Donnerstag, 2. Februar 2017

02.02.2017 Christchurch. Eine vom Erdbeben gezeichnete Stadt



Am zweiten Tag war in Christchurch City Sightseeing angesagt. Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es auf Erkundungstour durch die Stadt. Da das Wetter wie am Vortag immer noch sehr durchwachsen war, es waren 14 Grad und manchmal leichter Regen (was zwar deutlich wärmer ist als in Deutschland, wenn man aber aus dem 30 Grad warmen Singapore kommt, ist das einfach nur arschkalt), ging es erst einmal ins Canterbury Museum. Dieses ist eine Art Nationalmuseum. Es zeigt die Geschichte der Besiedlung Neuseelands durch die Menschen, die geologische Beschaffenheit des Landes, die Flora und Fauna. Alles mit sehr interessanten Exponaten. So wurde mir zum ersten Mal bewusst, wie groß (nein riesig) Albatrosse und Kaiserpinguine wirklich sind. Ich wusste, sie sind gross. Aber nicht sooooo groß.
Eine Sonderausstellung gab es auch und was soll ich sagen: 75 Jahre Air New Zealand !!!! da geht einem doch das Herz auf. Auch hier tolle Exponate, zuerst das übliche: Uniformsammlung, Flugzeugmodelle. Dann wurde es schon aufwändiger mit nachgebauten Cabin Mock Ups einer Shorts Sunderland und einer Douglas DC-8. Dann ging es mit sehr viel interaktiven Shows weiter, zur Flugzeugabfertigung, zur Landung eines Dreamliners und man durfte auch seine eigene Air New Zealand Flugzeugbemalung entwerfen. Ich fand es aber auch beeindruckend, dass man nicht nur die Größe hatte, sich selbst zu feiern. Sondern auch die unrühmlichen Kapitel, wie Übernahme und Zusammenbruch der Ansett Australia und die bei einer 75 jährigen Geschichte auch fast unvermeidlichen Abstürze. Mit dem Absturz einer fast vollbesetzten DC10 am Mount Erebus in der Antarktis ist da ja auch nicht so rühmliches Kapitel anbei. Zu guter Letzt stand vor dem Museum noch eine Cockpitsektion einer Boeing 737, welche aber in diesem Tag nicht zur Besichtigung freigegeben war.
Im Anschluss unternahm ich einen Spaziergang im angrenzenden Botanic Garden. Dieser ist wirklich sehr schön und vor allem sehr gepflegt. Dafür das der Eintritt frei ist sehr erfreulich. Da habe ich schon ganz andere öffentliche botanische Gärten gesehen.
Danach ging es in die Innenstadt. Und ich muss sagen, dass mich dieser Anblick schon geschockt hat. Mir war bewusst, dass Christchurch beim großen Beben 2011 schwere Schäden abbekommen hat. Aber so schwer und großräumig war mir das nicht bewusst. Um den Hannoveranern mal die Diemensionen zu verdeutlichen: Die Zerstörungen gehen über ein Gebiet vom Hauptbahnhof bis zur Leine und von dort bis zum Steintor. Dort ist entweder alles kaputt und unbewohnbar oder eingestürzt oder abgerissen) Und das man das nach immerhin 6 Jahren immer noch derart stark sieht. Lediglich ein Komplex von historischen Gebäuden vor dem Canterbury Museum ist in etwa zur Hälfte restauriert. Ende vielleicht 2019. Ansonsten bietet die Innenstadt immer noch ein Bild der Traurigkeit. Die Trümmerberge sind zwar abgetragen. Aber das war es dann auch schon. Es gibt riesige Lücken im Stadtbild. Teilweise stehen ganze Hochhauskomplexe unbewohnbar da und sind immer noch nicht abgerissen (nach 6 Jahren). An andere Stelle fehlen ganze Straßenzüge. Nur in den Einkaufsstrassen tut sich was (aber das auch erst jetzt). Da werden zum Teil ganze Strassenzüge simultan neu gebaut. Bei der Kathedrale ist der Glockenturm komplett eingestürzt. Eine Restauration wurde noch nicht einmal begonnen, da man sich darüber streitet, ob man die alte Kirche restauriert oder einfach abreisst und was ganz Neues baut. Man muss sich nur noch lange genug streiten, dann löst die Zeit das Problem von alleine. Wie mehrere historische Gebäude werden die Reste der Kathedrale nur noch von massiven Stahlträgern gehalten. Bei anderen Gebäuden sieht man sich gezwungen die Passanten vor einem eventuellen Einsturz durch Wände von Seecontainern zu schützen. Warum man die Gebäude dann nicht sichert oder abreißt erschließt sich mir nicht so ganz. Apropos Seecontainer. Damit nicht alle Händler arbeitslos wurden, hat man improvisiert und schnell eine neue Mall gebaut: Aus unzähligen 20 Fuß Seecontainern ! Und aus den Foodcourts wurden einfach Foodtruck Courts. Das Ganze funktioniert so gut, dass diese „Mall“ wahrscheinlich selbst nach Wiederaufbau der Einkaufspassagen stehenbleiben soll.
Nach diesem traurigen Anblick brauchte ich erst einmal wieder was Schönes. Die Sonne kam raus also ab ans Meer und die schönen Strände erkundet und ordentlich Seeluft geschnuppert.
Morgen geht’s nach Kaikoura. Hoffentlich ohne Nachbeben. Da hats ja erst im November geknallt.

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