Bord befindlichen Kaus auf eigene Faust den Seitenarm zu erkunden. Der verbliebene Rest (zu dem auch ich gehörte), widmete sich dem Versuch das Abendessen zu angeln. Dieses taten wir dann im tiefen Wasser des Sounds. Bereits nach kurzer Zeit gab es die ersten Bisse und ich holte den ersten Fisch dieser Tour an Bord. Einen „Sea Perch“ oder auf Deutsch „Seebarsch“. Sieht furchteinflössend aus. Musste dann aber lernen, dass dieser Fisch nur als Köderfisch verwendet wird. Es gab noch weitere Bisse, aber leider immer die selben Fische, oder zu kleine Fische. An anderen Stellen war uns später das Glück noch weniger hold. Nachdem wir die Kanuten wieder eingesammelt hatten, ging es wieder zurück in den Hauptarm bis hinaus zu den Ausläufern der Tasmanischen See. Der Seegang nahm nun deutlich zu. Die Anzahl der uns umgebenden Tiere auch. Wir fuhren an Robbenfelsen vorbei. Und Möwen und Albatrosse erhofften sich einige Happen von uns. An einigen Stellen versuchten wir noch zu fischen. Allerdings mit mäßigem Erfolg. Bis auf Don, unserem einheimischen Gast. Der fischte alles mögliche aus dem Wasser. Bis hin zu einem kleinen Hai. Den wir aber natürlich zurück in die See gaben (nachdem er von uns ausgiebig fotografiert wurde). Als nächstes begaben wir uns zu Chris` Langustenkäfigen und holten diese vom Grund des Sounds aufs Boot. Die Käfige waren sehr gut gefüllt mit wirklich schönen und sehr großen Langusten. Die kleinsten, aber auch die größten (denn die waren gerade am Brüten), gingen wieder zurück ins Meer. Vorher durften wir aber noch kamerawirksam posieren mit ihnen. Dann wurde  es Zeit für das Dinner und wir suchten einen geschützten Ankerplatz. Travis hatte wieder gut und reichlich gekocht (der arme Kerl musste wirklich keulen wie ein blöder und ist abends todmüde als erster ins Bett). Es gab Fisch, Wild, Gemüse und gebackene Kartoffeln mit Kräutern. Die alkoholischen Getränke mussten sich die Gäste mitbringen (ist in Neuseeland wegen der Alkohollizenzen so üblich). Nach dem Essen gab es dann noch geselliges Beisammensein, welches bei uns etwas geselliger als üblich ausfiel, denn Skipper Chris hatte Geburtstag.
Gegen 23 Uhr ging es dann aber in die Koje, Denn um 06:30 am nächsten Tag ging es schon wieder los. Und das frühe aufstehen lohnte sich, denn Delfine, in diesem Fall Große Tümmler, gesellten sich zu uns. Chris gönnte uns ausgiebig Zeit mit Ihnen. So waren wir fast eine Stunde zusammen mit Ihnen. Zwischendurch tauchte auch noch mittendrin zwischen den Delfinen mit lauten Gequake ein Blue eyed Pinguin auf.
Dann ging es langsam den Hauptarm wieder zurück nach Deep Cove. Inzwischen hatte es angefangen zu regnen und es sollte auch den ganzen Tag nicht mehr aufhören. In Deep Cove war Abschied von Travis angesagt und Chris brachte uns zum Schiffstransfer nach Lake Manapouri wo wir gegen Mittag ankamen bei unglaublich kalten 10°C.
Es war ein unglaublicher Trip. Sehr teuer, aber jeden Cent wert. Wer hierher kommt, sollte ihn unbedingt machen.
Da der Dauerregen nicht nachließ entschied ich mich, nach Ankunft im Hotel einen Waschtag einzulegen und ansonsten eine ordentliche Mütze Schlaf zu nehmen, denn ich war todmüde.

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